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«Club»: «Auch ein Leben mit Alzheimer ist lebenswert»

Franziska Engelhardt
Mittwoch, 18. Mai 2011, 0:46 Uhr

Nach dem Suizid des Fotografen Gunter Sachs hat sich der «Club» mit seiner Krankheit auseinander gesetzt. Betroffene und Experten diskutierten über Möglichkeiten, wie mit der neuen Volkskrankheit umgegangen werden soll. Ihre Botschaft: «Auch im Vergessen gibt es Würde, auch ein Leben mit Demenz ist lebenswert.»

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Was heisst «Würde»?

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Gunter Sachs hatte Angst, durch den Verlust der geistigen Kontrolle, ein Leben ohne würde zu leben. Dies stand in seinem Abschiedsbrief und dies war der Grund, weshalb er sich erschossen hatte.

Was heisst «Würde»?

Das Wort «würdelos» hatte Irene Bopp-Kistler, Geriaterin und Alzheimerspezialistin, aufgeschreckt: «Das Leben ist trotz der Demenz lebenswert. Würde definiere zwar einige Philosophen über den Verstand. Aber die Würde definiere ich über den ganzen Menschen und dessen Emotionen.»

Christoph Harms ging es ähnlich beim Lesen des Zitates aus dem Abschiedsbrief. Er betreut seine Ehefrau, die 55-jährig an Alzheimer erkrankte. «Die menschliche Würde hat für mich zwei Aspekte: Von innen gesehen ist sie nicht verhandelbar und kann durch nichts beschädigt werden. Und es ist wichtig, dass die Gesellschaft würdevoll mit solchen Leuten umgeht», forderte Harms.

In der Runde sass auch das Ehepaar Erika und Hans Wobmann. Sie betreut ihren an Alzheimer erkrankten Mann und war der Meinung, die Krankheit müsse als Teil des Lebens akzeptiert werden.

Nachahmer-Effekt gibt es immer

Der Selbstmord von Sachs hat offenbar viele Leute in Panik versetzt. Bei Bopp-Kistler, welche auch leitende Ärztin im Stadtspital Waid in Zürich ist, seien viele besorgte Leute in die Sprechstunde gekommen. «Sie sagten, wenn die Diagnose ihrer Krankheit Alzheimer sei, dann soll sie ihnen auch die beste Methode verraten, sich umzubringen», so Bopp.

«Leute sind schweissgebadet vor Angst», Irene Bopp

Schwierige Diagnose

Es ist heute noch schwierig, Alzheimer zu diagnostizieren. Alzheimer sei keine Erbkrankheit, erklärte Andreas Monsch, Leiter Memory Clinic, Akutgeriatrie am Universitätsspital Basel. «Man hat eine Idee, was es für eine Krankheit ist, aber ganz auf die Spur sind die Forscher noch nicht gekommen.»

Er forderte, dass die Frühdiagnostik dringend verbessert wird: «Die Erforschung neuer Therapiemöglichkeiten braucht mehr Geld.» 

«Demenz» und «Alzheimer»

«Das Wort Demenz kommt aus dem Lateinischen heisst wortwörtlich ‹Entgeistigung›. Demenz ist eine Hirnleistungsstörung. Das ist noch keine Krankheit sondern ein Phänomen. Eine Person kann die Hirnleistung nicht mehr aufrecht erhalten. Die häufigste Ursache davon ist die Alzheimer-Krankheit», so Andreas Monsch.

Bei Jungen ist die Krankheit Alzheimer noch seltener. Deshalb dauert es viel länger, bis man auf die richtige Diagnose stösst. Dies erfuhr auch Christoph Harms. Seine Frau war mit 55 Jahren an Alzheimer erkrankt.

Am Arbeitsort kam niemand auf die Idee, wieso die Qualität der Arbeit nachliess. Auch er nicht, obwohl er selber im medizinischen Bereich arbeitet. Zunächst wurde eine Depression diagnostiziert. Erst nach einem Jahr wurde sie erneut abgeklärt, und diesmal lautete die Diagnose Alzheimer. 

Problem der jungen Alzheimerkranken

«Diesen Moment, als die Ärzte mir die Testergebnisse vorlegten, vergesse ich nie mehr. Als ich die Zeichnung anschaute, dachte ich, das hat meine Frau nicht gezeichnet. Und dann hat es ‹Klick› gemacht», erzählte Harms.

Der Moment der Diagnose für Christoph Harms und seine Frau.

20 Prozent der Menschen, die an Alzheimer erkranken, stehen noch im Berufsleben. Für sie sei es eine besondere Frustration, sagte Bopp. «Sie werden langsamer und machen Fehler. Dann kommt das Gefühl: Ich werde gemobbt. Die Kränkungen führen zu Depression. Wichtig ist es, diese Menschen früh aufzufangen und in dieser Situation zu begleiten», so Bopp.

Finanzielle Schwierigkeiten

Ruth Rutman, Präsidentin  Alzheimervereinigung Kanton Zürich und selber Tochter einer Alzheimer-Patientin, machte zusätzlich auf das Problem der Pensionskasse aufmerksam. «Man fällt aus der Kasse heraus und merkt erst im Nachhinein, die Person war demenzkrank. Die finanzielle Rückabwicklung ist dann kaum mehr möglich.»

«Alzheimer ist besonders für Berufsleute ein grosses Problem.»

Pro Jahr gibt es 25‘000 neue Demenz-Patienten in der Schweiz. Diese Zahl wird laufend zunehmen, weil die Menschen immer älter werden. Rutman fordert deshalb die Gemeinden schweizweit auf, Demenz-Strategien zu entwickeln.

Kein Mittel gegen Alzheimer

Die Krankheit dürfte medizinisch noch Jahrzehnte nicht unter Kontrolle gebracht werden. «Weltweit werden Impfungen gegen Alzheimer getestet. Die Idee: die Ablagerungen im Hirn zu verhindern. Was für einen Effekt das hätte, ist bis heute unklar», sagte Andreas Monsch, der Leiter der Memory Clinic. «Es ist gut, dass man forscht, aber es wäre unfair, echte Hoffnung zu schüren», fügte er an.

Das beste Mittel gegen Alzheimer ist, wie Christoph Harms anfangs der Sendung sagte: würdevoll mit den Alzheimerkranken umzugehen.

Neben dem Entgegenbringen von Respekt, Liebe und Wertschätzung, wie die Gäste zum Schluss der Rund zusammentrugen, sollen ganz individuelle Therapien vorgenommen werden. Darunter auch Gedächtnistherapien. Und laut Bopp kann grade ein Tanz oder Musik in den Menschen viele positive Emotionen auslösen.

Kommentare aktiv...

B. Froehlich, Petra / Lesbos
(B.Froehlich Mann)
Verfasst am: 19.5.2011 22:18

Frau/Herr Schmidhauser

Ich versuche es nochmals, vielleicht ist man bei... mehr

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A. Schmidhauser

Verfasst am: 18.5.2011 8:38

Heisse ethische Fragen umgangen

Die Frage nach der Würde wurde vorschnell... mehr

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