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Katastrophe in Japan

Millionenfache radioaktive Strahlung – was würde das bedeuten?

Sonntag, 27. März 2011, 11:15 Uhr, Aktualisiert 15:37 Uhr

Die Strahlung im Reaktor 2 des Atomkraftwerks Fukushima sei zehn Millionen Mal höher als normal – so lautete zuerst die vom AKW-Betreiber Tepco verbreitete Hiobsbotschaft. Mittlerweile ist unklar, inwiefern dieser Wert stimmt. Doch die Angaben schüren neue Ängste um die Gesundheit.

Bild Eine Person in Schutzanzug untersucht einen Mann nach Radioaktivität.
Wie sehr die Gesundheit bei einer radioaktiven Verstrahlung Schaden nimmt, hängt u.a. von der Strahlenstärke ab. reuters

Offiziell beträgt der Radius der Evakuierungszone noch immer 20 Kilometer. Am Freitag hatte ein Regierungssprecher aber den Menschen im 30-Kilometer-Radius um das AKW empfohlen, sich freiwillig in entferntere Regionen zu begeben.

Seit Beginn der Krise wurden 17 Arbeiter verstrahlt. Zwei von ihnen kamen mit Verbrennungen an den Füssen ins Krankenhaus, weil sie in Reaktor 3 in verseuchtem Wasser gestanden hatten.

Wirkung von Strahlenbelastungen hängt von Stärke ab

Bislang zeigte keiner der verstrahlten Arbeiter Frühsymptome von Strahlenkrankheit, wie die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf das nationale Institut für Strahlenforschung berichtete.

Die Ganzkörperstrahlung, der die Männer ausgesetzt waren, soll bei 173 bis 180 Millisievert gelegen haben. Unterhalb der Knöchel soll die Strahlung aber bei 2000 bis 6000 Millisievert gelegen haben, berichtete das behandelnde Strahlenforschungsinstitut. Diese extreme Dosis war nur lokal begrenzt und betraf nicht den ganzen Körper.

Strahlendosis und -grenzwerte im Vergleich

Die Dosis der Strahlung wird meist in Millisievert (mSv) angegeben. Bei hohen Dosen radioaktiver Strahlung können unterschiedliche gesundheitliche Probleme auftauchen. Die Risiken hängen von Stärke, Dauer und Behandlungsmöglichkeiten ab. (Quelle: bfs.de)

Ab 8000 mSv Sicherer Tod
3000 - 4000 mSv Ohne medizinische Eingreifen sterben bei dieser Dosis 50% der exponierten Personen nach 3-6 Wochen, wenn es sich um eine in kurzer Zeit erfahrene Strahlenbelastung handelte
1000 mSv Bei dieser Dosis treten in einer Bevölkerungsgruppe etwa 10% zusätzliche Krebs- und Leukämiefälle auf
500 mSv Bei akuter Exposition treten ab dieser Schwellendosis akute Strahleneffekte auf (zum Beispiel Übelkeit, Erbrechen)
250 mSv Grenzwert (maximal zulässige Dosis) für eine Person beim Einsatz lebensrettender Massnahmen oder zur Vermeidung großer Katastrophen in Deutschland
100 mSv Bei dieser Dosis treten in einer Bevölkerungsgruppe etwa 1% zusätzliche Krebs- und Leukämiefälle auf
100 mSv Schwellendosis für angeborene Fehlbildungen oder Tod des Foetus
20 mSv pro Jahr Grenzwert (maximal zulässige Dosis) der jährlichen Strahlenexposition für beruflich strahlenexponierte Personen in Deutschland
10 - 20 mSv Ungefähre Dosis für eine Ganzkörper-Computertomographie eines Erwachsenen
2 -3 mSv pro Jahr Durchschnittliche jährliche Strahlenexposition der Bevölkerung in Deutschland aus natürlichen Quellen
2 mSv in 50 Jahren Gesamte Dosis für eine Person im Voralpengebiet auf Grund des Reaktorunfalls von Tschernobyl für den Zeitraum 1986-2036
2 mSv pro Jahr Durchschnittliche jährliche Dosis einer Person in Deutschland aus künstlichen Quellen, vornehmlich Medizin
1 mSv pro Jahr Grenzwert (maximal zulässige Dosis) für die jährliche Strahlenexposition einer Person der Normalbevölkerung aus Tätigkeiten, u.a. aus dem Betrieb kerntechnischer Anlagen in Deutschland
bis zu 0,1 mSv Dosis durch Höhenstrahlung bei einem Flug von München nach Japan
0,01 - 0,03 mSv Dosis bei einer Röntgenaufnahme des Brustkorbs (Thorax)
0,01 mSv pro Jahr Höchste jährliche Dosis einer Person im Umkreis eines Kernkraftwerks unter Normalbedingungen

Was Radioaktivität im Körper anrichtet

Die radioaktiven Strahlen sollten weder Haut noch das Körperinnere erreichen. Gegen Alpha- und Beta-Strahlen kann sich der Mensch schützen. Gegen Gamma-Strahlen hingegen nützen auch Schutzanzüge nichts. Lesen Sie hier mehr

Radioaktivität - von harmlos bis tödlich («Puls», 21. März 2011)

(agenturen/bers)