Schweiz
Mühleberg: BKW will nichts von Sofortmassnahmen wissen
Für das AKW Mühleberg wird es eng. Es ist durchaus möglich, dass das Atomkraftwerk, das seit 1972 in Betrieb ist, aufgrund der Ereignisse in Japan vom Netz genommen werden könnte. Das zeigen Recherchen von «10vor10». Die Betreiberin BKW sieht das freilich anders.
Man werde die Ereignisse in Japan gründlich analysieren und bewerten, sagte der Direktor des Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorats (ENSI) Hans Wanner zu «10vor10». Dann werde sich zeigen, ob die Sicherheitsanforderungen für Schweizer AKW erhöht werden müssen.
Auf die Frage, ob danach alte Atomkraftwerke wie Mühleberg vom Netz genommen werden müssten, sagt Hans Wanner: «Das könnte durchaus solche Konsequenzen haben».
BKW beschwichtigt
Zum ersten Mal sagen also Aufsichtsbehörden, dass die Folgen der atomaren Katastrophe in Japan zur Schliessung eines Atomkraftwerks in der Schweiz führen könnten.
Die BKW Energie AG, die Betreibergesellschaft des AKW Mühleberg, wollte diese Aussage gegenüber «10vor10» nicht kommentieren. Stattdessen hat sie heute anlässlich der Präsentation ihrer Geschäftszahlen auf die Geschehnisse in Japan reagiert.
Stärkstes Erdbeben als Richtwert
Sie versuche, sich möglichst rasch ein Bild zu machen. Und sie werde zur «Weiterentwicklung und Umsetzung einer möglichst sicheren und umweltschonenden Stromversorgung» beitragen, schreibt die BKW.
Das AKW Mühleberg sei auf ein Erdbeben eingerichtet, das jenem von Basel im 14. Jahrhundert entspreche. Aufgrund von historischen Aufzeichnungen wird davon ausgegangen, dass das Beben in Basel von 1356 eine Stärke von 6,7 bis 6,9 auf der Richterskala erreichte. Dass auch schwerere Beben in der Schweiz möglich sind, wird offenbar als sehr unwahrscheinlich erachtet.
Vor Überflutung nicht genügend geschützt?
Nicht erwähnt werden in der Stellungnahme andere Gefahren. Wie zum Beispiel eine Überflutung der Anlage. Eindringendes Wasser ist immerhin jetzt in Fukushima die zurzeit favorisierte Ursache für den Ausfall der Kühlsysteme. Mühleberg ist an die Aare gebaut. Wie realistisch eine solche Überflutung in Mühleberg ist, offenbart sich in einer Meldung der Onlineausgabe der Zeitung «Der Bund» vom Januar.
Der Beitrag greift einen Informationsanlass der BKW Energie AG und ihrer Projektgesellschaft Resun in Aarberg vom November 2009 auf. Die Anwohnergemeinden wurden damals über das Projekt eines neuen Kraftwerks Mühleberg in Kenntnis gesetzt.
Man habe für das neue Kraftwerk die Gefahr von Überflutungen neu berechnet, die bei allfälligen (durch Erdbeben verursachten) Dammbrüchen der Wasserkraftwerke Mühleberg, Schiffenen, Rossens und Hongrin entstehen könnten. Man plane darum, das neue Mühleberg-Kraftwerk auf einer künstlichen Terrasse zu erbauen. Indirekt habe sich aus der Präsentation schliessen lassen, schreibt «Der Bund», dass das Kraftwerk Mühleberg I. vor solchen Gefahren nicht geschützt sei.
Kein Grund für Sofortmassnahmen
Die Zukunft Mühlebergs ist für seine Betreiberin im Gesamtzusammenhang der Geschehnisse zu beurteilen. «Aufgrund der ersten Einschätzungen der bisher unvorstellbaren Geschehnisse in Japan sind aus heutiger Sicht keine betrieblichen Sofortmassnahmen für das Kernkraftwerk Mühleberg (KKM) erforderlich», schreibt die BKW in ihrer Mitteilung zu den Geschäftszahlen.







