Schweiz
Prämien-Rechner: Das zweifelhafte Geschäft mit dem Patienten
Wer die günstigste Krankenkasse sucht, wird bei Comparis.ch oder Bonus.ch fündig. Eine Offerte für das beste Angebot bekommt er dort aber nicht unbedingt. Die Internetvergleichsdienste unterstützen die Krankenkassen bei ihrer Jagd nach «guten Risiken» und bekommen dafür auch noch Geld.
Für die Versicherungen sind nicht alle Patienten gleich interessant. Frauen und ältere Leute haben ein grösseres Risiko, krank zu werden und dadurch die Versicherung zu belasten. Auch bei Anfragen für Minimalfranchisen wird ein höheres Gesundheitsrisiko vermutet. Besonders attraktiv sind junge Männer, jedenfalls aus einigen Kantonen.
Allerdings verpflichtet das Gesetz die Krankenkassen, alle, die dies wünschen, in die Grundversicherung aufzunehmen. Um diese so genannte Aufnahmepflicht zu umgehen und die teuren Versicherten nicht aufnehmen zu müssen, lassen sich Krankenkassen immer neue Tricks einfallen. Nun haben sie dafür auch die Internetvergleichsdienste eingespannt.
Selektion vor Prämienvergleich
Je nach Alter, gewünschter Franchise und Wohnkanton kann über Comparis.ch oder Bonus.ch gar keine Offerte für die günstigsten Angebote bestellt werden. Die Anfrage wird auf teurere Krankenkassen umgeleitet.

Comparis.ch könnte die Offerten zwar weiterleiten, die Krankenkassen nähmen diese aber ohnehin nicht entgegen, begründet Eisler die Barriere für gewisse Versicherte. Geld verlange er von den Kassen, um diese Selektion unattraktiv zu machen. Für Comparis.ch macht sich das System bezahlt. Der Internetvergleichsdienst kassiert so nämlich sowohl für weitergeleitete wie auch für abgewiesene Offertenanfragen.
Nur «Schnittstelle»
Auch bei Bonus.ch ist die Selektion kostenpflichtig. Trotzdem sieht sich der Vergleichsdienst nach Angaben eines Sprechers nur als «Schnittstelle» zwischen Krankenkassen und Versicherten. Welche Anfragen sie entgegennehmen wollten, entscheiden allein die Krankenkassen.
Damit sind die Vergleichsdienste nun ins Visier der Aufsichtsbehörden geraten. Jede Versicherung habe die Pflicht, alle Versicherten mit jeder gewünschten Franchise aufzunehmen, sagte Helga Portmann, Leiterin der Versicherungsaufsicht im Bundesamt für Gesundheit (BAG), auf Anfrage. Das BAG prüfe nun, ob die Aufnahmepflicht verletzt werde, wenn Offertanfragen nicht entgegengenommen werden. Sei dies der Fall, schreite das BAG ein, sagte Portmann.
Nicht die einzige «Causa comparis»
Eisler bestreitet, dass das Vorgehen von Comparis.ch gesetzeswidrig ist: Jeder Versicherte könne mit einem eingeschriebenen Brief seinen Beitritt zu einer Kasse erklären, sagte er. Dass allerdings die Versicherten ohne Offerte gar nicht wissen können, welches die für sie günstigste Kasse ist, lässt er nicht gelten. «Wir können die Krankenkassen nicht zwingen, alle Offertanfragen entgegenzunehmen», sagte er.
Die Untersuchung ist nicht die einzige hängige «Causa comparis»: Der Internetvergleichsdienst seinerseits hat Beschwerde gegen den Prämien-Rechner des BAG eingeleitet. Eisler gibt an, sich damit nicht gegen die Konkurrenz zu wehren, sondern gegen das erklärte Ziel des BAG, mit einem eigenen Prämienrechner Comparis.ch zu schädigen. Auch dieses Verfahren ist noch hängig.
Unterschiede beim Prämienvergleich
– Der Prämienrechner des Bundesamtes für Gesundheit (BAG)
– Der Vergleich auf Comparis.ch
– Krankenkassen bei Bonus.ch
(sda/hues)







