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Revolution in Tunesien und Ägypten

Der Tag, an dem Mubarak ging

Donnerstag, 10. Februar 2011, 16:59 Uhr, Aktualisiert 12.02.2011, 3:43 Uhr

Der ägyptische Präsident Hosni Mubarak hat nach 18 Tagen den Protesten gegen sein Regime nachgegeben, und ist zurückgetreten. Mubarak habe die Macht in die Hand des Militärs gelegt, erklärte sein Stellvertreter Omar Suleiman. In Kairo und im ganzen Land jubelt die Demokratiebewegung.

02:00 - Feiern in Kairo halten in der Nacht an

Ausgelassen bejubeln die Ägypter den Rücktritt von Präsident Husni Mubarak nach 30 Jahren an der Macht. Bis in die frühen Morgenstunden feierten die Menschen mit Triumphgesängen, Hupkonzerten und Feuerwerkskörpern ihren Sieg über das verhasste Regime. Mubarak hatte nach 18 tägigen Protesten dem Druck von Millionen Demonstranten nachgegeben und seinen Rückzug erklären lassen.

23:45 - Washington rüffelt Irans Informationsblockade

Das Weisse Haus in Washington hat der iranischen Regierung vorgeworfen, aus Angst vor Unruhen im eigenen Volk eine Informationsblockade über die Vorgänge in Ägypten verhängt zu haben. Das Regime in Teheran habe den Zugang zu internationalen Medien gesperrt und Bürger verhaftet, um die Bevölkerung über den Rücktritt des ägyptischen Staatschefs Husni Mubarak im Dunkeln zu lassen, sagte Regierungssprecher Robert Gibbs

23:00 - US-Börsen «feiern» Mubarak-Rücktritt

Nach dem Rücktritt von Ägyptens Präsident Husni Mubarak haben die US-Börsen am Freitag im Plus geschlossen. «Die Märkte bejubeln jetzt das Aus von Mubarak. Es könnte sich jedoch herausstellen, dass es zu früh ist, ein Krisenende zu zelebrieren», warnte David Kotok von Cumberland Advisors. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte stieg um 0,4 Prozent auf 12'273 Punkte.

Schweizer Presse über Mubaraks Rücktritt (TagesschauNacht, 11.02.2011)

20:35 - Militärs geben Übergangspläne bekannt

Nach dem Rücktritt von Mubarak werde jede Legitimität von Veränderungen von der Zustimmung des Volkes abhängen, so eine erste Erklärung der Militärspitze. Den Streitkräften sei das Ausmass der Forderungen des Volkes nach einem radikalen Wandel bewusst.

20:00 - Internationale Politik erleichtert

Ausländische Spitzenpolitiker reagieren mit Erleichterung, Freude und grosser Hoffung auf den Abgang von Mubarak. Die Reaktionen der Politik weltweit finden sie hier.

18:00 – Militärrat übernimmt Macht

Der Oberste Militärrat unter dem bisherigen Verteidigungsminister Mohammed Hussein Tantawi übernimmt die Macht in Ägypten. Das Oberkommando der Streitkräfte werde Regierung und Parlament entlassen, berichtete der arabische Nachrichtensender Al-Arabija.

17:15 – Positive Reaktionen aus dem Ausland

Die EU-Aussenbeauftragte Catherine Ashton äusserte Respekt für den Schritt Mubaraks. Der Präsident habe «die Stimme des ägyptischen Volkes» erhört, erklärte Ashton in Brüssel. Die EU sei bereit, Ägypten zu helfen.

US-Präsident Barack Obama ist Medienberichten zufolge vorab über den Rücktritt Mubaraks informiert worden.

Jubelszenen in Kairo (unkommentiert)

17:05 – Jubel auf dem Tahrir-Platz

«Das Volk hat das Regime gestürzt», skandieren die Demonstranten. Oppositionspolitiker
und Friedensnobelpreisträger Mohammed El-Baradei sagte laut BBC: «Das ist der schönste Tag meines Lebens.»

«Was hier geschieht, ist unbeschreiblich! Die Menschen liegen sich in den Armen, jubeln, feiern – und manche können es ganz einfach nicht glauben», teilt SF-Korrespondent Pascal Weber aus Kairo mit.

17:00 – Mubarak tritt zurück

Vizepräsident Omar Suleiman erklärt im staatlichen Fernsehen, Mubarak sei zurückgetreten und habe die Führung des Landes in die Hände der Streitkräfte gelegt.

Suleiman verkündet Mubaraks Rücktritt. (Übersetzung)

16:41 – Proteste in Alexandria

In Alexandria, der zweitgrössten Stadt des Landes, marschieren tausende Demonstranten zu einem der Paläste Mubaraks.

