Vermischtes
Der letzte Stierkampf in Katalonien
Adíos, blutige Tradition. Die spanische Region Katalonien verabschiedete sich von einer jahrhundertealten Tradition - dem Stierkampf: Die Anhänger des Spektakels kündigten zwar an, politisch für eine Weiterführung zu kämpfen. Doch nun tritt das Verbot am 1. Januar in Kraft.
Noch einmal standen sich heute in Barcelonas Arena «La Monumental» mutige Torreros und wilde Kampfstiere gegenüber. Noch einmal floss Blut, viel Blut: Sechs Stiere starben auf dem historischen Stierkampfplatz einen qualvollen Tod.
Arbeitsloser Torero
«Ich bin sehr traurig, wenn ich daran denke, dass ich den letzten Stier in der Arena von Barcelona töten werde», sagt Serafín Marín. Er ist der letzte Torero, der heute in Katalonien einen Stier töten wird. Er werde sich danach wie ein Verfolgter fühlen, «ein Torero, der in seiner Heimat seinen Beruf nicht mehr ausüben darf», beklagt sich der junge Katalonier in der Zeitung «El Mundo».
Eine alte Tradition wankt
Das katalonische Parlament hatte im Juli vergangenen Jahres ein Verbot für tödliche Stierkämpfe beschlossen. Am 1. Januar 2012 tritt das Stierkampfverbot in Kraft. Katalonien ist die erste Region auf dem spanischen Festland, die mit der jahrhundertealten Tradition bricht.
Tierschützer feiern das Verbot als grossen Erfolg. Trotz langer Tradition wächst in Spanien der Unmut über die Stierkämpfe. Mehr dazu lesen Sie hier.
Allerdings hatten die Parlamentarier beim Beschluss nicht nur das Wohl der Tiere im Auge: Katalonische Nationalisten betrachten den Stierkampf als etwas typisch Spanisches und lehnen die Fiesta auch aufgrund antispanischer Ressentiments ab.
Zudem nahm das Parlament die umstrittene Tradition der «Correbous» von dem Verbot ausdrücklich aus. Dabei handelt es sich um Stiertreiben, die auf katalanischen Volksfesten sehr beliebt sind.
«Corrida» in der Krise
Im Grunde war der Stierkampf in Katalonien bereits tot, bevor er verboten wurde. Die Arena in Barcelona war zuletzt die einzige in der Region, die noch in Betrieb war. Andere Städte wie Gerona, Figueras oder Lloret de Mar liessen ihre Arenen schon vor Jahren abreissen, weil sich kaum jemand für die Kämpfe interessierte.
Im übrigen Spanien lockt der Stierkampf noch immer Tausende von Fans an, aber er steckt ebenfalls in einer schweren Krise. Von 2007 bis 2010 ging die Zahl der Festivals im ganzen Land um 34 Prozent auf 1700 zurück. Die grosse Mehrheit der jungen Spanier suchen sich ihre Idole lieber bei den Popstars oder Fussballern als bei den Toreros.
Die Besucher der Stierkampfarenen sind überwiegend ältere Leute. «Unser Problem ist nicht das Stierkampfverbot in Katalonien», sagt Fernando Garrido, Generalsekretär eines Stierkämpferverbandes. «Wir haben es nicht verstanden, die jungen Leute anzusprechen.»
(dpa/schs)



