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Kantonale Wahlen

Hollensteins Niederlage: CVP kritisiert Umfragen

Nico Ruffo
Montag, 4. April 2011, 17:31 Uhr

Nachdem der CVP-Regierungsrats Hans Hollenstein überraschend aus der Regierung ausgeschieden ist, kritisiert der Zürcher Präsident der Christdemokraten die Umfragen. Die Partei vertraute ihnen und wähnte sich in Sicherheit. Politologen erklären, wieso Umfragewerte und Wahlausgang dermassen auseinander klafften.

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Lange Gesichter bei der Zürcher CVP am Tag nach den Regierungsratswahlen. «Niemand hat damit gerechnet», sagt Präsident Markus Arnold zu «tageschau.sf.tv». Ihr hochgehandelter Kandidat Hans Hollenstein hat es bei den Wahlen im Kanton Zürich nicht geschafft. Er schied als überzählig aus. Und dies trotz sehr guten Umfrageresultaten im Vorfeld.

Arnold: «Wir müssen künftiger vorsichtiger sein»

CVP-Präsident Arnold hat nun postwendend diese Umfragen angeprangert. Die CVP habe sich wegen der hohen Umfragewerte bei der Regierungsratswahl in einer falschen Sicherheit gewähnt und ihre Ressourcen vor allem für die Kantonsratswahl eingesetzt. «Künftig müssen wir sehr viel vorsichtiger gegenüber solcher Umfragen sein», sagt Arnold.

Abwahl in Zürich sind selten

Das Ausscheiden von Hans Hollenstein (CVP) ist für den Kanton Zürich ein historisches Ereignis: Innerhalb von 48 Jahren wurde noch jeder amtierende Regierungsrat wiedergewählt. Der letzte, der bei den Wählern durchfiel, war der SP-Regierungsrat Paul Ulrich Meierhans. Genau wie Hollenstein erreichte er 1963 zwar das absolute Mehr, schied aber als Überzähliger auf dem achten Platz aus. Meierhans war 13 Jahre lang Baudirektor.

Eine solche Interpretation der Umfrageergebnisse der Parteien sei falsch, sagt der Kampagnen-Experte Louis Perron zu «tagesschau.sf.tv».

«Denn die Medien nutzen ihre Umfragen um ein Kopf-an-Kopf-Rennen abzubilden. Dies ist jedoch nicht brauchbar als Grundlage für die Kampagnenplanung der Parteien. Sie sollten vielmehr eigene Umfragen und Fokusgruppen erstellen, die die politische Nachfrage ihrer Zielgruppe erforschen», empfiehlt Perron.

«Eine solche Interpretation der Umfrageergebnisse der Parteien sind falsch.»
Louis Perron, Kampagnen-Experte

«Wenn Firmen ein neues Produkt lancieren, verwenden sie die Meinungsforschung auch nicht um den Marktanteil zu prognostizieren, sondern um herauszufinden, wie das neue Produkt der Zielgruppe am besten verkauft werden kann», erklärt Perron.

«Grundsätzlich würden wir das gerne machen», entgegnet der CVP-Präsident: «Doch uns fehlt das Geld.»

Perron: «Verzerrung zugunsten etablierter Personen»

Für Perron gibt es vielfältige Gründe weshalb solche Umfragen andere Werte als die Wahlen liefern könnten. Die Umfragen stützen sich auf die gesamte Bevölkerung, tatsächlich wählen geht aber nur eine Minderheit. Diese Minderheit vorauszusagen, sei eine Herausforderung. Schliesslich gäbe es bei solchen Untersuchungen meistens eine Verzerrung, die den etablierten Namen nütze.

Der Kampagnen-Experte Perron bringt ein Beispiel aus den Vorwahlen der letzten US-amerikanischen Präsidentschaftswahlen: «Bis vor ein paar Wochen vor den ersten Vorwahlen führte Hillary Clinton in allen Umfragen. Das Rennen hat aber dann doch der unbekanntere Barack Obama gemacht. So profitierte auch in Zürich beim Umfragezeitpunkt der amtierende CVP-Regierungsrat Hans Hollenstein noch stark von seinem Bekanntheitsgrad, während ihn der Grüne Martin Graf im Endspurt noch überholte.»

Die CVP muss über die Bücher, meint Urs Schwaller, Fraktionschef der CVP im Bundeshaus («Tagesschau», 04.04.2011)

Longchamp: «Umfragen werden überinterpretiert»

Auch für den Politologen Claude Longchamp, bleibt das Resultat von Hans Hollenstein rätselhaft. In seinem Blog schreibt er jedoch, es sei ein Unterschied ob man eine Umfrage zu einer Personen- oder Parteiwahl mache. Parteiwahlen könnten präziser befragt werden, weil die Meinungsbildung stärker länger- und weniger kurzfristig erfolge, während bei Personenwahlen bis am Schluss Relevantes vielfach offen bleibe.

«Das Resultat von Hans Hollenstein bleibt rätselhaft.»
Claude Longchamp, Politologe

Weiter führt er aus, dass es jedoch zu Umfragen gibt keine wirkliche Alternative gäbe. Longchamps Schlussfolgerung: «Umfragen sind deshalb nicht einfach falsch, werden aber vielfach überinterpretiert.»

Und zumindest in einem sind sich die Politologen und Kampagnen-Experten einig. Viele Politiker und Journalisten verstünden eines nicht: Die Umfragewerte sind als Momentaufnahme zu werten und nicht als Prognose für den Wahltag.

Umstrittene Umfrage

Für die Umfrage zu den Kantons-und Regierungsratswahlen wurden zwischen dem 3. und dem 16. März 1100 Personen befragt. Allfällige Effekte durch die Atomkatastrophe in Fukushima konnten also nur teilweise berücksichtigt werden. Die vom Institut Isopublic erstellte Erhebung wurde am 22. März publiziert. 

In der Umfrage belegte der jetzt abgewählte Hans Hollenstein den zweiten Platz. In der vorgängigen Umfrage vom 1. Februar war er sogar an erster Stelle. Graf wäre zwar auch gemäss der Umfrage vom 22. März in den Regierungsrat eingezogen, doch hätte er nicht Hollenstein, sondern der SVP-Regierungsrat Markus Kägi verdrängt.

Rangliste der Regierungsräte gemäss der Umfrage (22. März)

 

1. Regine Aeppli (SP)

49 %

 

2. Hans Hollenstein (CVP)

48 %

 

3. Mario Fehr (SP)

46 %

 

4. Thomas Heiniger (FDP)

43 %

 

5. Ursula Gut (FDP)

41 %

 

6. Ernst Stocker (SVP)

40 %

 

7. Martin Graf (Grüne)

39 %

 

8. Markus Kägi (SVP) - nicht im Regierungsrat

35 %

 

9. Maja Ingold - nicht im Regierungsrat

19 %