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International

US-Atomunfall: Plutonium in Spaniens Erde

Dienstag, 1. März 2011, 3:42 Uhr

Vor 45 Jahren war bei einem spanischen Dorf ein Flugzeug der US-Luftwaffe mit vier Wasserstoffbomben abgestürzt. Die Sprengkörper explodierten nicht, verseuchten aber das Erdreich mit Plutonium. Spanien verlangt von den USA, die bis heute vorhandenen Reste verstrahlter Erde abzutragen.

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Die Geschichte holt Palomares immer wieder ein: Das Dorf im Südosten Spaniens war der Schauplatz des grössten Atomwaffen-Unglücks der US-Luftwaffe.

Washington hält die Spanier heute noch hin

Am 17. Januar 1966 war in dieser abgelegenen Gegend in der Provinz Almería ein US-Langstreckenbomber vom Typ B-52 mit vier H-Bomben abgestürzt. 45 Jahre später verlangt die spanische Regierung, dass die USA die letzten Spuren des Unglücks beseitigen und radioaktiv verseuchtes Erdreich abtragen. Washington hält die Spanier jedoch hin.

Das Bombenflugzeug der US Air Force war damals in der Luft aufgetankt worden und dabei mit dem Tankflugzeug zusammengestossen. Beide Maschinen stürzten in der Nähe von Palomares ab. Die Kernwaffen an Bord der B-52 - mit einem Vielfachen an Sprengkraft der Hiroshima-Bombe - explodierten nicht, weil sie nicht scharf gemacht worden waren.

Franco-Diktatur wollte vertuschen

Zwei von ihnen platzten beim Aufprall auf den Boden auf und setzten radioaktives Plutonium frei. Eine dritte trudelte an einem Sicherheitsfallschirm auf die Erde und blieb unbeschädigt. Die vierte Bombe fiel ins Mittelmeer, wurde 80 Tage später dank des Hinweises eines Fischers entdeckt und aus dem Wasser gehievt.

Stichwort: Palomares-Unfall

Eine Reihe von Videos zum Unfall von Palomares (mit kurzen Erläuterungen zur Suchaktion) hat die Seite criticalpast.com zusammengestellt.

Das renommierte Brookings-Institut hat einige Fakten zu den Nuklearunfällen von Palomares und Thule dokumentiert.

Der Original-Bericht des US-Energieministeriums, der mittlerweile nicht mehr der Geheimhaltung unterliegt.

In dem Dorf selbst kam bei dem Absturz niemand zu Schaden. Allerdings wurden sieben der insgesamt elf Besatzungsmitglieder der beiden kollidierten Maschinen getötet. Die damals in Spanien herrschende Franco-Diktatur tat alles, das Ausmass des Atombomben-Dramas herunterzuspielen.

1600 Tonnen verseuchtes Erdreich

Das Regime fürchtete um den in jener Zeit gerade einsetzenden Massentourismus. Um den Urlaubern die Angst vor radioaktiven Strahlen zu nehmen, liess sich der damalige Tourismusminister Manuel Fraga bei einem Bad am Strand von Palomares ablichten. Das US-Militär liess 1600 Tonnen verseuchtes Erdreich in Behälter füllen und in die USA bringen. Die Dorfbewohner durften sich auf US-Kosten regelmässig auf eventuelle gesundheitliche Schäden untersuchen lassen.

Das Unglück geriet im Laufe der Zeit fast in Vergessenheit, auf den Feldern von Palomares wurden Tomaten und Salat angepflanzt. Erst als der Bauboom an der Mittelmeerküste auch diese Gegend erreichte, wurden die Dorfbewohner an das Drama erinnert. Nachmessungen ergaben nämlich, dass an mehreren Stellen in der Umgebung des Dorfes der Boden im Untergrund stärker radioaktiv verseucht war als angenommen.

Ein halbes Kilogramm Plutonium

Vor fünf Jahren liess die Regierung die Grundstücke enteignen und einzäunen, um zu verhindern, dass auf verstrahltem Gelände Ferienwohnungen errichtet werden. Zugleich bat sie Washington darum, die betroffenen Böden abzutragen. Dort wird nach Schätzungen ein halbes Kilogramm Plutonium vermutet.

Spanische Wissenschaftler entwickelten ein Verfahren, mit dem ein grosser Teil des Erdreichs an Ort und Stelle entseucht werden kann, so dass nur 6000 Kubikmeter - das entspricht dem Volumen von zwei olympischen Schwimmbädern - abtransportiert werden müssten. Hierbei sind die Spanier jedoch auf die Hilfe der Amerikaner angewiesen, denn in Spanien gibt es keine Lagerstätte für die verseuchte Erde.

Keinen Präzedenzfall schaffen

Washington schickte kürzlich eine Expertenkommission nach Palomares und erklärte sich zur Zusammenarbeit bereit, gab aber keine konkreten Zusagen. Dass die Amerikaner sich bedeckt halten, dürfte damit zu tun haben, dass die unterirdische Radioaktivität nach Angaben von Experten keine akute Gefahr für die 1800 Dorfbewohner bedeutet.

Die Madrider Zeitung «El País» meint, dass Washington auch aus einem anderen Grund zögert: «Das Pentagon will keinen Präzedenzfall schaffen und verhindern, dass auf die USA eine Welle von ähnlichen Forderungen zukommt aus Ländern, in denen die Amerikaner Nukleartests unternommen haben.»

(dpa/halp)

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