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Neue Medien, Alte Schweiz? – Warum Facebook, Twitter & Co für Politiker immer wichtiger werden

Uwe Mai
Freitag, 15. Juli 2011, 7:39 Uhr

Zahlreiche politische Akteure sind in sozialen Netzwerken angemeldet. Doch nur ein geringer Teil von ihnen ist wirklich engagiert und nutzt die Möglichkeiten der Social Media – so das Ergebnis der neuesten Studie zum Thema. Weshalb das so ist und warum den sozialen Netzwerken dennoch die Zukunft gehört, darüber hat «tagesschau.sf.tv» mit zwei Experten gesprochen.

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Bild Das Bundeshaus in Bern. (keystone)
Soziale Netzwerke können Politiker und Bürger wieder näher zusammenbringen. Das Parlament wird die digitale Welt aber auf absehbare Zeit nicht ersetzen. keystone

Für viele Politiker scheint es mehr eine lästige Pflicht zu sein, sich im Internet zu präsentieren. Zwar verfügt die überwiegende Mehrheit über einen Facebook-Account – die Zahl der engagierten Nutzer liegt aber bei überschaubaren 36, so das Ergebnis der Studie «Soziales Netzwerk im Bundeshaus».

Engagierte Follower entscheiden über Erfolg

Für Philipp Koller, von der Zürcher Kommunikationsagentur «Raum Für Kommunikation», ist der Widerspruch zwischen der hohen Zahl von Abgeordneten mit Facebook-Account und der geringen Anzahl von engagierten Nutzern nicht schwer zu erklären: «Viele etablierte Politiker sind wahrscheinlich der Meinung: Ich habe das im letzten Wahlkampf nicht gebraucht – also brauche ich das jetzt auch nicht.» Allerdings hätten viele trotzdem einen Account – getreu dem Motto: Wir warten erst mal ab, wie sich das Ganze entwickelt, so Koller.

«Raum Für Kommunikation»

Die Zürcher Agentur «Raum Für Kommunikation» führt seit 2006 Wahlkampfstudien zum Thema «Personalisierung» durch. Sie ist eine junge unabhängige Kommunikationsagentur mit breitem Netzwerk. Ihr Gründer ist Philipp Koller.

Eine Handvoll Politiker, deren Anhängerschaft im Internet in aller Regel sehr überschaubar bleibt – das ist die Realität in der Schweiz. Für Andreas Amsler, einer der Co-Gründer von «politnetz.ch», ist zumindest Letzteres kein Problem. Denn «die Zahl an Freunden und Followern ist nicht immer entscheidend.» Viel wichtiger sei es, ob man auch in der Lage ist, diese Leute in seinem Sinne zu mobilisieren, so Amsler.

Authentizität sicher auch im Web Freunde

«Um einen festen Kreis an Gefolgsleuten in der digitalen Welt aufzubauen, braucht es vor allem eins: Soziale Kompetenz oder auf neudeutsch: Social Skills», so Amsler. Wer die habe, sei auch im Web erfolgreich. Und dabei muss man gar kein Profi sein, wie immer wieder vermutet wird. Im Gegenteil, «gerade das Laienhafte kommt sehr gut an», weiss Amsler.

politnetz.ch – Forum für Bürger und Politiker

Ziel der Internet-Plattform ist es, dass sich Politiker und politisch interessierte Bürger auf gleicher Augenhöhe begegnen, gemeinsam Themen setzen und diese diskutieren. Das Angebot ist kostenlos und von politischen Parteien unabhängig. Andreas Amsler ist einer der Co-Gründer.

Habe man einmal eine Schar Getreuer um sich versammelt, gelte es aber auch, diese zu pflegen, so Amsler. «Was man via Facebook oder Twitter kommuniziert, sollte auf jeden Fall auch interessant sein.» Einfach den Terminplan bekannt zu geben, reiche da eben nicht. «Man muss Fragen stellen, Diskussionen anstossen, zuhören können. Das Wichtigste ist, authentisch zu sein und auch ein stückweit Teile seiner Persönlichkeit einzubringen», so Amsler.

