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Katastrophe in Japan

Japan will härter gegen Rückkehrer in Gefahrenzone vorgehen

Mittwoch, 20. April 2011, 10:33 Uhr, Aktualisiert 16:02 Uhr

Die japanische Regierung plant, den Zutritt im engsten Umkreis des havarierten Atomkraftwerkes gesetzlich zu verbieten. Sie will damit verhindern, dass Bewohner trotz des Strahlenrisikos in ihre Häuser zurückkehren. Besonders Familien sei dies aber zu riskant, wie SF-Korrespondentin Barbara Lüthi erfahren hat.

Eintreten in Sperrzone-Fukushima verboten (Tagesschau am Mittag 20.04.2011)

Die Massnahme betrifft besonders die Menschen, die im engsten Umkreis von 20 Kilometern um den Unglücks-Atomkomplex Fukushima lebten. Hier soll eine Sperrzone entstehen, und diese könnte per Gesetz zu einem «Gefahrenbereich» erklärt werden, sagte Regierungssprecher Yukio Edano.

Zwischen 70‘000 und 80‘000 Menschen haben auf 10 Ortschaften verteilt im nun gesperrten Gebiet gewohnt. Sie mussten nach dem Erdbeben vom 11. März 2011 alles zurücklassen.

Bild Vier Japaner essen in einer Notunterkunft Nudel-Suppe.
Viele betroffene Japaner haben genug vom Leben in den Notunterkünften, wie hier in Kesennuma – sie wollen trotz der Gefahren zurück in ihre Häuser. reuters

Die Menschen wurden in Notunterkünften gebracht, in grosse Zentren oder Hotels. Wie sie sich fühlen, ist momentan schwierig herauszufinden. Laut  SF-Korrespondentin Barbara Lüthi ist es schwierig mit den Flüchtlingen aus Fukushima zu sprechen. Denn die Behörden haben ihre Lager seit einer Woche für die internationalen Medien gesperrt.

Rückkehr zu riskant

Lüthi war es dennoch gelungen, mit einer Frau aus der Krisenregion zu sprechen, die in Tokio in einem Hotel untergebracht ist. «Sie ist Mutter eines kleinen Mädchens und will momentan nicht zurück, es sei ihr zu riskant», zitierte Lüthi.

 Generell würden Familien mit Kindern nicht zurückkehren wollen, auch wenn ihre Häuser etwas weiter draussen lägen als die von der Regierung festgelegte Sperrzone, erklärte die Korrespondentin.

Es sind hauptsächlich ältere Menschen, die versuchen, in ihre Häuser zurückzukehren. Sie sorgen sich um ihr Hab und Gut und wollen nicht länger in Notfallunterkünften bleiben. Einige harren sogar in der 20-Kilometer-Sperrzone in ihren Häusern aus.

Keine gesetzliche Ermächtigung

«Mit der jetzigen Gesetzeslage können wir niemanden büssen, der zurückkehrt. Deshalb brauchen wir eine Zwangsvollstreckung in diesem Gebiet», erklärte Noriyuki Shikata, ein Abgeordneter des Kabinetts.

Mit der Massnahme will die Regierung verhindern, dass Evakuierte aus der Zone in ihre Häuser zurückkehren und sich so einer gesundheitsschädlichen Strahlendosis aussetzen. Wie Uneinsichtige bestraft werden sollen, muss aber noch festgelegt werden.

Grösserer Umkreis verstrahlt

Für Umweltorganisationen ist die festgelegte Zone nicht weit genug angelegt. Greenpeace sagte bereits zu einem früheren Zeitpunkt im Gespräch mit «tagesschau.sf.tv», das Land sei im Umkreis von 40 Kilometern um den havarierten Reaktor verstrahlt. Die Organisation warnt vor unabsehbaren gesundheitlichen Folgen. Lesen Sie hier mehr…

Misstrauen gegen Kernkraft steigt

Allgemein wächst unter den Bewohnern in Japan das Misstrauen gegen Atomenergie. Eine Technologie, von der man geglaubt hatte, die Behörden und Betreiber hätten sie im Griff.

Barbara Lüthi hat in Tokio beobachtet, dass die Leute seit dem Unfall allgemein sensibler geworden sind und die Technologie hinterfragen. Demonstrationen in Tokio häufen sich laut Lüthi. Sie richten sich auch gegen den  Kernkraftwerkbetreiber Tepco. Dieser bezahlt pro Haushalt zunächst lediglich 8‘000 Euro Entschädigung.

(ap/sda/engf)