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Billiger Euro als teures Vergnügen – Wechselkurse vertreiben Schweiztouristen

Uwe Mai
Montag, 15. August 2011, 17:33 Uhr

Trotz der kurzfristigen Erholung, Hotellerie und Gastgewerbe stöhnen nach wie vor unter dem starken Franken. Gäste aus dem Euroraum in die ohnehin als teuer geltende Schweiz zu locken, erweist sich als schwierig. Um so unverständlicher, dass mit Wechselkursen von 1:1 auch noch der letzte Schweizbesucher in die Flucht getrieben wird – sehr zum Unverständnis der Verbände.

Bild Euro- und Frankenmünze.
Der Euro gibt sich dem Franken gegenüber erholt. Doch wer mit ihm in der Schweiz bezahlt, kann dabei durchaus sein blaues Wunder erleben. reuters

Dass es um den Euro schlecht bestellt ist, haben viele inzwischen begriffen. Dem einen oder anderen Schweiz-Besucher aber dürfte es am Wochenende dann aber doch vor Schreck die Schuhe ausgezogen haben. Egal ob bei der Streetparade in Zürich oder der Rigi-Bahn in Vitznau – wer nur Euros in der Tasche hatte, kam unfreiwillig auch ganz ohne kompliziertes Kopfrechnen aus. Denn für einen Euro gab es nur noch einen Franken.

Offiziell lag der Eurokurs am Freitag allerdings bei knapp 1,12 Franken. «Klar», sagt Stefan Epli, Pressesprecher der Streetparade, «das sieht auf den ersten Blick nicht besonders glücklich aus, aber als wir am Mittwoch die Getränkekarten in Druck gegeben haben, stand der Euro bei 1,04 – Tendenz fallend.» Dass der Euro bis zum Freitag wieder geklettert sei, habe niemand vorher sehen können, so Epli.

Bild Mann springt von Brücke ins Wasser.
Der Sprung in den Zürisee – die preiswertere Erfrischung als der Einkauf mit Euros am Getränkestand. reuters

Auch die Rigi-Bahnen in Vitznau berechneten am Wochenende einen Wechselkurs von 1:1. Warum, war heute allerdings nicht in Erfahrung zu bringen. Im Kanton Luzern ist Feiertag. Doch auch ohne Erklärung stösst der schlechte Wechselkurs nicht nur den Euro-Touristen sauer auf.

Bild Rigi-Bahn-Ticket
Euro-Kunde im Pech: 1:1 betrug der Wechselkurs am Sonntag bei der Rigi-Bahn in Vitznau. sf

«Einen Wechselkurs von 1:1 finde ich überhaupt nicht in Ordnung», sagt der Direktor des Schweizer Tourismusverbandes Mario Lütolf. Möglicherweise komme das Ganze aus Bequemlichkeit zustande, weil man so besser umrechnen könne. Aber aus seiner Sicht mache es sich die Branche damit zu einfach. «Denn die ausländischen Gäste sind ohnehin schon sehr sensibel, was die Preise in der Schweiz betrifft», so Lütolf.

Beim Tourismusverband vertrete man deshalb die Auffassung, fair mit dem Gast umzugehen. «Dabei halten wir einen Aufpreis von ein bis zwei Prozent für angemessen.» Zugleich appelliere man an die Verbände, die Wechselkurse so aktuell wie möglich anzupassen.

Ähnlich sieht man das Ganze bei GastroSuisse. Zwar seien abweichende Wechselkurse in der Branche weltweit üblich, aber dennoch empfiehlt der Interessenverband Mass zu halten. Ein Kurs, der maximal ein bis drei Rappen schlechter sei als der aktuelle Kurs der Banken, wäre angemessen, so GastroSuisse in einer schriftlichen Empfehlung an seine Mitglieder.

Bild Kassenbon
Euro-Kunde im Glück: 1,15 Franken gab's für einen Euro am Sonntag in diesem Restaurant. sf

Am Ende sei es aber Sache jedes einzelnen Betriebes, die Wechselkurse festzulegen, so Bernhard Kuster, Direktor von GastroSuisse. Statt ungünstiger Wechselkurse für Touristen beobachte er aber vielmehr das Gegenteil. «Viele Gastro-Betriebe möchten ihren Gästen entgegenkommen und trauen sich gar nicht, den realen Kurs anzuwenden», so Kuster. Vielfach bekomme man für einen Euro noch 1,30 Franken oder gar mehr.

Migros: Täglich neuer Wechselkurs

Fast mehr noch als Hotellerie- und Gastgewerbe hat der Detailhandel mit dem starken Franken zu kämpfen. Das tägliche Anpassen der Kurse ist hier keine lästige Pflicht, sondern schon fast überlebensnotwendig. Mond-Wechselkurse können man sich nicht leisten, so Urs Peter Näf, Pressesprecher der Migros.

«Am Vorabend wird der Kurs bestimmt und dann über Nacht in das System eingespeist. Dabei versuchen wir, die Entwicklung vorauszusehen», so Näf. Es habe aber schon Tage gegeben, an denen man danebengelegen und Verluste gemacht habe. Momentan sei es einfach so, dass man heute nicht wisse, was morgen geschieht, so der Migros-Pressechef.

SBB: Tickets lieber am Schalter

Bei der SBB fährt man deshalb eine Doppelstrategie. Wer an den Ticketschaltern sein Billet in Euro kauft, tut dies zum am Morgen festgelegten Tageskurs.

Bei den Ticketautomaten dagegen ist der Euro-Kunde der Verlierer. «Hier bekommt man derzeit für einen Euro 1,02 Franken», sagt SBB-Pressesprecherin Lea Meyer. Letztmalig habe man den Wechselkurs am Mittwoch angepasst. Wann die nächste Anpassung erfolge, lasse sich im Moment nicht vorhersagen. Man beobachte aber die Kursschwankungen und passe den Kurs gegebenenfalls an, so Meyer.

Bild Eurochart
Am Nachmittag stand der Euro bei knapp 1,13 Franken. Das Gröbste ausgestanden oder die Ruhe vor dem Sturm? Kein Experte mag darauf derzeit eine Antwort geben. swissquote

Fazit: Wer von seinem Urlaub im Euro-Land noch Geld übrig hat, sollte auf Nummer sicher gehen und dies bei seiner Bank eintauschen. Touristen aus dem Euro-Raum fahren hingegen besser, bereits vorab genügend zu tauschen oder aber ganz genau hinzuschauen und die Wechselkurse zu vergleichen.

Kommentare aktiv...

O. toneatti, bern
(olgar Mann)
Verfasst am: 17.8.2011 12:55

Liebe Tourismusleute, nicht verzagen,

SVP um gute Lösungen fragen. Hahaha

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D. Münger, Zürich
(Account3 Mann)
Verfasst am: 15.8.2011 22:41

Irgendwie erinnert die ganze Geschichte...

an den selbstherrlichen Erich von Däniken und... mehr

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A. Frick, Langenargen
(Albert.Frick Mann)
Verfasst am: 15.8.2011 22:34

Urlaub in der Schweiz....

... ist zur Zeit schön, aber dieser Wechselkurs... mehr

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