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Machtwechsel in Libyen

Nato plant härtere Angriffe gegen Gaddafi

Mittwoch, 27. April 2011, 4:26 Uhr, Aktualisiert 08:34 Uhr

Während die Nato nach einem Bericht der «New York Times» ihre Luftangriffe auf Ziele in Libyen intensivieren will, hat der libysche Machthaber Muammar al-Gaddafi eine Delegation nach Venezuela entsandt. Die Emissäre wollten nach «einem politischen Weg aus der Krise Libyens» suchen, sagte Venezuelas Staatschef Hugo Chávez.

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Der venezolanische Staatschef, der Gaddafi einen Freund nennt und der den internationalen Militäreinsatz gegen Libyen kritisiert hat, warf den alliierten Streitkräften vor, Bomben auf Militärkasernen, Schulen und Geschäftszentren abzuwerfen. «Wer hat ihnen das Recht dazu gegeben?», fragte er in einer im Fernsehen übertragenen Rede.

Energische Bombardierung

Wie die «New York Times» unter Berufung auf Mitarbeiter der Regierung von US-Präsident Barack Obama und Nato-Beamte online berichtet, sollen bei den verstärkten Nato-Einsätzen vor allem Paläste, Hauptquartiere und Kommandozentralen ins Visier genommen werden, die der libysche Diktator Muammar al-Gaddafi benutze, um sich weiter an die Macht klammern zu können.

Beamte des Weissen Hauses sagten laut «New York Times», Obama sei über die energischere Bombardierung informiert worden. Dazu habe bereits der Angriff auf den Komplex in der Hauptstadt Tripolis gehört, in dem Gaddafi residiert. Dieser Luftschlag habe aber nicht zum Ziel gehabt, Gaddafi zu töten, erklärten US-Beamte.

Gaddafi beschiesst Berber-Städte

Kritik an Luftangriffen der Nato

Zuvor hatte Chávez seine Kritik an den Nato-Luftangriffen in Libyen intensiviert. An einem Treffen mit lateinamerikanischen und karibischen Aussenministerin verurteilte er die Bombardierung von Gaddafis Militärkomplex Bab al-Asisija am Montag. Solche Angriffe zielten auf eine Tötung Gaddafis ab.

Anfang März hatte Venezuelas Präsident Hugo Chávez Gaddafi die Gründung eines Blocks freundlich gesinnter Staaten vorgeschlagen. Dieser sollte zwischen Gaddafi und seinen Gegnern vermitteln. Ausserdem gehört Venezuela zu den Staaten, die als Rückzugsort für Gaddafi denkbar wären, sollte dieser sein Land verlassen.

Nato plant eigenen Kontaktmann in Bengasi

Die Nato will den politischen Kontakt zu den Rebellen in Libyen ausbauen. In der Rebellenhochburg Bengasi könnte dazu bald ein «ziviler Kontaktpunkt» entstehen, sagte ein Nato-Offizier in Brüssel und bestätigte damit einen Bericht der «Financial Times Deutschland».

Wie das Blatt berichtet, soll künftig ein westlicher Diplomat in Bengasi ständigen Kontakt zum Übergangsrat der Rebellen halten. Um eine militärische Kooperation gehe es dabei nicht. Laut Zeitung habe Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen den 28 Mitgliedsstaaten am Wochenende einen entsprechenden Vorschlag unterbreitet.

Chávez und Gaddafi

Chávez hat in der Vergangenheit enge Beziehungen zu Gaddafi unterhalten und Libyen mehrfach besucht.

2004 verlieh Gaddafi Chávez den Menschenrechtspreis des Revolutionsführers für seinen Kampf gegen die Auswirkungen des Imperialismus und gegen die Feinde der Freiheit in und ausserhalb Venezuelas.

London: Gaddafi in der Defensive

Der britische Verteidigungsminister Liam Fox hat sich optimistisch über die Entwicklung der Kämpfe um die libysche Stadt Misrata geäussert. Die Truppen von Machthaber Muammar al-Gaddafi befänden sich in der Defensive, es gebe Fortschritte für die Rebellen.

«Je schneller Oberst Gaddafi begreift, dass das Spiel aus ist (...), umso besser», sagte Fox bei einem Treffen mit seinem US-Kollegen Robert Gates in Washington. Die Hafenstadt Misrata wird seit zwei Monaten von Gaddafi-Einheiten belagert, weite Teile sind zerstört.

Die Rebellen meldeten am Dienstag weitere Raketenangriffe und Gefechte in den Vororten. Die Nato habe erneut Gaddafi-Truppen angegriffen.

(sda/dapd/dpa/halp)