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Mordserie am Amazonas: Umweltschützer im Fadenkreuz
Im Amazonas-Gebiet sind in nur einem Monat sechs Umweltaktivisten und Landarbeiter brutal ermordet worden. Die Taten ähneln Hinrichtungen. Brasiliens Regierung ist alarmiert - wirksamer Schutz schwierig.
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Wer sich im brasilianischen Amazonas-Gebiet mit den Schergen der mächtigen Holzmafia anlegt, dessen Leben ist nur noch wenig wert. Die Staatsmacht ist in dem riesigen Gebiet meist hunderte Kilometer weit weg, und im Regenwald gibt es oft keine Zeugen, wenn bewaffnete Gangs unbequeme Kritiker liquidieren.
Mordserie begann am 24. Mai
Am 24. Mai begann eine Mordserie, die vor allem den Amazonas-Bundesstaat Pará betrifft, ein Gebiet, das für illegale Rodungen bekannt ist. Jüngstes Opfer ist der 31-jährige Obede Loyla Souza. Der dreifache Vater wurde nach Polizeiangaben am 9. Juni erschossen, seine Leiche erst Tage später gefunden.
Die zur katholischen Kirche gehörende Landpastorale CPT berichtete zunächst von einem Streit Souzas mit Vertretern der illegalen Holzfällerfirmen, machte dann aber klar, dass der Landarbeiter nicht auf der Liste der Bedrohten gestanden habe und auch kein Umweltaktivist gewesen sei. Dabei dürfte die Trennung oft schwierig sein, denn wessen Existenz von illegalen Rodungen bedroht wird, wird oft gezwungenermassen zum Waldschützer.
Klarer liegt der Fall bei dem Ehepaar José Cláudio Ribeiro da Silva und Maria do Espírito Santo Silva. Die beiden wurden am 24. Mai in Nova Ipixuna (Bundesstaat Pará) erschossen. Sie waren bekannt für ihren Kampf gegen die Holzmafia, hatten mehrfach Anzeige erstattet und zumindest José Claúdio erhielt Morddrohungen. «Ich schütze den Wald, koste es, was es wolle. Dafür kann ich jeden Moment eine Kugel in den Kopf bekommen», sagte er einige Monate vor seinem Tod.
Erschossener gehörte Landlosen-Bewegung an
Auch der Ende Mai im Bundesstaat Rondônia erschossene Adelino Ramos hatte sich Feinde gemacht. Der 57-Jährige war in der Landlosen-Bewegung aktiv. 1995 überlebte er die in Brasilien als «Massaker von Corumbiara» bekannte gewaltsame Räumung einer Farm. Bei der Aktion starben damals zehn Besetzer und zwei Polizisten.
Wer den Mächtigen im Amazonas in die Quere kommt, muss mit dem Schlimmsten rechnen. Das zeigte 2005 auch der Mord an der 73-jährigen katholischen Ordensschwester Dorothy Stang. Die US-Amerikanerin hatte sich seit Jahrzehnten für die Rechte der Landlosen eingesetzt und gegen die fortschreitende Waldzerstörung gekämpft. «Irmã (Schwester) Dorothy» erhielt Morddrohungen, liess sich aber nicht einschüchtern.
Mord an Gewerkschafter
«Ich werde nicht flüchten und diese schutzlosen Landarbeiter hier mitten im Regenwald alleine lassen», sagte die Missionarin. Sie bezahlte ihre Hartnäckigkeit mit dem Leben. Am 12. Februar 2005 wurde sie unweit des Ortes Anapu (Bundesstaat Pará) mit sechs Schüssen getötet.
Nur der Mord an dem Kautschukzapfer Chico Mendes 17 Jahre zuvor hatte noch mehr internationales Aufsehen erregt. Der Gewerkschafter war bereits zu Zeiten der Militärdiktatur (1964-1985) verfolgt worden und hatte sich mit Rinderbaronen, Holzmagnaten und Grossgrundbesitzern angelegt. Er wurde 1988 in seinem Heimatort Xapuri (Bundesstaat Acre) in seinem Haus erschossen.
Präsidentin schaltet sich ein
Nach den jüngsten Morden schaltete sich Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff persönlich ein. Sie ordnete eine Untersuchung durch die Bundespolizei an, schickte im Rahmen der Operation «Schutz des Lebens» auch Militär in den Norden des Landes.
Ob sich die Hintermänner davon beeindrucken lassen, bleibt abzuwarten. Einstweilen dürfte sich die Holzmafia durch Brasiliens Parlament bestärkt fühlen. Das stimmte kürzlich einer Aufweichung des Waldschutzgesetzes zu, das für illegale Holzrodungen sogar eine Teilamnestie vorsieht.
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