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Energiepolitik

Atomkritikern reichen Massnahmen in Mühleberg nicht

Mittwoch, 29. Juni 2011, 13:03 Uhr, Aktualisiert 15:36 Uhr

Atomkritiker reagieren mit Skepsis auf die Ankündigung des Stromkonzerns BKW, das AKW Mühleberg vorzeitig für Sicherheitsnachbesserungen abzuschalten. Für den WWF stürzt sich die BKW nun auf die Kühlwasserentnahme, die nur eines von vielen Problemen sei.

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Auch die Risse im Kernmantel und alle weiteren Probleme müssten so gelöst werden, dass auch unabhängige Experten das AKW als sicher erachten könnten, teilte WWF Schweiz mit. Das Kernkraftwerk im bernischen Mühleberg solle deshalb erst wieder ans Netz gehen, wenn sämtliche vom Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) in den letzten Jahren festgehaltenen Mängel behoben seien.

Das will auch die Schweizerische Energie-Stiftung (SES). Sie fordert deshalb, dass Mühleberg mindestens bis Ende März 2012 abgestellt bleibt. Zu diesem Zeitpunkt muss der Betreiber des AKW Mühleberg zeigen, wie er im Erdbebenfall einen sicheren Betrieb gewährleisten kann. Die SES verweist auf die Risse im Kernmantel des AKW Mühleberg. Ein instabiler Kernmantel könne zum Risiko werden, wenn die Reaktorabschaltung verunmöglicht würde.

Grüne sehen weitere «Gefahrenherde»

Die SP bezeichnet die geplanten Nachrüstungen als falsch, denn eine Wiederinbetriebnahme des AKW Mühleberg sei verantwortungslos.«Es ist zwar richtig, dass die BKW den Meiler nun vom Netz nehmen, besorgniserregend ist es allerdings, bereits jetzt das erneute Hochfahren des AKW vorzubereiten. Wer so plant, hat die Lehren aus Fukushima noch nicht gezogen», sagt Ursula Wyss, Präsidentin der SP-Bundeshausfraktion. Auch die Grünen kritisierten den Fokus alleine auf die Kühlwasserentnahme. Aufgrund der weiteren «Gefahrenherde» müsse der bernische Regierungsrat «alles daran setzen, dass das AKW Mühleberg nach den Revisionsarbeiten vom Netz genommen und nicht wieder angeschlossen» werde.

Fokus Anti-Atom: BKW will «Bericht zuvorkommen» 

Für die Aktivisten von Fokus Anti-Atom will die BKW mit der früheren Abschaltung dem Bericht zuvorkommen, den das Unternehmen bis Donnerstag einreichen muss. Darin müssen die AKW-Betreiber aufzeigen, dass sie ein Hochwasser, wie es alle 10'000 Jahre droht, bewältigen könnten. Die BKW wolle wohl signalisieren, dass sie etwas für die Sicherheit mache, sagte Jürg Joss von Fokus Anti-Atom.

Wichtig sei aber die Frage, wie viel die BKW am Ende für die weiteren Sicherheitsmassnahmen bei der Kühlwasserentnahme ausgeben wolle. Für sinnvolle Massnahmen brauche es nämlich hohe Beträge, fügte Joss an.

Die AKW-ade-Aktivisten werten die vorübergehende Abschaltung als Teilerfolg ihres Engagements. Der Energiekonzern BKW gestehe damit endlich ein, dass der Reaktor seit 40 Jahren eine grosse Gefahr für die Bevölkerung in den Regionen Bern, Biel und Freiburg darstelle.

Mühleberg geht vorzeitig vom Netz - bis im September

Die BKW hatte am Morgen mitgeteilt, das AKW Mühleberg schon am Donnerstag für Sicherheitsnachbesserungen abzuschalten. Die Bedenken betreffen eine Wasserzuleitung bei einem extremen Hochwasser. Das AKW wäre in fünf Wochen wegen der Jahresrevision sowieso vorübergehend vom Netz gegangen. Es soll danach erst im September wieder ans Netz gehen.

(sda/vaid)