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International

Oslo: «Nicht Amoklauf, sondern Massenmord»

Samstag, 23. Juli 2011, 20:19 Uhr

Der Doppelanschlag in Norwegen war kein Amoklauf. Diese Meinung äussert Gerichtspsychiater Josef Sachs in der Tagesschau. Es habe sich vielmehr um einen Massenmord gehandelt.

«Es handelt sich nicht um einen Amokläufer im klassischen Sinn, denn diese Tat wurde ganz offensichtlich geplant, während ein Amokläufer keine oder nur eine rudimentäre Planung hat», führt Gerichtspsychiater Sachs aus. Er würde die Tat vielmehr als Massenmord bezeichnen.

«Nicht Amoklauf, sondern Massenmord»

«Anders als bei Schulschiessereien ist es nicht so, dass er mit dem Leben abgeschlossen hat. Er wollte auch nicht, wie das andere machen, kurz vor seinem Tod noch ein Zeichen setzen», stellt Sachs fest. In der Wahrnehmung des Täters stehe ein solcher Anschlag am Anfang eines gesellschaftlichen Wandels.

Wohl kein psychisch Kranker

Sachs vermutet, dass es sich beim Täter um einen Menschen handelt, der vom Leben enttäuscht ist. Wohl sehe der Mann die Gesellschaft als Grund für sein eigenes Scheitern. Er gehe aber nicht davon aus, dass der Mann psychisch krank sei.

«Es ist vermutlich aber ein Mensch, der sich schon sehr lange mit dieser Tat beschäftigt hat», sagte Sachs weiter. Der Täter habe vielleicht ein narzistisches Sendebewusstsein und glaube, dass er die Welt verändern könne oder müsse.

Zu verhindern sei eine solche Tat kaum: «Das wäre in einer freiheitlichen Gesellschaft wahrscheinlich sehr schwierig», hält Sachs fest. Zwar könne es Zeichen gegeben haben. Diese waren aber wohl so unspezifisch, dass darauf nur schwer zu reagieren gewesen wäre.

(sf/buet)