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International

Ex-Mitglieder der UCK bestätigen Organhandel

Karin Bauer, Gianluca Galgani
Mittwoch, 11. Mai 2011, 21:56 Uhr, Aktualisiert 22:06 Uhr

Ehemalige Mitglieder der Milizarmee UCK sagen aus, sie hätten beim mutmasslichen Handel mit Organen von serbischen Gefangenen mitgewirkt. Zum ersten Mal kommt damit ein offizielles Dokument zum gleichen Schluss wie Europarat-Berichterstatter Dick Marty. Dies berichtet die «Rundschau».

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Konkrete Hinweise auf UCK-Organhandel liegen bereits seit 2003 vor (Rundschau 11.05.2011)

Als der Schweizer Dick Marty letzten Dezember im Europarat seinen Bericht über die mutmassliche Beteiligung der Milizarmee UCK am Organhandel im Kosovo-Krieg präsentierte, hagelte es Kritik von der kosovarischen Regierung. Premierminister Hashim Taci, der vormalige Chef der Milizarmee UCK, nannte Marty einen Rassisten.

In einem vertraulichen Dokument der UNO aus dem Jahre 2003, das der «Rundschau» vorliegt, schildern allerdings acht Ex-UCK-Mitglieder, wie sie die Gefangenen von Kosovo nach Albanien transportiert hätten. Zuerst in Gefängnisse, dann in die Nähe des Flughafens von Tirana. Dort seien sie getötet worden und man habe ihnen auch die Organe entnommen. Diese seien dann mit dem Flugzeug nach Istanbul gebracht worden.

Kritik an Staatengemeinschaft

Europarat-Berichterstatter Dick Marty zeigt sich gegenüber der «Rundschau» befriedigt darüber, dass das Dokument aufgetaucht ist: «Das ist kein Fantasiebericht.»

Er wiederholt seine Kritik an der internationalen Staatengemeinschaft. Diese habe bisher keine Anstrengungen unternommen, den Fall aufzuklären. «Leider waren die Leute, die dieses Dokument hätten lesen müssen, nicht so seriös.»

Damit spielt Marty auch auf die Schweiz an. Denn Bundesrätin Micheline Calmy-Rey hatte sich für die Unabhängigkeit des Kosovo stark gemacht. Bei der Botschaftseröffnung im Jahre 2008 sass sie mit dem früheren UCK-Kadermann Hashim Taci an einem Tisch.

Christian Meuwly, der Chef der politischen Abteilung Europa des Aussendepartements, bestreitet, das vertrauliche Dokument bei der Anerkennung der Unabhängigkeit gekannt zu haben. «Im EDA hatte man keinen Zugang zu diesen Dokumenten. Wir haben Vermutungen gehört und das in unserer Lageanalyse berücksichtigt», so Meuwly.

UNO will nun handeln

Eine weitere neue Spur im Organhandelsfall führt offenbar zur Medicus Klinik in der kosovarischen Hauptstadt Pristina. Bis 2008 soll das Spital illegale Transplantationen vorgenommen und die Organe international verkauft haben.

Gemäss Dick Marty bestehen auch hier Verbindungen zu ehemaligen UCK-Exponenten, die schon zu Kriegszeiten mit Organen gehandelt haben sollen. «Ich habe konkrete Hinweise», so Marty gegenüber der «Rundschau».

Der ehemalige UCK-Mann und heutige Vize-Präsident des kosovarischen Parlaments, Xhavit Haliti, bestreitet den neuen Organhandel-Vorwurf. «Das ist eine Falschinformation.»

Nun kommt aber Bewegung in die Sache: Am Mittwoch will UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon dem UNO-Sicherheitsrat vorschlagen, die Vorfälle rund um den mutmasslichen Organhandel der UCK breit zu untersuchen.