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Katastrophe in Japan

News-Ticker vom 05.04.2011: Kritik an Atomenergie wächst

Dienstag, 5. April 2011, 5:42 Uhr, Aktualisiert 19:50 Uhr

Japan setzt zum Auffangen von radioaktiv verseuchtem Wasser auf ein riesiges Tankfloss. Beim AKW Fukushima wird unterdessen weiter radioaktiv verseuchtes Wasser ins Meer abgepumpt. So soll Platz geschaffen werden, um in Tanks noch stärker verstrahltes Wasser zu speichern. National und international wächst die Kritik an der Atomenergie.

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Zum aktuellen News-Ticker gehts hier

Das Wichtigste in Kürze

– Stopfen von Atomleck zeigt Wirkungen

– Japaner bereiten Mega-Tankfloss für Atomruine vor

– Tepco pumpt weiter verseuchtes Wasser ins Meer

– Tepco will Schadenersatz leisten

19:45 - EMI-Records mit Spendenaktion

Das Musiklabel EMI startet eine Spendenaktion für die Opfer in Japan. Organisiert wird die Aktion von Ebay. Musiker wie Coldplay, Katy Perry, Gorillaz, Iron Maiden, Jane Birkin, Beach Boys, David Guetta und Lady Antebellum beteiligen sich an der Aktion. Kommende Einnahmen bis zu einer Höhe von 1,4 Mio. Dollar werden an das Japanische Rote Kreuz überwiesen.

17:45 – EU will schärfere Grenzwerte für Nahrung

Die EU will strengere Regeln für importierte Lebensmittel aus Japan. Die europäischen Strahlengrenzwerte für Nahrungs- und Futtermittel sollen an die strengeren japanischen angepasst werden. Das kündigte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso in Strassburg an. Die strengeren Grenzwerte sollen vorübergehend gelten, bis wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass sie nicht mehr notwendig sind.

17:20 – Vorarlberger wollen Solaranlagen

Im österreichischen Vorarlberg stösst die Förderaktion für Photovoltaikanlagen für private Haushalte auf massives Interesse. Die Subvention mit Geldern aus dem Klimafonds ist bereits einen Tag nach Start ausgeschöpft. Bis Dienstagmittag gingen fast 700 Anträge ein - mit den dem Ländle zustehenden Fördervolumen könnten jedoch je nach Anlagengrösse lediglich zwischen 300 und 400 Anlagen unterstützt werden.

17:15 – Beschluss-Moratorium in Grossbritannien

Die britische Atomsicherheitsbehörde verschiebt die Genehmigungen für den Bau neuer Kernkraftwerke um mindestens drei Monate. Wegen der von der Regierung beschlossenen Überprüfung sei es nicht möglich, vor dem Abschlussbericht im September vorläufige Bauzulassungen zu erteilen. Dadurch hätten die Atomkonzerne ausreichend Zeit, um ihre Baupläne in Sicherheitsfragen zu verbessern. Ursprünglich waren bis 2025 mindestens vier neue AKW geplant gewesen.

17:12 – BAG-Hotline stösst auf Interesse

Die Radioaktivitäts-Infoline des Bundesamts für Gesundheit (BAG) erhält derzeit täglich rund 20 Anrufe. In den ersten Tagen der Inbetriebnahme waren es bis zu 100 Anfragen pro Tag. Die Zahl der Anrufe hänge stark mit den jeweiligen Informationen aus Japan zusammen, so das BAG. Als die Nachricht von einer sich nähernden «radioaktiven Wolke» publiziert wurde, sei die Zahl der Anrufe stark nach oben geschnellt.

17:06 – Kritik an Atomkraft steigt

Acht von zehn Franzosen und Französinnen hätten gern, dass der Anteil der Atomkraft in den kommenden 20 bis 30 Jahren zugunsten anderer Energiequellen sinkt. Dies ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ifop. Knapp drei Viertel der Befragten (73 Prozent) waren davon überzeugt, dass dies möglich wäre. Mehr als die Hälfte - 56 Prozent - sehen die vielen Atomkraftwerke in ihrem Land mit Unbehagen.

