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Vermischtes

Froschschenkel – Delikatesse mit «Beigeschmack»

Mittwoch, 27. Juli 2011, 19:21 Uhr

Hätten sie's gewusst? Der grösste Importeur von Froschschenkeln sind nicht die Franzosen, sondern deren Nachbarn aus Belgien. Fast 5'000 Tonnen der angeblichen Delikatesse werden vor allem aus Asien nach Europa exportiert – mit zum Teil dramatischen Folgen für Flora und Fauna auf beiden Kontinenten.

Bild Ein Frosch im Zoo von Cali in Kolumbien.
Dieser Frosch aus dem Zoo von Cali hat Glück. Denn Kolumbien gehört nicht zu den Nationen, welche Froschschenkel nach Europa exportieren. keystone

Die Vorliebe der Europäer für Froschschenkel gefährdet die Froschbestände in Asien. Jährlich importiert die EU rund 4,5 Millionen Kilogramm Froschschenkel aus Asien – das entspricht bis zu 200 Millionen Fröschen.

Die Folgen für das Ökosystem seien verheerend, meint die Artenschutzorganisation Pro Wildlife. Ganze Froschbestände würden ausgerottet, Insekten nähmen überhand, und die Bauern setzten immer mehr Pestizide ein.

Zucht spielt kaum eine Rolle

Am beliebtesten ist die umstrittene Delikatesse demnach in Belgien. Allein wurden laut der Studie im Jahr 2009 rund 3,6 Millionen Kilogramm (!)Froschschenkel importiert. Es folgen Frankreich mit etwa 540'000 Kilogramm und Italien mit rund 300'000 Kilogramm.

Aber auch die Schweiz hält mit. Nach Angaben der Zollverwaltung werden jährlich rund 150'000 Kilogramm importiert – entweder als verarbeitete Froschschenkel oder als lebende Frösche.

Bild Froschschenkel-Essen auf einem Teller.
Auch wenn die Belgier die Franzosen als Frosch-Importeur-Weltmeister abgelöst haben, landen immer noch zahlreiche Exemplare auf den Tellern französischer Restaurants. keystone

Nur etwa 15 Prozent der für Europa bestimmten Froschlieferungen stamme aus Zuchten, der Rest werde in der Wildnis eingesammelt, so Pro Wildlife. Der überwiegende Teil der Froschschenkel, die in Europa auf den Tisch kommen, wurden in Indonesien gefangen. Das Land hat 2009 mit rund 3,8 Millionen Kilo die meisten Froschschenkel exportiert. Es folgen Vietnam mit rund 570'000 Kilo und die Türkei mit etwa 150'000 Kilo.

Für ein Kilo Froschschenkel sterben etwa 20 bis 50 Frösche. Die Tiere sterben dabei einen qualvollen Tod: Ihnen werde bei lebendigem Leib die Gliedmassen abgetrennt, so die Tierschützer.

Einzelne Arten schon auf der Roten Liste

«Vor allem die grosswüchsigen Froscharten mit besonders muskulösen Hinterbeinen werden eingefangen und in die EU exportiert», erläutert Sandra Altherr von Pro Wildlife und Co-Autorin der Studie. Hierzu gehören vor allem Zahnfrösche, südostasiatische Reisfrösche und südostasiatische Mangrovenfrösche.

In ihren Ursprungsländern fehlen die Frösche dann in der Nahrungskette. Insekten und Schädlinge vermehren sich so ungehemmt, was den Einsatz von Pestiziden notwendig macht. Auch Fische, Vögel und Schlangen vermissten Frösche und Kaulquappen als Nahrungsquelle. In Indonesien sind die Frösche vielerorts bereits verschwunden. Die früher sehr häufigen Zahnfrösche seien inzwischen auf der Internationalen Roten Liste als gefährdet eingestuft. 

Doch auch die Importländer kämpfen mit ungeahnten Problemen. Seit den 70er Jahren büchsten zahlreiche der aus Zentralasien importierten Seefrösche aus. Weil die Tiere konkurrenzstark sind, länger leben und sich schneller vermehren, haben sie die einheimischen Arten inzwischen fast vollständig verdrängt.

(sda/dpa/maiu)