Wirtschaft
Herdenverhalten bedroht Italien
Italien gerät an den Finanzmärkten immer stärker unter Druck. Ein Grund dafür könnte auch das Herdenverhalten an den Börsen sein. Einen konkreten Grund für die Hektik schien es gestern nicht zu geben.
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Gestern hatte sich auf den Finanzmärkten weltweit eine Abwärtsspirale in Gang gesetzt. Der Euro stürzte auf ein neues Rekordtief. Die italienischen Aktien verloren im Laufe des Morgens zum Teil massiv an Wert.
Ökonomen sprechen in einem solchen Fall vom Herdenverhalten. Gerade in Zeiten grosser Unsicherheit reicht ein Gerücht und eine Kettenreaktion kommt in Gang. Die Ursache dafür liege in der Evolutionstheorie, sagt Joachim Klement von der Wirtschaftsberatung Wellershoff & Partners.
Bereits seit Jahrtausenden sichere die Gruppe das Überleben der Menschen. Deswegen sei niemand gerne alleine, so Klement. Dies gelte auch auf den Finanzmärkten. Wenn ein Händler in einer Zeit grosser Unsicherheit beobachtet, wie andere Anleger Aktien oder Staatsanleihen verkaufen, zieht er mit.
Händler traben lieber mit
Um als Händler gegen den Strom zu schwimmen brauche es Mut und eine grosse Sturheit. Gerade Portfolio-Manager seien dabei unter einem grossen Druck. «Handeln die Manager nicht wie alle andern, müssen sie dies erklären», sagt Wirtschaftsberater Klement. «Wenn ihre Erklärung nicht innert kurzer Zeit bestätigt wird, werden Vermögen abgezogen.» Die Folge: Händler traben lieber mit der Herde mit.
Etwas differenzierter sieht dies Manuel Ammann, Bankenprofessor an der Universität St. Gallen. Es sei möglich, dass es am Morgen eine Überreaktion, also eine Art Herdenverhalten, gegeben habe. Dies sei am Nachmittag aber wieder korrigiert worden. Tatsächlich wurde die Abwärtsspirale durch die problemlose Platzierung neuer italienischer Anleihen aufgehalten.
Handelsstopp als mögliche Herden-Bremse
Eine Herde zu stoppen sei schwierig, so Ammann. Eine Möglichkeit sei ein Handelsstopp von Aktien, nachdem diese viel an Wert verloren hätten. Dies soll den Händlern Zeit geben um über die Entwicklung nachzudenken. Gestern wurde der Handel mit den Aktien der italienischen Bank Unicredit zweimal aufgrund massiver Kursverluste ausgesetzt.
Wie lange die nervöse Herde der Börsenhändler ruhig bleibt, ist offen. Bereits eine unbedachte Äusserung Silvio Berlusconis könnte die nächste starke (Über-)Reaktion in Bewegung setzen.
Herdenverhalten führte zur Dotcom-Blase
Gut zu beobachten war das Herdenverhalten um die Jahrtausendwende. Zunächst galten die Aktien der Internetfirmen als Geheimtipp. Als sich dieser rumsprach begannen auch normale Anleger solche Aktien zu kaufen. Dies führte zu steigenden Kursen, was wiederum neue Anleger anzog. Die Herde setzte sich in Bewegung - zunächst in eine positive Richtung. Plötzlich gab es aber Informationen, dass die Firmen wohl überbewertet seien. Die Herde drehte um und verkaufte die Aktien schnell wieder. Die Dotcom-Blase war geplatzt.
(sf/braa)
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M. Flückiger
Verfasst am: 17.7.2011 4:52
Äh...
... was hat denn die SVP in Italien verloren?... mehr
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N. Binsberger, St. Gallen
)
(NBinsberger
Verfasst am: 13.7.2011 22:47
Handelsstopp!
Das ist exakt das Rezept gegen die Krise einer... mehr
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B. Hermann, Bern
)
(Beppie
Verfasst am: 13.7.2011 16:01
Herdenverhalten
Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein... [1] mehr
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