International
Endstation Verzweiflung: Im Flüchtlingslager von Dadaab
Am Horn von Afrika sind Hunderttausende akut vom Hungertod bedroht. Es ist das eine, die Bilder des Elends aus Somalia im Fernsehen oder in Zeitungen zu sehen. Etwas völlig anderes ist der Augenschein vor Ort. SF-Afrika-Korrespondentin Cristina Karrer weilt im Flüchtlingslager Dadaab in Kenia. Ihr Erfahrungsbericht ist erschütternd.
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Wer in einem der Flüchtlingslager von Dadaab übernachtet, fühlt wie sich wie in einem Dorf irgendwo in Afrika. Ab und zu schreit ein Esel. Ein paar Hyänen sind auf Wassersuche und machen sich mit ihrem typischen Geheul bemerkbar. Diverse Hähne kündigen den Morgengrauen an.
Zu hundert Prozent auf Hilfe angewiesen
Verhüllte Frauen eilen zu einer Wasserstelle, bärtige Männer treiben schneeweisse Kühe vor sich her. Erst auf den zweiten Blick wird klar: Diese Ansammlung von Hütten und Lehmhäusern ist kein natürlich gewachsenes Dorf. Es ist vielmehr das grösste Flüchtlingslager der Welt.
Glückskette bittet dringend um Spenden
Die Glückskette sammelt für die Opfer der Dürrekatastrophe in Somalia. Der Spendenstand liegt im Moment bei über 500'000 Franken. Erst wenn mehrere Millionen Franken an Spenden zusammen gekommen sind, kann die Glückskette neben der Nothilfe auch längerfristige Projekte lancieren.
Spenden auf das Postkonto 10-15000-6, «Afrika» oder www.glueckskette.ch
Die Menschen, die hier wohnen, hängen von der Hilfe internationaler Organisationen ab. Darauf weisen zahlreiche Schilder hin. Der Gemüseanbau ist ein europäisches Projekt, das Feuerholz wird von einer anderen Organisation zur Verfügung gestellt und alle 15 Tage werden Nahrungsmittel verteilt.
Dadaab ist die Endstation
Dagahaley ist nur eines von drei Lagern in Dadaab. Statt der geplanten 90’000 Menschen beherbergen sie insgesamt rund 350’000 Flüchtlinge. Dadaab scheint vor allem dort Dorf zu sein, wo es seit 20 Jahren existiert.
Die meisten Menschen, die in den letzten 20 Jahren hierherkamen, sind geblieben. Natürlich gäbe es den Weg zurück nach Somalia, doch diese Option wählten nur wenige. «Es ist besser, zehn Jahre hier zu leben, als in Somalia nach einer Stunde zu sterben,» meint Achmed Hassan entschieden. Hassan ist 25 Jahre alt, er flüchtete mit seinen Eltern vor 20 Jahren. Heute arbeitet er als Übersetzer für diverse Hilfsorganisationen.
Dass Dadaab eine Endstation ist, weiss der junge Mann sehr wohl. Nur zwei Prozent aller Flüchtlinge schaffen es je aus Dadaab heraus. «Den Somaliern haftet leider ein schlechtes Image an. Sie gelten als Gangster und Piraten. Dabei sind die meisten Flüchtlinge Frauen und Kinder», moniert der welsche Koordinator für Medecins Sans Frontieres (MSF), Antoine Froidevaux.
Unter diesem schlechten Image leiden nicht nur jene, die vor 20 Jahren vor dem Bürgerkrieg in Somalia hierher geflüchtet sind. Es trifft auch jene Tausende, die in den letzten Wochen und immer noch täglich den mörderischen Weg durch die Wüste auf sich nehmen, weil sie in Dadaab auf Hilfe hoffen.
Die Hilfe aus dem Westen rollt äusserst zögerlich an. Die Bilder von ausgemergelten Kindern berühren nicht so, wie früher. Es ist halt wieder 'typisch Afrika', denkt wohl so mancher in Europa. Und macht es sich vor dem Fernseher gemütlich.
