Katastrophe in Japan
Japan: Zahl der Toten auf 10'500 gestiegen
Reedereien meiden Tokio aus Angst vor Strahlung und die Lage im havarierten AKW Fukushima bleibt kritisch. Aber die Lage hat sich nicht verschlechtert, erklärt die japanische Regierung. Fukushima ging genau heute vor 40 Jahren ans Netz. 1971 wurde das Werk als technische Meisterleistung gefeiert.
Bild
22:47 - Nachbeben behindert Abpumpen radioaktiven Wassers
Japanische Ingenieure mühten sich am Sonntag weiter, radioaktiv verseuchtes Wasser aus dem schwer beschädigten Atomkomplex Fukushima abzupumpen. Dabei wurden sie von einem Beben der Stärke 4,2 behindert, das sich in der Nähe des Unglücksreaktors ereignete. Verstrahltes Wasser wurde in drei der sechs Reaktoren gefunden.
20:18 – aktuelle Opferzahl bei 10'489
Bei dem Erdbeben der Stärke 9,0 und dem dadurch ausgelöstenTsunami am 11. März kamen nach offiziellen Angaben mindestens 10'489 Menschen ums Leben. 16'621 gelten immer noch als vermisst, wie es um 21.00 Uhr Ortszeit hiess.
19:27 – Reedereien meiden Tokio aus Angst vor Strahlung
Internationale Reedereien vermeiden es aus Angst vor Strahlenbelastungen, die Häfen von Tokio und Yokohama anzulaufen. Wie die Zeitung «New York Times» berichtete, hätten mehrere grosse Reedereien den Frachtverkehr gestoppt oder eingeschränkt. Dagegen würden die von Fukushima weiter entfernten Häfen wie Osaka und Kobe weiterhin angelaufen.
14:46 – 40-Jahr-Jubiläum von AKW Fukushima
Der Betreiber des havarierten japanischen Atomkraftwerks Fukushima 1 hat der Inbetriebnahme des Meilers vor 40 Jahren gedacht. «Es ist ausserordentlich enttäuschend, den 40. Jahrestag unter diesen Umständen zu begehen», sagte Tepco-Vizechef Sakae Muto. Zugleich entschuldigte er sich erneut bei der Bevölkerung für die Atomkatastrophe.
Reaktor 1 des Atomkraftwerks Fukushima war im Jahr 1971 in den kommerziellen Betrieb gegangen. Er wurde als Meilenstein für den Übergang des Landes in das atomare Zeitalter gefeiert.
«Die wichtigste Frage für ein Kernkraftwerk ist, wie sicher die Atomenergie genutzt wird», hiess es damals in einem Werbevideo. In die Sicherheit würden daher Ressourcen investiert, die «anderswo undenkbar» seien.
Japan verfügt insgesamt über 55 Atomreaktoren, die rund 30 Prozent des landesweiten Energiebedarfs decken. Der Reaktor 1 in Fukushima ist der drittälteste Reaktor Japans.
14:13 – Wind weht günstig für Tokio
Der Wind weht auch in den nächsten Tagen günstig für die Millionen-Metropole Tokio. Radioaktive Partikel aus den Unglücksreaktoren in Fukushima werden auf das Meer getragen. Nur der Küstenstreifen nördlich des Kraftwerks werde vermutlich am Dienstag geringe Mengen radioaktiven Materials abbekommen, sagte der Deutsche Wetterdienst voraus. Bis dahin trägt der Nordwestwind alles aufs offene Meer hinaus, die radioaktive Fracht werde weit nach Süden und Osten geblasen.
Derzeit ist es in der Region um Fukushima weiter winterlich kalt mit Werten um 0 Grad am Tag und Nachtfrost. Die Schneeschauer lassen nach. In Tokio herrschen tagsüber etwa zehn Grad und nachts fünf Grad plus.
09:26 - Regierung sieht keine Verschlechterung
Die Lage am havarierten japanischen AKW Fukushima verschlechtert sich nach Einschätzung der Regierung nicht. Allerdings sei weiterhin höchste Wachsamkeit nötig, sagte ein Regierungssprecher am Samstag.
Zwei der Reaktoren in der 240 Kilometer nördlich der Millionenmetropole Tokio gelegenen Nuklearanlage gelten als sicher. In den übrigen vier bleibt die Lage kritisch, immer wieder steigt Dampf und Rauch auf.
Seit dem Unglück infolge eines Erdbebens und Tsunamis vor zwei Wochen versucht der AKW-Betreiber verzweifelt, einen Super-GAU in dem Kraftwerk zu verhindern. Mehr als 700 Techniker arbeiten im Schichtdienst daran, das Kraftwerk zu stabilisieren und die Kühlanlagen der Reaktoren wieder in Gang zu setzen.