Social Media ist kein Hype

Dem kann auch Koller nur zustimmen. «Es ist falsch anzunehmen, dass die Pflege des sozialen Netzwerks durch eine Agentur oder einen Journalisten mehr Akzeptanz bringt.» Vielmehr sollten die Politiker die Fäden selbst in der Hand behalten. So könnten sie schneller und direkter kommunizieren – was ja eigentlich auch der Sinn der Netzwerke sei, so Koller. «Eine gewisse Cyber-Affinität ist dabei natürlich von Vorteil. Aber noch wichtiger ist, dass man auch eine Strategie hat und weiss, was man erreichen und wen man ansprechen möchte.».

Parteien und Politiker auf dem Facebook-Radar

Das Internet – insbesondere Social Media – gewinnt im Wahlkampf immer mehr an Bedeutung. Auf unserem Facebook-Radar können Sie die Gewinner und Verlierer des Tages oder der Woche aktuell mit verfolgen.

Haben die sozialen Netzwerke überhaupt eine Zukunft? «Klares Ja», meint Andreas Amsler. «Das Ganze ist kein Hype.» Vielmehr werde Social Media künftig noch stärker Teil der Wahl-Kampagnen werden – vor allem, weil es nicht so viel koste und 24 Stunden am Tag abrufbar sei. «Allerdings wird das nie allein funktionieren, sondern immer nur als Teil des Ganzen», so Amsler.

Noch sei vielen Politikern gar nicht klar, was man mit Hilfe der sozialen Netzwerke auf die Beine stellen könne. Dabei gebe es auch in der Schweiz genügend positive Beispiele – zum Beispiel Lukas Reimann (SVP) und Barbara Schmid-Federer (CVP), so Amsler. Â«Die beiden sind auch nach den letzten Wahlen im Bereich Social Media aktiv gewesen, haben ihre Community am Laufen gehalten und sich so eine treue Gefolgschaft aufgebaut – auch ausserhalb ihrer Partei.»

Aufbau Sozialer Netzwerke wird Pflicht

In Zukunft, auch da sind sich Koller und Amsler einig, wird es wahrscheinlich für jeden Politiker Pflicht sein, sich zu engagieren. «Lustige Sprüche oder witzige Plakate allein, werden dann aber nicht mehr reichen, um Aufmerksamkeit zu erreichen», so Koller. Laut ihm ist zu vermuten, dass sich etablierte Politiker damit leichter tun werden, eine treue Internet-Gefolgschaft aufzubauen.

Doch soziale Netzwerke sind und bleiben auch eine Chance für unbekannte Politiker. «Wer mit dem Gedanken spielt, aktiv zu werden, dem rät Andreas Amsler, dies jetzt zu tun. Durch die eidgenössischen Wahlen sei die mediale Aufmerksamkeit gross. Ganz sicher werde man innerhalb der nächsten drei Monate keine grosse Zahl von Menschen mobilisieren können. «Es werden dich aber auch nicht weniger wählen», ist sich Amsler sicher.

Das Ganze sei eine Option für die Zukunft, die sich auf lange Sicht gesehen auszahlen werde, glaubt Amsler. Denn zum einen werden so Diskussionen zwischen Politikern und Bürgern über Probleme und deren Lösung möglich, zum anderen kann man sich einen festen Stamm von Freunden und Followern aufbauen. Denn für jeden Politiker sei es wichtig zu wissen: «Wenn es darauf ankommt, kann ich mich auf meine Gefolgschaft verlassen – werden die Leute mich tragen», so Amsler.

Kommentare aktiv...

U. Keller, Klaeng
(sailer Mann)
Verfasst am: 15.7.2011 12:18

nicht nur

für Politiker ist das WWW ein Muss, auch für... mehr

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M. Steiner, Winterthur
(Mikey Mann)
Verfasst am: 15.7.2011 10:06

twittern hiess früher blahblah

Dass politsche Parteieln oder Politiker als... mehr

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B. Gurzeler, Winterthur
(B.Gurzeler Mann)
Verfasst am: 15.7.2011 9:57

@ T.Duran, New York

wenn Sie meinen es ist eine schlechte Sache, dann... mehr

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