Dadaab - Ort der Verzweifelten
Nun, es ist in der Tat ‘typisch Afrika’. Doch wer die täglich eintreffenden Flüchtlinge persönlich trifft, unter der gleissenden Wüstensonne, in der staubigen Luft, die die Kehle innert Sekunden austrocknet, der schluckt erstmals leer. Denn nach Dadaab, dieser Sackgasse inmitten von Dornakazien, begibt sich niemand aus freien Stücken. Erst recht nicht zu Fuss, auf tage- und nächtelangen Märschen.
Es steht ausser Zweifel, wer am meisten Leid zu tragen hat. Für viele der Kinder kommt jede Hilfe zu spät.
Nach Dadaab kommt nur, wer weiss, was Verzweiflung heisst. Wer nach Dadaab aufbricht, ist meistens bereits geschwächt. Das Vieh ist gestorben, das Portemonnaie beinah leer. Viel mehr als eine Wasserflasche und ein Bündel bringen nur wenige Flüchtlinge mit. Und wer es bis hierher geschafft hat, kann sich nicht etwa zurücklehnen und etwas entspannen. Der Alltag im Lager ist nicht viel lebensfreundlicher.
Das erste Wunder von Dadaab...
Aufgrund des Ansturms der Todgeweihten kann die Registrierung als Flüchtling bis zu zwei Monate dauern. Zum Bezug von Nahrungsmittelcoupons ist man erst danach berechtigt. Das UNO-Hilfswerk für Flüchtlinge hat zwar eine provisorische Registrierung eingeführt und verteilt an Neuankömmlinge ein Nahrungsmittelpaket. Es soll drei Tage reichen.
Doch es füllt die hungrigen Mägen kaum. Dennoch, und dies ist beinah ein Wunder von Dadaab, brechen nur die Schwächsten zusammen - die alten Menschen und die Kinder. Die Mehrheit bietet eine schier übermenschliche Kraft auf, baut aus Ästen eine Unterkunft und wartet geduldig auf bessere Tage.
...und das zweite, die Solidarität
Zudem, und dies ist ein weiteres Wunder, kommt eine grosse Solidarität zum Tragen. Vielleicht gründet diese auf dem uralten Gesetz der Wüste, wonach Gäste zu bewirten sind. Jene, die hier seit 20 Jahren leben, empfangen die neuerlichen Opfer der Hungersnot in Somalia mit offenen Armen. Obwohl auch unter ihnen die meisten immer noch in Hütten leben.
Die 31-jährige Amina Mohammed, die dieser Tage mit ihren drei Kindern in Dadaab angekommen ist, erzählt: «Als wir im Lager von Dagahaley eintrafen, setzten wir uns einfach in den Schatten einer Akazie, um etwas ausruhen. Etwas später setzte sich eine Frau zu uns. Wir kamen ins Gespräch. Es stellte sich heraus, dass sie bereits 15 Jahre hier lebt. Nach weiteren fünf Minuten hat sie uns in ihre Hütte eingeladen, wo wir seither leben.»
Offiziell eine Hungersnot
Das Wort ‘Hungersnot’ wird heutzutage selten und mit Vorsicht gebraucht. Die Tatsache, dass die UNO die prekäre Situation in Somalia als Hungersnot bezeichnet, zeigt, wie besorgniserregend die Lage ist. Laut der UNO hungert mehr als die Hälfte der Bevölkerung Somalias - das sind knapp drei Millionen Menschen.
Zu einer Hungersnot kann eine Kombination von Dürre, bewaffnetem Konflikt und Armut führen. Genau dies ist im Süden Somalias der Fall. Dort kommt zur schlimmsten Dürre seit 20 Jahren ein chronischer Bürgerkrieg.
Traurige Indikatoren für eine Hungersnot sind in der Regel die Kinder. Am Horn von Afrika und in den Flüchtlingslagern von Dadaab sind 30 Prozent aller Kinder schwer unterernährt und von 10’000 Kindern sterben täglich vier. Die Hungersnot ist hier kein leeres Wort mehr. Sie ist längst Realität.
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S. Müller
Verfasst am: 23.7.2011 5:43
Bitte sf.tv lasst Afrika nicht vergessen gehen...
... Norwegen, USA, etc. sind alles auch aktuelle... mehr
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I. Ndlovu, Mbombela/NST
)
(Igwenya
Verfasst am: 22.7.2011 17:40
Doch der Islam'ismus
..blockiert die Hilfe.. ! DAS ist das... [1] mehr
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