09:07 - Tsunami zerstörte 470 Quadratkilometer
Der verheerende Tsunami in Japan hat eine Landfläche von rund 470 Quadratkilometern entlang der Küste überflutet. Das berichtete der Fernsehsender NHK World am Samstag.
NHK berief sich auf Angaben der japanischen Geodaten-Firma Pasco, die Satellitendaten ausgewertet hatte. Auf die Schweiz umgerechnet entspricht die Fläche einem Viereck zwischen Zürich, Winterthur, Eglisau und Baden.
09:00 - Behelfsunterkünfte für Obdachlose
In der Katastrophenregion läuft die Bereitstellung von Behelfsunterkünften für die Opfer an. Die mit am schwersten getroffene Stadt Rikuzentakata in der Provinz Iwate begann als erste Gemeinde am Samstag, Anträge für solche Häuser entgegenzunehmen.
Die Menschen hatten die in den vergangenen zwei Wochen unter äusserst harten Bedingungen bei Kälte und Versorgungsmangel in Notunterkünften ausharren müssen. Sie erhoffen sich durch die Behelfshäuser eine Verbesserung ihrer Lebensbedingungen.
Nach neusten Angaben kamen beim Beben und dem Tsunami 10'102 Menschen ums Leben. 17'000 werden noch vermisst.
06:10 - Greenpeace misst selber
Experten der Umweltschutzorganisation Greenpeace haben am Samstag damit begonnen, in der Umgebung des Atomkraftwerks Fukushima 1 eigene Strahlenmessungen vorzunehmen.
Seit dem Beginn der Krise vor zwei Wochen hätten die Behörden offenbar ständig sowohl die Risiken als auch das Ausmass radioaktiver Verseuchung unterschätzt, erklärte Greenpeace-Atomexperte Jan van de Putte. «Wir sind nach Fukushima gekommen, um die Auswirkungen der Krise festzuhalten und unabhängige Erkenntnisse über die radioaktive Verseuchung zu ermöglichen.»
Mit den eigenen Messungen solle eine Alternative zu den häufig «widersprüchlichen» Angaben der Behörden geschaffen werden, erklärte Greenpeace.
05:02 - Schnee und Kälte behindern Aufräumarbeiten
Schneefall und Temperaturen um den Gefrierpunkt haben am Samstag die Aufräumarbeiten im japanischen Katastrophengebiet behindert. «Es ist so kalt, dass wir nichts machen können», sagte ein Überlebender dem Fernsehsender NHK, der zusammen mit seiner Frau in sein beim Erdbeben beschädigtes Haus zurückkehrte.
In einigen Orten unterstützten Freiwillige die Betroffenen, ihre Habe in zerstörten Häusern zu sichern. Der Sender zeigte obdachlos gewordene Menschen, die in Behelfsbauten einzogen, die ihnen von der Stadt zur Verfügung gestellt wurden.
03:10 - Hohe Strahlenbelastung im Meerwasser
Die radioaktive Verseuchung der Umwelt in der Nähe des ausser Kontrolle geratenen Atomkraftwerks Fukushima weitet sich aus. In der Nähe der Anlage wurde in Meerwasserproben radioaktives Jod festgestellt, das den zulässigen Grenzwert um den Faktor 1'250 übersteigt. Dies meldete am Samstag die japanische Nachrichtenagentur Kyodo.
02:08 - Reaktorblöcke werden mit Süsswasser gekühlt
Nach der Entdeckung von hochgradig verstrahltem Wasser haben die Einsatzkräfte damit begonnen, die Reaktorblöcke 1 und 3 mit Süsswasser zu kühlen. Ausserdem werde mit Hochdruck versucht, das ausgelaufene Wasser zu entfernen, um die Arbeiten zur Verkabelung der Kühlsysteme fortsetzen zu können, berichtete der Fernsehsender NHK.
Wegen der hohen Strahlenbelastung wurden die Reaktorblöcke aus grösserer Entfernung als bisher mit Wasser besprüht. Dabei wurde nun nicht mehr Meerwasser, sondern Süsswasser eingesetzt. Mehrere Experten, vor allem in den USA, haben sich besorgt über eine durch Meerwasser verursachte Verkrustung der Kernbrennstäbe mit Salz geäussert.
01:29 - Bisher 17 Arbeiter im AKW verstrahlt
Seit Beginn der Krise im Atomkraftwerk Fukushima sind 17 Arbeiter verstrahlt worden, wie die Nachrichtenagentur Kyodo am Samstag meldete. Dabei wurden nur diejenigen Unfälle berücksichtigt, bei denen eine Radioaktivität von mehr als 100 Millisievert gemessen wurde - dies entspricht der maximalen Belastung für AKW-Arbeiter über ein ganzes Jahr hinweg. Allerdings hat das Arbeitsministerium diesen Grenzwert für Arbeiter in Fukushima jetzt auf 250 Millisievert heraufgesetzt.
