Energiepolitik
AKW Mühleberg geht bis September vom Netz
Das AKW Mühleberg wird morgen Donnerstag für Sicherheitsnachbesserungen abgeschaltet. Grund sind Bedenken, dass bei einem extremen Hochwasser eine Wasserzuleitung verstopft werden könnte. Im September soll es wieder in Betrieb genommen werden, wie das Energierunternehmen BKW mitteilt.
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Wie das BKW mitteilte, dient die Massnahme der «Sicherstellung der Kühlwasserentnahme». Die BKW bearbeitet nach eigenen Angaben derzeit die zusätzlichen Sicherheitsanforderungen, welche das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat Ensi fordert.
Neue Erkenntnisse im Bereich der auf Extremsituationen ausgelegten Hochwasserszenarien hätten ergeben, dass bei bestimmten Ausnahmesituationen eine «Verstopfung des Einlaufbauwerks des SUSAN-Notstandsgebäudes durch das in der Aare erwartete Geschiebe» nicht ausgeschlossen werden könne, schreibt die BKW.
Deshalb wolle die BKW eine «verstopfungssichere Wasserversorgung des Susan nach Eintreten eines Extremereignisses» gewährleisten. Ausserdem werde die Hochwassersicherheit des bestehenden Pumpenhauses verbessert.
Betriebliche Massnahmen
Am (morgigen) 30. Juni 2011 wollen die Bernischen Kraftwerke «wie geplant den verlangten Nachweis für die Bewältigung eines 10'000 jährlichen Hochwassers erbringen». Der Nachweis basiere auf dem bestehenden Hilfskühlwassersystem und betrieblichen Massnahmen.
Um diese Massnahmen bis zum planmässigen Anfahren des AKW Mühleberg nach der bevorstehenden ordentlichen Jahresrevision verwirklichen zu können, muss die BKW das Atomkraftwerk bereits am Donnerstag vom Netz nehmen.
Das Kernkraftwerk wäre in fünf Wochen wegen der Jahresrevision sowieso abgeschaltet worden. Geplant ist, das Kraftwerk nach der ordentlichen Revision im September wieder ans Netz zu bringen.
Atomkritiker reichen die Massnahmen nicht
Atomkritiker reagieren mit Skepsis auf die Ankündigung des Stromkonzerns BKW, das AKW Mühleberg vorzeitig für Sicherheitsnachbesserungen abzuschalten. Die Kühlwasserentnahme sei nur eines von vielen Problemen. Das AKW solle erst wieder ans Netz, wenn sämtliche Mängel behoben seien.
Investition von 10 Mio. Franken
Die Sicherheitsbedenken für das AKW Mühleberg im Fall eines extremen Hochwassers können nach Darstellung des Energiekonzerns BKW mit einfachen Massnahmen ausgeräumt werden. Das betonte die Unternehmensspitze vor den Medien.
Die BKW ergreife zwei zusätzliche Massnahmen, um für ein 10'000-jährliches Hochwasser gerüstet zu sein, sagte Hermann Ineichen, Leiter Energie Schweiz. Erstens brauche es Hochwasserschutzmassnahmen im Pumpenhaus der konventionellen Kühlwassersysteme. Zweitens werde der Einsatz von Pumpen notwendig, welche die Kühlwasserzufuhr bei einer Verstopfung der Wasserentnahme aus der Aare alternativ sicherstelle. «Wir folgen damit unserem Grundsatz, dass die Sicherheit im AKW Mühleberg immer an erster Stelle steht», betonte Ineichen.
In die baulichen Massnahmen investiert die BKW in den nächsten Wochen rund 10 Mio. Franken. Durch den verlängerten Produktionsunterbruch gebe es zudem wirtschaftliche Einbussen von rund 20 Mio. Franken.
Schlechte Noten für Mühleberg
Nach der Katastrophe im japanischen Fukushima wurde eine Überprüfung der vier Schweizer AKW eingeleitet. Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) hatte dabei im Mai 2010 diverse Mängel bei den AKWs ans Licht gebracht. Das AKW Mühleberg stand dabei am schlechtesten da. Lesen Sie hier mehr.
(sda/widb/engf/vaid)







