Machtwechsel in Libyen
Jemen: Handgranate explodiert in Menschenmenge
Bei erneuten Demonstrationen gegen die Regierung im Jemen sind in der Stadt Tais mindestens zwei Menschen getötet worden, als Unbekannte eine Handgranate mitten in die Menge geworfen haben. Augenzeugen zufolge wurden mindestens 25 Menschen verletzt.
In der jemenitischen Stadt Tais hat ein Unbekannter mit einem Granatenangriff mindestens zwei Demonstranten getötet. Ein Auto sei auf die Oppositionellen zugerast, berichteten Augenzeugen. Einer der Insassen habe die Granate geworfen. Ein Verdächtiger sei später von den Sicherheitsbehörden festgenommen worden.
Die Demonstranten machten Anhänger von Präsident Ali Abdullah Saleh für den Anschlag verantwortlich. «Es ist eine Schande, dass die Regierung zu solchen kriminellen Mitteln greift», rief ein Demonstrant.
Davon liessen sich die Oppositionellen aber nicht einschüchtern. Mindestens 10‘000 Anhänger der Opposition hatten sich auf dem Hurrija-Platz in der 200 Kilometer von Sanaa entfernten Stadt Tais versammelt.
Regierungstreue: «Nein zu Chaos»
Zeitgleich kamen im Stadtzentrum von Tais etwa ebenso viele Anhänger des Präsidenten Saleh zusammen, der das Land seit 32 Jahren regiert.
Sie riefen: «Ja zu Einheit und Stabilität, Nein zu Chaos und Sabotage.» Das staatliche Fernsehen sprach von einer Million Unterstützer.
Zwei Tote in Aden
In der südlichen Stadt Aden forderten Demonstranten wiederholt den Rücktritt von Langzeitpräsident Ali Abdullah Saleh. Zwei Menschen starben, als Sicherheitskräfte gegen die Demonstranten vorgingen.
Die Polizei habe Schlagstöcke, Elektroschocker und Tränengas eingesetzt. Eine unbestimte Anzahl Menschen erlitt Verletzungen. In Aden waren bereits am Donnerstagabend bei Zusammenstössen zwischen Polizisten und regierungskritischen Demonstranten drei Menschen ums Leben gekommen.
In der Hauptstadt Sanaa griffen regierungstreue Demonstranten Kritiker mit Knüppeln, Stöcken und Äxten an. Mindestens vier Menschen wurden verletzt.
«Leben ohen Bestimmung und Sinn»
Die Organisatoren der Proteste hatten den Freitag zum landesweiten «Freitag des Zorns» ausgerufen. Im Anschluss an das Freitagsgebet folgten in mehreren Städten Zehntausende den über Facebook und Twitter verbreiteten Aufrufen zu Protesten.
Ein Prediger verurteilte in der Moschee der Universität in Sanaa Folter und Gewalt gegen Demonstranten. Den dort versammelten Menschen sagte er: «Wir haben seit 30 Jahren ein Leben ohne Bestimmung und Sinn gelebt.»
Nach dem Vorbild anderer arabischer Staaten fordert die Opposition im Jemen den sofortigen Rücktritt von Präsident Ali Abdullah Saleh. Er ist seit 32 Jahren an der Macht. Der Verbündete der USA im Kampf gegen die sunnitische Terrororganisation al-Kaida hat bereits angekündigt, nach Ende seiner Amtszeit im Jahr 2013 nicht mehr anzutreten.
Welches arabische Land ist als nächstes dran?
Erst Tunesien, dann Ägypten. Welcher arabische Herrscher muss als nächster zittern? «tagesschau.sf.tv» hat zwei bekannte Nahost-Experten um eine Einschätzung der Lage in einigen ausgewählten arabischen Ländern gebeten: SF-Korrespondent Ulrich Tilgner und den Publizisten Erich Gysling. Lesen Sie mehr dazu hier.
(sda/reu/zinv)