Frankreich betreibt 58 Reaktoren an 19 Standorten. Das Land bezieht knapp vier Fünftel seines Stroms aus Kernkraftwerken, prozentual soviel wie kein anderer Staat weltweit.

Auch in den USA wird Atomkraft unpopulärer. Nur noch 39 Prozent von Ende März befragten 1001 US-Bürgern befürworten gemäss einer Studie der Gesellschaft für Konsumentenforschung (GfK) den Bau neuer Kernkraftwerke. Im Herbst 2009 waren es noch 49 Prozent.

In den USA stehen 104 Meiler, die grösste Zahl an Reaktoren weltweit. Sie decken etwa ein Fünftel des gesamten Strombedarfs des Landes ab. Ein weiterer Ausbau der Atomkraft ist politisch geplant.

16: 53 – OECD-Prognose ohne Japan

Die Wirtschaft in wichtigen Industrienationen (G7) boomt nach Einschätzung der OECD stärker als erwartet. Die unabsehbaren Folgen der Erdbeben- und Reaktorkatastrophe in Japan trüben aber die Stimmung. Die OECD klammerte Japan deswegen aus ihrer aktuellen Prognose aus. «Es ist derzeit unmöglich, die Konsequenzen für das Wirtschaftswachstum abzuschätzen», so Konjunkturexperten.

16:50 – Schweiz und Italien diskutieren Energiefragen

Bundesrätin Doris Leuthard und der italienische Industrieminister Paolo Romani wollen bei Energieproduktion, Stromeffizienz und erneuerbaren Energien enger zusammenarbeiten. Ein zentrales Thema der Arbeitsgespräche war die Atomsicherheit. Die Projekte für zehn neue Atomkraftwerke, die Italien geplant hatte, wurden nach der Katastrophe in Japan eingefroren.

Bild Tankfloss
Das riesige Tankfloss muss vor dem Einsatz an der Atomruine umgebaut werden. reuters

15:30 – Radioaktivität in kanadischem Trinkwasser

Im Wasser der kanadischen Stadt Vancouver wurden radioaktive Spuren aus dem japanischen Kernkraftwerk Fukushima entdeckt. Allerdings sind die Werte «verschwindend gering», beruhigen neben dem kanadischen Gesundheitsministerium auch namhafte Experten in der Pazifikprovinz British Columbia.

13:07 – Stopfen von Atomleck zeigt Wirkung

Die Bemühungen des japanischen Betreibers Tepco, ein Leck am zerstörten Kraftwerk Fukushima zu schliessen, zeigen erstmals Wirkung. Die Menge an austretendem verseuchtem Wasser habe sich «ein wenig» verringert, so Tepco. Arbeiter hatten nach mehreren gescheiterten Versuchen 1500 Liter Flüssigglas in den betreffenden Kabelschacht gefüllt. Die Chemikalie soll dafür sorgen, dass das unkontrolliert ins Meer strömende Wasser gestoppt wird. Es ist stark radioaktiv verseucht. Versuche, das Leck unter anderem mit Beton zu verfüllen, waren zuvor gescheitert.

Wohin mit 60'000 Tonnen radioaktiv verstrahltem Wasser? («Tagesschau», 05.04.11, 13 Uhr)

13:05 – Frankreich sorgt sich ums Trinkwasser

Die französischen Behörden sorgen sich um eine mögliche Verstrahlung des Trinkwassers. Wasserproben aus Seen und Speicherbecken sollten nun zeigen, ob sich die gefährlichen radioaktiven Stoffe Cäsium 137 und Jod 131 auf stehenden Gewässern abgesetzt hätten, erklärt die französische Gesundheitsbehörde DGS. Die Proben sollen demnach nach der Aufbereitung in den Wasserwerken genommen werden. Erste Ergebnisse sollen kommende Woche vorliegen.

11:10 – Japaner bereiten Mega-Tankfloss für Atomruine vor

Japan setzt zum Auffangen von radioaktiv verseuchtem Wasser ein riesiges Tankfloss in Bewegung. Das sogenannte «Megafloat» legt in der Stadt Shimizu in der Provinz Shizuoka ab und wird dann in eine Werft in der Tokioter Nachbarstadt Yokohama gezogen. Dort soll es für den Einsatz an der Atomruine umgebaut werden. Der Atombetreiber Tepco braucht dringend Auffangmöglichkeiten für Millionen Liter hochgradig verseuchten Wassers in dem havarierten Atomkraftwerk.

