Machtwechsel in Libyen
Gaddafi verkaufte Grossteil der Goldreserven
Weil ihm offenbar das Geld ausging hat der libysche Ex-Machthaber Muammar al-Gaddafi kurz vor seinem Sturz eine grosse Menge Gold verkauft. Gerüchte, wonach er sich nach Westafrika abgesetzt haben soll, dementierte Gaddafi in einer Wortmeldung. Der Konflikt hat laut der neuen Regierung mindestens 30‘000 Menschenleben gefordert.
Gaddafi habe kurz vor der Einnahme seiner Residenz 29 Tonnen aus den libyschen Goldbeständen zu Geld gemacht. Dies seien über 20 Prozent der Goldreserven des Landes gewesen. Der Wert des verkauften Anteils belaufe sich auf mehr als eine Milliarde Dollar, sagte Zentralbank-Gouverneur Kassem Assos in Tripolis.
Nach dem monatelangen bewaffneten Konflikt mit den von der Nato unterstützten Aufständischen habe Gaddafi damit in der Endphase seiner Herrschaft Gehälter bezahlen wollen, sagte Assos.
30‘000 Tote, 50‘000 Verletzte
Ein Zentralbankvertreter vermutete, dass das Gold wahrscheinlich über Tunesien ausser Landes geschafft wurde. Die Guthaben der libyschen Zentralbank bezifferte Assos auf 115 Milliarden Dollar, von denen sich 90 Milliarden im Ausland befänden.
Der Aufstand gegen das Regime von Gaddafi hat nach Angaben der Rebellen bisher mindestens 30'000 Menschen das Leben gekostet. Zudem seien in dem mehr als sechs Monate dauernden Konflikt 50'000 Menschen verletzt worden, sagte Nadschii Barakat, Gesundheitsminister der Aufständischen, dem Sender Libya TV.
Es handle sich um vorläufige Zahlen, die sich auf Angaben vonSpitäler, Kommunalvertreter und Rebellenführer stützten. Mindestens 4000 Menschen würden noch vermisst.
Wie der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira berichtete, bestritt der untergetauchte Diktator in einer von dem syrischen Sender Arrai TV ausgestrahlten Telefonbotschaft, sich in einem libyschen Militärkonvoi befunden zu haben, der die nigrische Grenze Anfang der Woche überquert hatte.
An dem Konvoi sei nichts Besonderes gewesen, habe Gaddafi gesagt. Es gebe eine Menge Transporte zwischen den Nachbarländern.
Gaddafi kuscht nicht vor Nato
Seinen Gegnern bleibe «nichts mehr als psychologischer Krieg und Lügen», sagte Gaddafi weiter. Er erklärte sich überzeugt, dass die Nato besiegt werde, und versicherte, dass die Angriffe gegen die «Ratten und Söldner, die eine Bande Hunde sind», verstärkt würden.
Am Dienstag hatte der Nationale Übergangsrat in Libyen gemeldet, dass ein Konvoi die Grenze zum Niger überquert habe. Es habe sich um einen Konvoi gehandelt, wie ihn Gaddafi und seine Söhne sonst benutzten, hiess es. Sowohl der Niger als auch die USA dementierten aber anschliessend, dass sich Gaddafi oder einer seiner Söhne in dem Konvoi befunden habe.
Niger ist überfordert
Vor dem Hintergrund einer möglichen Flucht Gaddafis nach Westafrika haben die USA die Länder in der Region zur Wachsamkeit aufgerufen. Die Grenzen sollten gesichert und Mitglieder des Gaddafi-Regimes festgenommen werden, sagte eine US-Aussenamtssprecherin Victoria Nuland in Washington.
Die nigrische Regierung sieht sich aber ausserstande, die Grenze zum Nachbarland Libyen zu schliessen, um eine Flucht des untergetauchten Gaddafi zu verhindern. «Wir haben keine Mittel, die Grenze zu schliessen», sagte eine Sprecherin des US-Aussenministeriums am Mittwochabend der britischen BBC.
Gaddafis Gefolgsmänner eingereist
Bazoum gestand aber ein, dass unter anderem Gaddafis Sicherheitschef Abdallah Mansur sowie ein «sehr wichtiger» Verantwortlicher des Geheimdiensts ins Land gereist seien.
Wie aus nigrischen Regierungskreisen verlautete, wurde am Mittwochnachmittag die nigrische Botschaft in Tripolis von Unbekannten angegriffen und «verwüstet».
(agenturen/bers/engf)







