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Amnesty International – Ein Toast für die Freiheit

Samstag, 16. April 2011, 15:26 Uhr, Aktualisiert 17:46 Uhr

Dorthin schauen, wo die Öffentlichkeit nicht hinschaut: Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) feiert ihr 50-jähriges Bestehen. Anlass für die Gründung von AI gab ein britischer Anwalt, der 1961 in einem weltweiten Appell auf die «vergessenen Gefangenen» aufmerksam machte.

1961 platzte dem Londoner Anwalt Peter Benenson der Kragen. In der Zeitung las er von zwei portugiesischen Studenten, die zu sieben Jahren Haft verurteilt wurden. Ihr Vergehen: In einem Lissaboner Café erhoben sie ihre Weingläser und stiessen auf die Freiheit an. Doch die Erwähnung des Wortes «Freiheit» war damals in Portugal verboten.

Bild Portrait von Peter Benenson. (amnesty international)
Ein Leben für die Freiheit der Menschen: Amnesty-Gründer Peter Benenson. ai

Darauf publizierte Benenson in der Zeitung «The Observer» einen Artikel mit dem Titel «Die vergessenen Gefangenen». Er rief die Leser dazu auf, sich bei den Regierungen für die Freilassung solcher politischer Gefangener einzusetzen. Sie würden alleine deswegen hinter Gitter sitzen, weil sie Meinungen vertreten, die der jeweiligen Regierung nicht gefalle.

Der Artikel wurde von mehreren europäischen Zeitungen übernommen und abgedruckt. Diese Aktion «Appell für Amnestie» gilt als die Geburtsstunde der Menschenrechtorganisation Amnesty International.

Schweiz am ersten Jahrestreffen dabei

Zwei Monate später, im Juli 1961, fand das erste Jahrestreffen von AI statt. Delegierte aus Grossbritannien, Belgien, Frankreich, der Bundesrepublik Deutschland, Irland, den USA und der Schweiz entschieden, eine internationale Bewegung zu gründen, die die Meinungsäusserungs- und Religionsfreiheit verteidigt. Erste Büros entstanden und Freiwillige machten sich an die Arbeit.

AI hat seither die Fälle von tausenden Opfern von Menschenrechtsverletzungen aufgegriffen und Millionen von Menschen weltweit darauf aufmerksam gemacht.

«Es bleibt noch viel zu tun»

Sich die Menschenrechte der vergangenen 50 Jahre ohne Amnesty International vorzustellen ist für Amnesty-Generalsekretär Salil Shetty kaum vorstellbar. Es bleibe aber immer noch viel zu tun. Lesen Sie mehr über den Blick zurück und den Blick in die Zukunft an der Generalversammlung von Amnesty International in Solothurn.

Wichtige Stationen in der Geschichte von Amnesty International

1962: AI bereist erstmals Länder, um auf Menschenrechtsverletzungen aufmerksam zu machen. Erste Station ist Ghana, gefolgt von der Tschechoslowakei, Portugal und Ostdeutschland.

Ein erster Jahresbericht folgt und setzt den Fokus auf 210 politische Gefangene in sieben Ländern.

Ein Beobachter von AI nimmt am Prozess gegen Nelson Mandela teil.

1964: Die UNO attestiert Amnesty International einen beratenden Status.

1965: AI veröffentlicht ihren ersten Report über die Haftbedingungen in Portugal, Südafrika und Rumänien.

AI  fordert in einem Resolutionsentwurf die Todesstrafe für politische Gefangene abzuschaffen.

1971: Amnesty feiert ihr 10-jähriges Bestehen. Im gleichen Jahr werden auf Drängen von AI 700 politische Gefangene aus der Haft entlassen.

1972: AI lanciert ihre erste weltweite Kampagne für die Abschaffung von Folter.

1974: Seán MacBride, Mitbegründer von Amnesty International, erhält den Friedensnobelpreis für seinen lebenslangen Einsatz für die Menschrechte.

Am ersten Jahrestag des Militärputsches in Chile, veröffentlicht AI einen Bericht über die politische Unterdrückung, Hinrichtungen und Folter unter dem Regime von Präsident Augusto Pinochet.

1975: Die Vereinten Nationen unterzeichnen einstimmig eine Erklärung gegen Folter.

1977: Amnesty International erhält den Friedensnobelpreis für ihr Engagement für den «Frieden in der Welt».

1987: AI veröffentlicht einen Bericht über die Todestrafen in den USA und kommt zum Schluss, dass die Schuldsprüche in der Rassenfrage unausgewogen und willkürlich geschehen.

1996: AI lanciert eine Kampagne für ein permanentes internationales Strafgericht.

(sf/sda/schubeca)