Abstimmungen 15. Mai
Dignitas-Gründer erfreut über Zustimmung zur Sterbehilfe
Deutliche Abfuhr für die zwei Volksinitiativen der EDU: Die Zürcher Stimmberechtigten wollen die Sterbehilfe und den Sterbetourismus nicht verbieten und lehnten beide Vorlagen mit grossen Nein-Stimmenanteilen ab. Ludwig A. Minelli der Sterbehilfe-Organisation Dignitas zeigt sich in «Schweiz aktuell» hocherfreut über das klare Resultat.
Der Gründer und Generalsekretär von Dignitas, Ludwig A. Minelli, sagte, das Zürcher Volk habe seine Schätzungen gar übertroffen. Er fühle sich in seiner Arbeit bestätigt.
Weiter findet Minelli, dass nun vor allem Politiker umdenken müssen: «Politiker werden häufig mit Korkzapfen verglichen, die immer dort schwimmen, wo der Wasserstand ist. Und nun gibt es Politiker, die meinten der Wasserstand sei dort, wo das Publikum gegen die Art und Weise der Tätigkeit (unserer Organisation) ist. Und er ist jetzt aber an einem ganz anderen Ort. Die werden jetzt ihre neue Position suchen müssen, sonst ertrinken sie.»
Minelli hat in Vergangenheit mit Aktionen, wie zum Beispiel Sterbebegleitungen in parkierten Autos auch immer wieder provoziert – unbeabsichtigt, wie er selber sagt.
«Weder Staat noch Kirche haben mitzureden»
Bernhard Sutter, Vize-Präsident von Exit, zeigte sich erfreut darüber, dass die «religiösen Fundamentalisten» keinen Erfolg gehabt hätten. Es sei schön zu sehen, dass sich die Zürcher grundsätzlich hinter die Sterbehilfe stellen würden.
Dies sei ein klares Votum für die Selbstbestimmung. «Weder Staat noch Kirche haben beim Sterben mitzureden. Das Volk will sich die Möglichkeit, selber über den Tod zu bestimmen, nicht nehmen lassen», sagte Sutter.
Diese Haltung müsse nun unbedingt bei der geplanten Regelung auf Bundesebene berücksichtigt werden. «Die Leute wollen eine liberale Regelung», sagte Sutter weiter.
«Ausdruck der liberalen Haltung»
Der neue Justizdirektor Martin Graf (Grüne) deutete das deutliche Ergebnis als «Ausdruck der liberalen Haltung der Zürcherinnen und Zürcher». Auf Kantonsebene sieht er denn auch keinen Handlungsbedarf, die Sterbehilfe stärker zu regeln. Wenn schon, dann bestehe dieser Handlungsbedarf auf Bundesebene.
Die Volksinitiative «Nein zum Sterbetourismus im Kanton Zürich» wurde von nur 60'186 Personen angenommen, dies entspricht einem Ja-Stimmen-Anteil von nur 21,59 Prozent. Dagegen stimmten 218'602 Zürcherinnen und Zürcher, was einem Nein-Stimmenanteil von 78,41 Prozent entspricht.
Die Vorlage verlangte, jegliche Suizid-Beihilfe zu verbieten, sofern die betroffene Person nicht mindestens ein Jahr lang im Kanton Zürich gelebt hat. Dies hätte es nicht nur Ausländern verunmöglicht, im Kanton Zürich mit Hilfe einer Organisation wie Exit oder Dignitas zu sterben. Auch Personen aus anderen Kantonen hätten sich strafbar gemacht, wenn sie für das Sterben nach Zürich gekommen wären.
Kein Stadt-Land-Gefälle
Noch deutlicher bachab geschickt wurde die Vorlage «Stopp der Suizidhilfe», welche den Bund per Standesinitiative beauftragen wollte, jede Art der Sterbehilfe unter Strafe zu stellen. Nur 43'165 Stimmberechtigte oder 15,52 Prozent waren dafür. Dagegen stimmten 234'956 Personen, was einem Nein-Anteil von 84,48 Prozent entspricht.
Ein Stadt-Land-Gefälle gab es bei diesen beiden Vorlagen für einmal nicht: Keine einzige Zürcher Gemeinde wollte die beiden Initiativen umgesetzt sehen. Nicht einmal in den traditionell religiöseren Gegenden des Zürcher Oberlandes hatte die EDU Erfolg.
Die Stimmbeteiligung bei beiden Vorlagen betrug 33,6 Prozent. Dem Initiativkomitee gehörten nebst Vertretern der EDU auch einzelne Exponenten von SVP, EVP, CVP und Schweizer Demokraten an.
(sda/buev)







