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Energiepolitik

Höheres Leukämie-Risiko an AKW: Kritik an Schweizer Studie

Von Peter Hall
Montag, 8. August 2011, 2:32 Uhr

In der Nähe von Kernkraftwerken zu leben, erhöht für Kinder deutlich das Risiko an Blutkrebs zu erkranken. Zu diesem Ergebnis kommt eine soeben im Fachmagazin «Strahlentelex» veröffentlichte Studie. In ihren Ergebnissen wendet sich die Analyse eines Physikers zugleich gegen Schlussfolgerungen der jüngst vorgestellten Schweizer Canupis-Studie.

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In ihrer Canupis-Studie (Childhood Cancer and Nuclear Power Plants in Switzerland) hatten die Forscher des Instituts für Sozial- und Präventivmedizin (ISPM) der Uni Bern das Krebsrisiko bei Kindern, die in der Nähe von AKWs geboren wurden, mit jenem von Kindern verglichen, die weiter entfernt auf die Welt kamen.

Statistisch grosse Unsicherheiten

ISPM-Direktor Matthias Eggar hatte bei der Canupis-Präsentation im Juli  erklärt, dass es keine Hinweise darauf gebe, dass Kinder in AKW-Nähe häufiger Krebs hätten als andere.

Die beobachteten Risikounterschiede der einzelnen Gebiete seien so klein, dass sie am ehesten durch Zufall erklärt werden könnten. Allerdings sei auch die Zahl der Krebsfälle so gering, dass statistisch grosse Unsicherheiten bestehen, so Eggar damals weiter.

Leukämierate um 44 Prozent erhöht

Zu einem ganz anderen Ergebnis kommt die Analyse des Physikers Alfred Körblein. Kleinkinder im Nahbereich von Atomkraftwerken haben nach seinen Untersuchungen ein deutlich erhöhtes Risiko an Blutkrebs zu erkranken.

Die Leukämierate im 5-Kilometer-Bereich um ein AKW sei um 44 Prozent höher als im Entfernungsbereich über 5 Kilometer, erläutert Köhnlein im «Strahlentelex».

Der Physiker Dr. Alfred Körblein

Zur Person: Alfred Körblein

Alfred Körblein studierte Physik in Stuttgart. Promoviert wurde er in Heidelberg und Grenoble. Von 1999 bis 2004 war er am Umweltinstitut in München tätig.

Körblein hatte 1998 eine Studie des Mainzer Instituts für Medizinische Statistik und Dokumentation aus dem Jahr 1997 überprüft, die zu dem Ergebnis gekommen war,  dass es im Fünf-Kilometer-Radius um deutsche Atomanlagen keine erhöhten Leukämieraten bei Kleinkindern unter fünf Jahren gab. Körblein dagegen fand eine um 54 Prozent erhöhte Krebsrate bei Kleinkindern im AKW-Nahbereich. Die Leukämierate war sogar um 76 Prozent erhöht.

Nur Krankheitsfälle aus der Schweiz einbezogen

Die Schweizer Studie habe nur Krankheitsfälle in der Schweiz, nicht aber im deutschen Umfeld der Kraftwerke untersucht, so der Wissenschaftler weiter. Dabei befänden sich immerhin drei Schweizer Kernkraftwerke (Beznau I/II und Leibstadt) an der Grenze zu Deutschland im 5-Kilometer-Radius.

Beziehe man die dortigen Blutkrebs-Erkrankungen ein, ergebe sich ebenso wie in deutschen und britischen Datenanalysen ein massiv erhöhtes Risiko. Die Canupis-Studie habe es schlicht versäumt, entsprechende Daten aus dem süddeutschen Raum in ihre Untersuchung einzubeziehen.

Bild Proteste vor einem Atommeiler
Auch die Atommeiler von Beznau sind immer wieder Ziel von Anti-Atom-Protesten. reuters/archiv

Krebsrisiko durch Abgabe radioaktiver Partikel

Konsequenzen aus Körbleins Studienergebnissen fordert der deutsche Mediziner Reinhold Thiel als Vorstandsmitglied der deutschen «Ärzte gegen Atomkrieg» (IPPNW). Die Analyse sei «ein weiterer Beleg dafür, dass Atomkraftwerke schon im Normalbetrieb gefährlicher sind, als bisher offiziell zugegeben», erklärte er gegenüber tagesschau.sf.tv.

Machen Atomkraftwerke die Bevölkerung krank? (Einstein, 02.12.2010)

Die bei einem Brennelementwechsel immer erhöhten Abgaben von radioaktiven Partikeln und Gasen in die Umgebung könnten das beobachtete Leukämierisiko für Kinder im Nahbereich der Atomkraftwerke erklären.

Deshalb sollten auch die Spitzenwerte und Halb-Stundenwerte der AKW-Emissionen öffentlich gemacht und der Forschung zur Verfügung gestellt werden, fordert Thiel. Bisher seien nur «gemittelte und damit beschönigte Werte der Emissionen veröffentlicht». Die Spitzenwerte würden «immer noch als Betriebseigentum der AKW-Betreiber behandelt».

Eindeutig widerlegt

Körblein selber zieht aus seiner Datenanalyse einen eindeutigen Schluss: Die Einschätzung der Schweizer Autoren, ihre Studie liefere «keine Hinweise dafür, dass kindliche Krebserkrankungen in der Nähe von Kernkraftwerken häufiger auftreten als anderswo», sei angesichts der lückenhaften Datenbasis nicht haltbar.

CANUPIS-Studie: Ergebnisse und Kritik

Unter dem Titel «Die Schweizer Canupis-Studie» hat der Physiker Alfred Körblein eine so genannte «Metaanalyse» verschiedener britischer, schweizerischer und deutscher Untersuchungen in der jüngsten Ausgabe der Fachzeitschrift «Strahlentelex» vorgelegt.

Die gesamtschweizerische Langzeitstudie «Childhood Cancer and Nuclear Power Plants in Switzerland» (Canupis) wurde am 1. September 2008 gestartet. Ihre Ergebnisse sind im Juli 2011 vorgestellt worden.

Im Rahmen der Veröffentlichung der Canupis-Ergebnisse hat die Universität Bern am 12. Juli eine umfangreiche Erklärung publiziert.

Kommentare aktiv...

T. Mollet

Verfasst am: 10.8.2011 0:23

Informiert euch mal

Nun, jeder der Angst het sein Kind könne wegen... [1]  mehr

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I. Ndlovu, Mbombela/NST
(Igwenya Mann)
Verfasst am: 9.8.2011 11:53

Verhaeltnismaessigkeit...

..wenn von 10'000 Kindern 1 an Leukaemie erkrankt... mehr

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M. Gasser, Freiburg
(markusgasser Mann)
Verfasst am: 8.8.2011 17:02

KKWs schützen vor Leukämie ?

Vermutlich gibt es etliche Kernkraftwerke auf der... [1]  mehr

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