11:05 – Tepco pumpt weiter verseuchtes Wasser ins Meer

Beim AKW Fukushima in Japan wird weiterhin radioaktiv verseuchtes Wasser ins Meer gepumpt. Der Betreiber Tepco will damit Platz schaffen, um in Tanks noch stärker verstrahltes Wasser speichern zu können. Wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo berichtete, strömten rund 3430 Tonnen leicht belastetes Wasser in den Pazifik. Insgesamt sollen 11‘500 Tonnen abgelassen werden.

Die Helfer stehen vor einem Dilemma: Sie leiten Wasser zum Kühlen der Reaktoren in die Kraftwerksgebäude, wissen dann aber nicht, wohin damit. Die Behörden gehen davon aus, dass sich inzwischen 60‘000 Tonnen radioaktiv verseuchtes Wasser im Keller der Reaktorgebäude sowie in unterirdischen Kanälen angesammelt hat. Das Wasser behindert das weitere Vorgehen der Arbeiter.

09:50 – Tepco will Stromausfälle verhindern

Der Betreiber des japanischen AKW Fukushima, Tepco, verspricht, die Wirtschaft des Landes vor Stromausfällen im Sommer bewahren. Nach den verheerenden Naturkatastrophen kam es insbesondere im Grossraum Tokio immer wieder zu Stromausfällen.

Unter Experten wurden besorgte Stimmen laut, dass sich die Situation in den heissen Sommermonaten wegen der starken Nutzung von Klimaanlagen erheblich verschlechtern könnte. Ständige Stromausfälle könnten letzendlich Japan den schwersten wirtschaftlichen Schaden überhaupt zufügen. In der Region um Tokio und nördlich davon ist etwa die Hälfte der Industrie und des Gewerbes der weltweit drittgrössten Volkswirtschaft beheimatet.

Bild AKW-Mitarbeiter in Schutzanzug, im Hintergrund AKW
Im AKW Fukushima bleibt die Situation weiter angespannt. keystone

09:00 – Tepco-Aktie stürzt weiter ab

An der Tokioter Börse stürzt die Aktie der Fukushima-Betreiberfirma Tepco weiter ab. Um 18 Prozent rauscht der Kurs in die Tiefe. Grund sind die Zweifel der Anleger an der Fähigkeit des Konzerns, die Lage am Atomkraftwerk noch unter Kontrolle zu bekommen. Seit der Reaktorkatastrophe hat die Aktie von Tepco bereits mehr 80 Prozent an Wert verloren.

08:45 – Schwindler nutzen Strahlen-Angst aus

In Japan nutzen zwei profitgierige Schwindler die Angst der Menschen in der Katastrophenregion vor radioaktiver Strahlung aus. Die Männer aus Kobe drehen ihren Opfern gefälschte Medizin an, die angeblich gegen Strahlung im Körper helfen, berichtet die Nachrichtenagentur Jiji Press. Mehr als 1000 Menschen fielen auf den Schwindel herein. Insgesamt 200‘000 Euro zogen die Täter den Opfern aus der Tasche. Die beiden Täter wurden nun verhaftet.

08:30 – Tepco kündigt Entschädigung an

AKW-Betreiber Tepco kündigt an, die örtlichen Behörden für die radioaktive Verstrahlung und Evakuierungen zu entschädigen. Der Konzern erklärt aber, noch sei weder über die Höhe entschieden, noch darüber, welche und wie viele Kommunen mit Geldern rechnen könnten. Mittel sollten diejenigen erhalten, die wegen des AKW-Unfalls ihre Häuser verlassen mussten oder sonst Schaden erlitten haben.

05:55 – Warnung vor Milbenkrankheit

In den Katastrophengebieten müssen sich die Menschen vor einer gefährlichen Milbenart in Acht nehmen. Das Nationale Institut für Infektionskrankheiten warnt vor einer Ausbreitung des durch die Herbstgrasmilbe verursachten japanischen Flussfiebers, auch «Tsutsugamushi»-Krankheit genannt.

