Schweiz
Starker Franken: Migros baut Stellen ab
Der Einkaufstourismus fordert erste Opfer. Laut Migros-Chef Herbert Bolliger werden an der Grenze Stellen abgebaut – in Läden, wo die Verkäufe zurückgehen. Derweil geht der Preiskampf weiter. Bolliger fordert tiefere Preise bei Schweizer Landwirtschaftsprodukten.
«In Filialen mit rückläufigen Umsätzen passen wir die Personalkosten laufend an», sagt er gegenüber der Zeitung «Der Sonntag».
Die Migros ist mit mehr als 80'000 Angestellten der grösste Arbeitgeber im Land. «Der Druck im Verkauf ist sehr gross», so Bolliger. Dem Unternehmen kommt entgegen, dass die Fluktuation in der Branche bei rund 10 Prozent liegt. Bolliger: «Diese Fluktuation nutzen wir und ersetzen Abgänge nicht.»
Das Ausmass könne er noch nicht abschätzen. «Innerhalb eines Wirtschaftsgebietes einer Genossenschaft hat es immer auch Filialen, die ein Umsatzwachstum haben und deshalb auch mehr Personal brauchen», erklärt der Migros-Chef. «In diesen Fällen wechseln die Mitarbeitenden die Filiale.»
«Grenzgänger profitieren»
Im «Club» des Schweizer Fernsehens hat Bolliger diese Woche betont, dass die Löhne im Detailhandel auf der deutschen Seite rund dreimal tiefer sind als in der Schweiz. Auch der stellvertretende Coop-Chef Jürg Peritz wies darauf hin.
Bolliger sagt nun: «Grenzgänger profitieren gewaltig von der Wechselkursentwicklung. Sie erhalten ihre Saläre in Franken und haben ihre Haushaltsausgaben in Euro.» Er erwartet darum, dass Grenzgänger nicht zur Fluktuation beitragen: «Es werden nicht primär die Grenzgänger sein, die uns kündigen.»
Preiskampf geht in die nächste Runde
Nach den deutlichen Abschlägen bei Lebensmitteln und Körperpflegeprodukten setzen die Detailhändler weitere Hersteller und Importeure unter Druck. Gegenüber «SonntagsBlick» kündigt Migros-Marketingchef Oskar Sager an: «Bei den Fachmärkten sind die Preise in den letzten Jahren zwar extrem gesunken. Dennoch gibt es im Elektronik- und Sportbereich immer noch Anpassungsbedarf.» Auf die Frage nach konkreten Fällen sagt er: «Zum Beispiel Marken, die wir in Dollar einkaufen wie etwa Sony.»
In der «SonntagsZeitung» forderte Migros-Chef Herbert Bolliger zudem tiefere Preise bei Schweizer Landwirtschaftsprodukten. Im Interview sagt er: «In der Schweiz haben wir noch immer zu viele Schutzzölle. Wir sollten so rasch als möglich die Diskussion um ein EU-Freihandelsabkommen in der Landwirtschaft wieder aufnehmen – auch wenn das auf Widerstand stösst.»
Kunden seien bereit, für den Mehrwert, den die Schweizer Landwirtschaft erbringe, mehr zu bezahlen. «Aber wie viel macht der Mehrwert aus? 20 Prozent? Fleisch kostet in der Schweiz jedoch zwei- bis dreimal so viel wie in Deutschland.»
«Ich ziehe Infrastrukturprojekte vor»
Bolliger kündigt an, dass die Migros ihre Preise übers gesamte Sortiment bis Ende Jahr um rund 5 Prozent gesenkt haben wird. Von der Milliardenspritze des Bundesrates für die Konjunktur hält Bolliger wenig. «Es würde mehr bringen, jetzt ohnehin geplante Infrastrukturprojekte vorzuziehen, statt einfach Geld zu verteilen.»
Eine Befreiung der Lebensmittel von der Mehrwertsteuer lehnt Bolliger – anders als Coop-Chef Hansueli Loosli – ab. «Wir stecken nicht in einer derartigen Krise, dass wir solche Notmassnahmen bräuchten.» Er hält am Wachstumsziel der Migros von 1 Prozent bis Ende Jahr fest.
(sf/weis)



