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Schweiz

Überforderte Skyguide-Leute schuld an Beinahe-Kollision

Dienstag, 5. April 2011, 16:02 Uhr

Ungenügende Ausbildung der Flugverkehrsleiter war verantwortlich für eine Beinahe-Kollision zweier startender Passagierflugzeuge beim Flughafen Zürich. Zu diesem Schluss kommt das Büro für Flugunfalluntersuchungen (BFU). Ereignet hat sich der Vorfall im Oktober 2007.

Skyguide versichert, die Lehren daraus gezogen zu haben. Der als «schwerer Vorfall» eingestufte Airprox ereignete sich zwischen einer Boeing 737-300 der Deutschen Lufthansa und einem Airbus A320-200 der Royal Jordanian Airlines.

Bild Fluglotse bei der Arbeit, PC-Bildschirm
Skyguide reagierte auf den Vorfall mit regelmässigen Trainings. Damit sollen künftig Fast-Zusammenstösse vermieden werden. keystone

Ungenügende Sicherheitsabklärung

Die unbeabsichtigte Annäherung zwischen dem auf der Piste 10 startenden Airbus und der auf der Piste 14 durchstartenden Boeing habe ein hohes Kollisionsrisiko aufgewiesen, heisst es in dem veröffentlichten BFU-Untersuchungsbericht. Der kleinste Abstand zwischen den Maschinen betrug 2037 Meter horizontal und 200 Meter vertikal.

Der Vorfall sei auf ein Pistenbenutzungskonzept bei Bisenlage zurückzuführen. Dieses habe die beteiligten Flugverkehrsleiter überfordert, weil es mehrere Mängel aufgewiesen habe.

Zwischen den Flugwegen der Standardabflugroute für Abflüge ab der Piste 10 und der Standardhöhe für ein Durchstartverfahren auf der Piste 14 habe keine verfahrensmässige Staffelung bestanden. Die entsprechende Sicherheitsabklärung habe die Gefährdung nur unzureichend erfasst.

Die Flugverkehrsleiter seien bezüglich der möglichen Konfliktsituation unzureichend ausgebildet worden und seien damit von dieser überrascht worden. Im Rahmen der Untersuchung sprach das BFU denn auch eine Sicherheitsempfehlung aus.

Skyguide: Risiko verringert

Skyguide versicherte umgehend, man habe entsprechende Massnahmen ergriffen. Im Juni 2008 habe Skyguide die Standardhöhe für ein Durchstartverfahren auf Piste 14 des Flughafens Zürich von 5000 Fuss (ca. 1,5 km) auf 4000 Fuss (ca. 1,2 km) reduziert.

Damit sei das Risiko zwischen Durchstartverfahren auf Piste 14 und gleichzeitig stattfindenden Abflügen in Richtung Westen auf der Piste 10 verringert worden. Das optimierte Verfahren sei vom Bundesamt für Zivilluftfahrt überprüft und genehmigt worden.

 Weil das Benutzungskonzept auf Piste 10 nur bei Bisenlage zur Anwendung komme, sei eine regelmässige Schulung und Sensibilisierung wichtig, schreibt Skyguide.

Eine solche Wettersituation trete durchschnittlich an acht Tagen pro Jahr ein. Man führe seit mehreren Jahren regelmässige Trainings zum Benutzungskonzept auf Piste 10 in der Simulation durch.

(sda/muei)