Kantonale Wahlen
Longchamp: Rechnungen für Mitte-Parteien sind nicht aufgegangen
Politikwissenschaftler Claude Longchamp hält die Wählerverluste für die Mitte-Parteien für fatal. Eindeutige Trends für die nationalen Wahlen im Herbst sieht er allerdings noch nicht.
Für die CVP und FDP seien Wählerverluste von zwei bis drei Prozent erheblich. «Beide Parteien haben darauf spekuliert, dass Zürich die Wende sein könnte», erklärt Longchamp gegenüber der «Tagesschau».
Die FDP habe viel investiert, damit sie in Zürich den Turn-around für den Herbst schaffe. Für die CVP sei Zürich jener Kanton, in dem die Stadt-Strategie, den sie seit Langem anstrebe, positiv besetzt habe. «Beide Rechnungen sind nicht aufgegangen, für beide ist das fatal.»
Die Resultate für die beiden Pol-Parteien SP und SVP sollten laut Longchamp nicht überbewertet werden. Die SP habe sich nun halten können. Bei der SVP werde es sicher im Herbst anders aussehen, wenn die Mobilisierung viel höher sein werde als heute.
Keine Protestwahl in Zürich
Mit Blick auf die AKW-Katastrophe in Japan verweist Longchamp auf die tiefe Wahlbeteiligung: So eine richtige Protestwahl habe heute in Zürich nicht stattgefunden. Um auch auf die Wahlen im Herbst zu wirken, brauche es eigentlich diesen Protestcharakter.
Für die nationalen Wahlen im Herbst sieht Longchamp zwei Szenarien: Die Bundesratswahlen im letzten Herbst, bei der die etablierten Kräfte recht positiv abgeschnitten haben und der Protestcharakter recht gering gewesen sei. Zweitens die Abstimmung über die Ausschaffungsinitiative, die zeigte, dass die nationalkonservative Thematik über mehrere Wochen hinweg klar dominieren kann.
«Es sind beide Bilder möglich im Herbst.» Entweder könne das rechtskonservative Lager mobilisieren, «wenn nicht, wird sich die Frage auf die Mitte konzentrieren und da haben die neuen Angebote, die neuen Ideen».
(schj)



