Kultur
Art Basel: «Die Preisspirale hat sich nach oben gedreht»
Von Krise keine Spur mehr: Viele Galeristen machten an der 42. Art Basel das Geschäft des Jahres. Mittlerweile hat sich die Preisspirale bei Klassikern schon so hoch gedreht, dass nur noch die reichsten Sammler mithalten können.
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300 Privatjets flogen am ersten Messetag den Flughafen Basel an. Zahlreiche Agenten aus aller Welt machten Handyfotos von exklusiven Kunstwerken und schickten ihre Schnappschüsse den Auftraggebern. Oder die Sammler kamen höchstpersönlich und notierten sich ihre Kaufwünsche in ihre Designnotizbücher.
«Schnell, bestimmt, vielleicht auch gierig»
Christina Schroeter-Herrel, Kunstexpertin im Private Wealth Management der Deutschen Bank, bestätigt die gute Kauflaune der Messe-Besucher: «Auf der Art Basel verkauft man auch manche Top-Werke, die bei vorherigen Messen keinen Käufer gefunden haben.» Auch Urs Stahel, Direktor des Fotomuseums Winterthur, machte ähnliche Beobachtungen: «Galeristen sagten mir, dass wieder «mit Druck» gekauft wurde. Schnell, bestimmt, vielleicht auch gierig.»
«Die Kunst als sicherer Hafen»
Davon profitieren die Verkäufer aus dem obersten Preissegment. Philip Hoffman ist Chef eines der grössten internationalen Kunstfonds. Seine Firma, die Fine Art Fund Group, verwaltet Kunstwerke im Wert von 100 Millionen Dollar.
Er sagte an der Messe zu einem Branchenmagazin: «Wir haben am ersten Tag bereits 8 Millionen Dollar Umsatz gemacht. Mit den heutigen starken Wechselkursschwankungen und einer hohen Inflation in einigen europäischen Ländern sucht eine Menge Leute die Kunst als sicherer Hafen auf.»
Steigende Preise für Klassiker
Doch die Kunstliebhaber müssen immer tiefer in die Tasche greifen, um bei der Art Basel einkaufen zu können. «Im Vergleich zu den letzten Jahren sind die Preise für Klassiker stark gestiegen. Denn trotz grosser Nachfrage in diesem Segment bleiben die erwerblichen Werke von etablierten Künstlern wie Pablo Picasso rar.» Klassiker werden also immer mehr zum Luxusobjekt für Superreiche.
Sogar die Reichsten haben Mühe mitzuhalten
Die Nachfrage steigert die Preise derart, dass gewisse Sammler bei dieser Preisspirale nicht mehr mitmachen wollen. Das Branchenmagazin «Artinfo.com» zitiert einen niederländischen Sammler: «Der Galerist will 360‘000 Euro für ein Bild eines zeitgenössischen Künstlers. Ich würde dafür vielleicht die Hälfte zahlen.» Die Preise würden mittlerweile unzumutbare Höhen erreichen.
Ein anderer Kunstinvestor beklagt sich: «Die Galerien verlangen momentan solche Preise, dass es sogar für die Reichsten schwierig wird mitzuhalten.» So bleibt, trotz guter Messestimmung, auch dieses Jahr die eine oder andere Galerie auf ihren Werken sitzen.
«Kunst als heikles Investitionsobjekt»
Vermögensverwalter, wie Joachim Klement, raten dem Otto Normalverbraucher, lieber in andere Anlagen als in Kunst zu investieren: «Ich denke, der Kunstmarkt ist nur für sehr wohlhabende Menschen als Investment geeignet. Insgesamt bin ich deshalb der Meinung das Kunst etwas sein sollte, das man sich kauft, um es zu geniessen. Als reine Anlage würde ich Kunst nicht empfehlen.»
Vor allem bei zeitgenössischer Kunst könne man sich die die Finger verbrennen. So Roger Signer, Analyst der Credit Suisse: «Zeitgenössische Kunst zu kaufen ist höchst risikoreich. Denn niemand weiss, wo der Künstler in zehn Jahren steht. Vielleicht bekommen sie dann nur noch den Sachwert für das Material.»
«Kunst als Modeprodukt»
Durch den Einfluss solcher Messen und Auktionen wird die Kunstwelt zunehmend kommerzialisiert, sagt Joachim Klement, Vermögensverwaltungsexperte bei Wellershof & Partners: «Wir beobachten, dass Künstler sich nicht mehr über die Qualität oder Bedeutung ihrer Arbeit definieren, sondern praktisch ausschliesslich über die Preise, die ihre Kunst erzielt. Das Kunstwerk wird so zu einem Modeprodukt, das zunehmend dem Wandel des öffentlichen Geschmacks unterworfen ist.»
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