Die Leitung von Tokyo Electric Power Co. (Tepco) erklärte, jeder Beschäftigte könne selbst entscheiden, ob er unter den jetzigen Bedingungen in dem havarierten Kraftwerk weiter arbeiten wolle. Kyodo zitierte aber einen Experten mit den Worten, dass es diese Wahlfreiheit kaum für Beschäftigte von Drittfirmen gebe, die von Tepco mit der Arbeit in der Anlage beauftragt wurden. Auch die am Donnerstag in Block 3 verstrahlten Arbeiter, die ohne Schutzstiefel in Wasser mit 10'000fach erhöhter Strahlung standen, waren bei einer Drittfirma beschäftigt.
00:53 - Radioaktives Wasser enthält vor allem Cäsium 137
Das verstrahle Wasser in Block 1 des Atomkraftwerks Fukushima enthält hohe Mengen von Cäsium 137, wie es auch nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor nahezu 25 Jahren in grossen Mengen in die Umwelt gelangt ist. Die japanische Reaktorsicherheitsbehörde (NISA) veröffentlichte eine Analyse dieses Wassers, wobei acht radioaktive Substanzen festgestellt wurden.
An der Spitze der Aktivität steht Cäsium 137 mit 1,8 Millionen Becquerel. Cäsium 137 hat im Unterschied zu radioaktivem Jod eine relativ lange Halbwertzeit von 30,2 Jahren. Es entsteht bei der Kernspaltung in Atomkraftwerken.
Das untersuchte Wasser in Block 1 enthält darüber hinaus unter anderem auch die Cäsium-Isotope 134 (160'000 Becquerel) und 136 (17'000 Becquerel) sowie Jod-131 (210'000 Becquerel).
00:03 - 38 Stars beteiligen sich an Benefizalbum
38 Stars aus der Rock-, Pop- und Countrymusik haben jeweils einen ihrer grössten Hits für die Erdbeben- und Tsunami-Opfer in Japan gespendet. Das Benefizalbum «Songs for Japan» kann seit Freitag über iTunes erworben werden und soll im April auch als Doppel-CD in den Handel kommen, teilte der Musiksender MTV mit. Der Verkaufserlös fliesst dem Japanischen Roten Kreuz zu.
An der Produktion des Albums hatten sich vier grosse Plattenlabel beteiligt, Sony Entertainment Music, EMI Music sowie Universal und Warner Music Group. Unter den Titeln ist der Klassiker «Imagine» des Ex-Beatles John Lennon (1940-1980) und Lady Gagas «Born This Way». Bob Dylan gab seinen Song «Shelter From the Storm», Elton John sein «Don't Let the Sun Go Down on Me» und die Gruppe U2 ihr «Walk On».
Die Ereignisse des Vortages
Drei verletzte Techniker, die im havarierten Unfall-Reaktor von Fukushima Kabel reparieren wollten, sind gesundheitsgefährdenden Strahlungsbelastungen durch verstrahltes Wasser ausgesetzt worden.
Aufgrund des hoch radioaktiv belasteten Wassers wurden Arbeiten an den Reaktoren 1 und 2 unterbrochen. Im Atommeiler 3 könnte der Reaktorkern bereits durch zu hohe Temperaturen beschädigt sein, was zum massiven Austritt von Radioaktivität geführt haben könnte, vermuten Experten.
In China wurde «hohe Radioaktivität» bei zwei Reisenden aus Japan festgestellt. Deutschland verschärft die Einfuhr-Kontrollen für Produkte aus Japan. Auch in der Schweiz werden erste Spuren von Radioaktivität aus dem Unfall in Fukushima gemessen.
Die Zahl der registrierten Toten nach dem verheerenden Beben steigt auf über 10'000. Rund 17'500 Menschen werden noch vermisst.
Japans Premier entschuldigt sich bei Bauern und Geschäftsleuten für entstandene Verluste nach der Atom-Katastrophe. In den Notunterkünften für die mehr als 240'000 Obdachlosen mangelt es an Wasser, Heizmaterial, Medikamenten und Treibstoff. Die Zahl der Todesfälle infolge Unterkühlung, Lungenentzündung und Thrombosen steigt.
Laut Greenpeace ist die höchste Stufe der Unfallskala in Japan erreicht. Die Organisation fordert die Internationale Atomenergie-Behörde (IAEA) auf, das Unglück entsprechend zu kategorisieren.
Eine Übersicht über die Ereignisse des vergangenen Tages finden Sie im News-Ticker vom 25.03.2011.
(sf/agenturen/redaktion)






