Machtwechsel in Libyen
USA setzen ferngesteuerte Kampfdrohnen in Libyen ein
Die USA haben bewaffnete Drohnen im Kampf gegen Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi eingesetzt. Bereits am Donnerstag haben Kampfjets der internationalen Truppen in der Nähe der libyschen Hauptstadt Tripolis acht Munitionsbunker zerstört. Derweilen sind zehn Schiffe dabei, humanitäre Hilfsgüter nach Libyen zu bringen.
Infolge der heutigen Angriffe durch unbemannten Flugzeuge seien die Bodentruppen von Machthaber Muammar al-Gaddafi deutlich geschwächt, sagte US-Generalstabschef Mike Mullen am Rande eines Truppenbesuchs in Bagdad. Vermutlich 30 bis 40 Prozent seien ausgeschaltet.
Mullens Worten zufolge können derzeit weder Gaddafis Truppen noch die der Rebellen entscheidende Erfolge erzielen. «Es läuft mit Sicherheit auf eine Patt-Situation hinaus», sagte Mullen. Er fügte hinzu, es gebe keine Hinweise darauf, dass die radikal-islamistische Al-Kaida bei den Aufständischen vertreten sei.
Der republikanische US-Senator John McCain ist zu einem Besuch in der libyschen Rebellenhochburg Benghasi eingetroffen. Der einstige republikanische Präsidentschaftskandidat fuhr in einem Wagenkonvoi in das Zentrum der ostlibyschen Stadt. Mehr dazu lesen Sie hier.
Die Rebellen im Libyen haben den Einsatz von US-Drohnen im Kampf gegen Machthaber Muammar Gaddafi begrüsst. «Es gibt keinen Zweifel, dass sie beim Schutz von Zivilisten helfen werden», sagte ein Sprecher am Donnerstag dem Sender Al-Dschasira.
Besiedelte Siedlungen im Visier
Laut dem stellvertretenden US-Generalstabschef James Cartwright ist der Drohneneinsatz vor allem in besiedelten Gebieten sinnvoll: «Sie haben die Möglichkeit, tiefer zu fliegen, deshalb könne sie eine bessere Sicht auf bestimmte Ziele bekommen.» Das sei hilfreich, weil Gaddafis Truppen begonnen hätten, sich «in Defensivpositionen einzugraben». Insgesamt könnten bis zu zwei Drohnen gleichzeitig im Einsatz sein.
Verteidigungsminister Robert Gates begründete den Einsatz mit der zunehmend schlechteren humanitären Lage der Bevölkerung in Libyen. Die USA wollten aber keine Bodentruppen einsetzen, versicherte Gates.
Aufständische hoffen auf Waffen aus Europa
Zuvor hatte US-Präsident Barack Obama bereits angekündigt, die USA würden den Aufständischen Material wie Schutzwesten, Funkgeräte oder Medikamente liefern. Briten, Franzosen und Italiener wollen gar Militärberater zu den Gaddafi-Gegnern entsenden.
Dieser Schritt wurde von Russland als «riskantes» Unterfangen mit «ungewissem Ausgang» bezeichnet. Aussenminister Sergej Lawrow sagte, dies laufe «eindeutig» auf eine Einmischung am Boden hinaus.
Die Aufständischen hoffen dass sie aus Europa bald auch Waffen erhalten. Sie hätten sich mit Italien und Grossbritannien über Waffenlieferungen geeinigt, sagte Abdelhafizh Ghoga, ein Mitglied des Übergangsrates, der Nachrichtenagentur dpa in Benghasi.
Misrata weiterhin umkämpft
Das Regime in Tripolis kündigte an, die ganze Bevölkerung bewaffnen zu wollen, um sich gegen einen Angriff von NATO- Bodentruppen zu wappnen. In einem solchen Falle «werden wir die Hölle lostreten», sagte ein Regierungssprecher.
Gaddafi hebelt UNO-Sanktionen aus
Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi ist es offenbar gelungen, internationale Sanktionen zu umgehen und Benzin via Tunesien ins Land zu schmuggeln. Um UNO-Sanktionen zu umgehen, werden Hunderttausende Tonnen Treibstoff über den tunesischen Hafen La Schira geliefert.
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Die Aufständischen brachten am Donnerstag einen wichtigen Grenzübergang zu Tunesien unter ihre Kontrolle. Dabei wurden nach Angaben der Aufständischen mehrere Regierungssoldaten getötet. Die tunesische Nachrichtenagentur TAP meldete, bis zu 200 entwaffnete Soldaten, darunter zwei Generäle, seien nach Tunesien geflohen.
Umkämpft blieb die west-libysche Stadt Misrata, die von Gaddafis Truppen seit Wochen belagert wird. Durch Granaten seien am Mittwoch mindestens drei ihrer Kämpfer und zehn Zivilisten getötet und 100 Menschen verletzt worden, teilten die Aufständischen mit. Unter den Toten war auch ein Arzt aus der Ukraine, wie das Aussenministerium in Kiew erklärte. Die UNO spricht bei den Kämpfen um Misrata gar von Kriegsverbrechen.
Ban Ki Moon fordert Waffenruhe
UNO-Generalsektretär Ban Ki Moon hat die libyschen Behörden dringend aufgefordert, «die Kämpfe einzustellen und das Töten der Menschen zu beenden».
Im Moment habe die Schaffung einer überprüfbaren und effektiven Waffenruhe für die Vereinten Nationen Priorität, um die humanitäre Hilfe auszuweiten, sagte Ban. Nur so könne auch der Flüchtlingsstrom gestoppt werden.
Nach Angaben des UNO-Generalsekretärs sind bereits mehr als eine halbe Million Menschen aus Libyen geflohen.
In Misrata wurden am Mittwoch auch zwei Kriegsreporter getötet. Den Filmemacher Tim Hetherington und den Fotografen Chris Hondros traf offenbar eine von Gaddafis Truppen abgefeuerte Panzerabwehrgranate.
(sda/fref/godc)