Wie die japanische Nachrichtenagentur Jiji Press unter Berufung auf das Institut berichtete, könnten durch Erdrutsche in Folge des Erdbebens vom 11. März Schlammmassen mit der Tsutsugamushi-Milbe in Gebiete gelangt sein, die zuvor nie einen Ausbruch der Krankheit erlebten hatten.

Bei einem zwischen 60 und 70 Jahre alten Mann in der Unglücksprovinz Fukushima, wo das havarierte Atomkraftwerk steht, war am 22. März die Krankheit diagnostiziert worden, hiess es weiter. Patienten, die von der Milbe gebissen wurden, leiden unter anderem unter Fieber und Ausschlag. Ohne angemessene Behandlung, könnten sich Symptome verschlimmern,

04:30 – Toyota muss US-Produktion möglicherweise stoppen

Der weltgrösste Autobauer Toyota muss wegen Nachschubproblemen in Folge des schweren Erdbebens möglicherweise seine gesamte Produktion in Nordamerika aussetzen. Wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf Firmenvertreter in den USA berichtete, werden die Laufbänder vermutlich in allen Produktionsstandorten auf Toyotas wichtigstem Auslandsmarkt gestoppt, da sich die Teilezulieferer in Japan nach der Katastrophe nur langsam wieder erholten. Eine Entscheidung sei allerdings noch nicht gefallen.

04:12 – Tepco will Schadenersatz leisten

Tepco, die Betreiberfirma des AKW Fukushima, will Kompensation  leisten für Schäden nach dem AKW-Unfall. Geld erhalten sollen Gemeinden und Regionen, die durch freigesetzte Strahlung und die Evakuierungen Schaden erlitten haben. Wer zu den Begünstigten gehören wird oder wie hoch die Entschädigungs-Summe ausfällt, wurde noch nicht bekannt.

01:20 – Kritik von der IAEA

Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA hat den Betreiber des japanischen Katastrophen-AKW in Fukushima wegen unzureichender Sicherheitsmassnahmen kritisiert. Tepco habe nicht genug Vorsorge betrieben, sagte der japanische IAEA-Chef Yukiya Amano.

«Rückblickend betrachtet waren die Massnahmen des Betreibers nicht ausreichend, um diesen Unfall zu verhindern», sagte Amano in Wien zum Auftakt der fünften Überprüfungskonferenz des Übereinkommens über nukleare Sicherheit.

Bild Das havarierte AKW Fukushima vom Meer aus gesehen.
IAEA-Chef Yukiya Amano zweifelt, ob Tepco in Fukushima ausreichnde Sicherheitsvorkehrungen getroffen hat. reuters

Damit änderte der Chef der UNO-Behörde, deren Aufgabe die friedliche Förderung der Atomenergie ist, seine ursprüngliche Haltung. In seiner ersten Reaktion am 14. März hatte Amano noch kaum kontrollierbare Naturkräfte für den Unfall in Fukushima verantwortlich gemacht - und nicht etwa menschliches Versagen oder falsches Design.

Ereignisse des Vortags

Tepco will verstrahltes Wasser kontrolliert ins Meer leiten, weil die Auffang-Tanks voll sind. Die Regierung erwägt unterdessen, die zerstörten Reaktor-Blöcke mit einem Sarkophag zu versiegeln. Zudem soll das Katastrophen-Informationssystem des Landes verbessert werden. Alle Ereignisse von Montag, 04.04.2011, im News-Ticker des Tages.

(agenturen/redaktion)

Kommentare aktiv...

B. Froehlich, Petra / Lesbos
(B.Froehlich Mann)
Verfasst am: 6.4.2011 3:58

Der Mensch sitzt in der toedlichen

Falle der nur in wenigen Jahrzehnten aufgebauten... mehr

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A. Kurt, Dürnten
(minu92 Mann)
Verfasst am: 5.4.2011 20:19

Verbrechen!

Das bewusste einlassen von Kontaminierten Wasser... mehr

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G. Bossert, Safenwil
(boga Frau)
Verfasst am: 5.4.2011 19:40

WO es EINEM entgegen kommt, MAN NICHTS verändern muss, holt MAN seine Infos.

Einige hier haben sich wohl dem wissenschaftlich... mehr

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