Schweiz
Die 2000-Watt-Gesellschaft – der Weg zum Atomausstieg
Im Durchschnitt verbraucht jeder Schweizer Haushalt 5220 Kilowattstunden Strom. Damit liegt unser Land um mehr als 1000 Watt über den europäischen Mittel. Um den Anteil Atomstrom zu reduzieren, sind also Verhaltensänderung gefragt. Ein mögliches Szenario ist die 2000-Watt-Gesellschaft.
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Vor gut drei Jahren hat sich das Zürcher Stimmvolk für die 2000-Watt-Gesellschaft ausgesprochen. Bis 2050 will Zürich komplett frei von Atomstrom sein. Seit der Reaktorkatastrophe von Fukushima hat sich das Verlangen nach «sauberem» Strom noch zusätzlich verstärkt. Laut dem Zürcher Stadtrat Andres Türler gehen beim Energieversorger EWZ täglich 20 bis 30 Anfragen von Kunden ein, die schon jetzt keinen Atomstrom mehr wollen.
Langer Weg
Noch ist das Vorzeigeprojekt weit vom Ziel entfernt. Das belegen die Zahlen, die Ende Februar im Projektbericht «Energiestädte auf dem Weg zur 2000-Watt-Gesellschaft» publiziert wurden. Dort belegt die Limmatstadt mit 5000 Watt Dauerleistung zusammen mit Vevey das Schlusslicht der sechs teilnehmenden Städte.
Der zuständige Stadtrat Andres Tüler lässt sich deshalb nicht aus der Ruhe bringen: «Der Anteil alternativer Energie liegt derzeit bei etwa 4 Prozent. Langfristig soll der Strom aus Wind, Sonne, Geothermie und neuen Klein-Wasserkraftwerken auf 15 bis 18 Prozent ausgebaut werden».
Um das ambitionierte Ziel zu erreichen, müsse ein Umdenkprozess stattfinden, so Türler. Grosses Sparpotential ortet er bei der Mobilität und den Gebäuden. «Der Einkauf im Quartier statt im entfernten Einkaufszentrum schont die Umwelt und hilft zudem noch den KMU». Mit energetischer Gebäudesanierung liesse sich der Energieverbrauch ebenfalls stark reduzieren.
Der Verein Energie Zukunft Schweiz steht schon seit geraumer Zeit Hausbesitzern mit Energiecoaches zur Seite. Energieeinsparungen von 40 Prozent und mehr seien so ohne weiteres möglich, sagen die Energiefachleute.
Von den sechs Städten im Projekt «Energiestädte auf dem Weg zur 2000-Watt-Gesellschaft» bewegt sich bislang einzig Erstfeld (UR) in Richtung der Zielgrösse. Trotzdem ist Michael Kaufmann vom Bundesamt für Energie überzeugt, dass die 2000-Watt-Gesellschaft keine Utopie ist. Voraussetzung sei aber, dass Gemeinden, Kantone und Bund sowie Umweltschutzorganisationen am gleichen Strick ziehen.
Ausstieg ist möglich
Der gleichen Meinung ist auch Andres Tüler: «Ich stelle fest, dass, wenn die Schweiz und Deutschland gleichzeitig ein Projekt für eine Windanlage starten, die Turbine beim nördlichen Nachbarn bereits dreht, während wir uns noch mit der Bewilligung herumschlagen.»
Eine bessere Zusammenarbeit von Heimat-, Landschaftsschutz und Umweltverbänden ist deshalb zwingend notwendig. «Es kann nicht sein, dass bei jedem geplanten Kleinwasserkraftwerk die Fischer eine Einsprache machen». Um das ambitionierte Ziel zu erreichen, müsse ein Umdenkprozess stattfinden, so der Stadtrat.
Wenn dieser Umdenkprozess nicht nur in der gesamten Schweiz stattfindet, sondern auch in Europa, hält er gar einen vollständigen Verzicht auf Atomstrom in der Schweiz für möglich. «Wenn im Norden Windturbinen, im Süden Solaranlagen Strom produzieren und die Schweiz als mit den Pumpspeicherwerken als Batterie funktioniert, dann ist ein Ausstieg wahrscheinlich realisierbar».
(sf/blur)