16:40 – Generalsekretär der Regierungspartei will abtreten

Hossam Badrawi, Generalsekretär der ägyptischen Regierungspartei NDP, will zurücktreten. Dies melden ihm nahestehende Quellen. Badrawi hatte den Posten erst vor wenigen Tagen übernommen.

16:25 – Schiesserei zwischen Polizei und Demonstranten

Sicherheitskräfte haben in der Provinzhauptstadt Al-Arisch auf dem nördlichen Sinai einen Demonstranten erschossen. Eine aufgebrachte Menge hätte eine Polizeiwache stürmen wollen, berichteten Augenzeugen. Das Opfer sei von Scharfschützen erschossen worden, die auf Dächern postiert waren.

Gemäss dem ägyptischen Fernsehen hat das Präsidialamt eine wichtige und dringende Erklärung angekündigt, wie Reuters berichtet. Nähere Details sollen folgen.

15:40 Demonstranten in Suez umzingeln Regierungsgebäude

Zehntausende habe beim Hafen von Suez zehn Regierungsgebäude umzingelt. Sie haben angekündigt, erst abzuziehen, wenn Mubarak zurücktritt. Dies berichtet Al Jazeera mit Bezug auf Al Ahram, der grössten staatseigenen Zeitung.

14.27 – Internationale Kritik wieder intensiviert

«Mubarak ist Geschichte, Mubarak muss zurücktreten», sagt der dänische Ministerpräsident Lars Lökke Rasmussen. Erstmals hat somit ein EU-Regierungschef Mubarak zum Rücktritt aufgefordert. Er wirft ihm vor, mit seiner Rede im Staatsfernsehen einen «Riesenfehler» gemacht zu haben. Kritik äussern auch der britische Aussenminister und die Premierministerin Australiens.

14:10 – Mubarak hat Kairo verlassen

Ranghohe westliche Diplomaten haben gegenüber BBC bestätigt, dass Mubarak Kairo verlassen hat. Die Demonstranten halten den Druck aufrecht. Nähere Details hier.

14:00 Demonstrationen nicht nur in Kairo

Auch in den Städten Mahala, Tanta, Alexandria, Ismailia und Suez befinden sich tausende Demonstranten auf der Strasse.

13:40 Hunderttausende strömen weiter nach Kairo

Zwar steht weiter der Tahrir-Platz im Zentrum der Proteste, aber immer mehr Menschen begeben sich auch zum Informationsministerium und zum Präsidentenpalast. Noch hält sich das Militär zurück und ist kaum sichtbar.

13:30 Neue Gerüchte über Verbleib Mubaraks

Nach einem Bericht des arabischen Senders Al-Arabija, soll Mubarak mit seiner Familie die Hauptstadt Kairo verlassen haben. Zuvor hatte es in einem Bericht des Senders geheissen, Mubarak sei mit unbekanntem Ziel aus Ägypten ausgereist.

13:15 Demonstranten strömen zum Tahrir-Platz

Agenturen sprechen von den grössten Anti-Regierungsprotesten, die Ägypten heute vermutlich erleben wird. Schon jetzt ist der Tahrir-Platz scheinbar bis auf den letzten Platz gefüllt. Erstmals erhält der Protest auch eine breitere Basis. Arbeiter und Gewerkschafter sind auf dem Platz. Sie fordern höhere Löhne. Unterdessen weichen viele Protestler auf andere Schauplätze aus. Ein Teil zieht zum Regierungssitz – ein anderer zum staatlichen Fernsehsender.

13:00 Westerwelle: Demokratischer Wechsel jetzt

Unterdessen hat Deutschlands Aussenminister Guido Westerwelle kein Verständnis für den Verbleib des ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak im Amt gezeigt. Er sprach sich für Reformen und einen friedlichen Verlauf der Proteste aus. Der internationalen Gesellschaft ginge es darum, «dass es jetzt einen demokratischen Wandel gibt und nicht irgendwann», so Westerwelle.

12:20 Imam bestärkt Demonstranten in Freitagsgebet

Während des Freitagsgebets hat der örtliche Imam die Leute auf der Strasse aufgefordert, standhaft zu bleiben und auf ihren Forderungen zu bestehen.

11:40 SF-Korrespondent erwartet keine Beruhigung der Lage

Mubarak will einen Abgang in Würde. Doch dies ist laut SF-Korrespondent Pascal Weber kaum mehr möglich, wie er hier berichtet.

10:57 - Armee will Rückkehr zur Normalität

Die Armee hat die «Rückkehr zur Normalität» gefordert und vor der Gefährdung der Sicherheit im Land gewarnt. Die Streitkräfte wollen die Umsetzung der von Staatschef Hosni Mubarak angekündigten Reformen garantieren, wie sie im Staatsfernsehen verkündeten.

09:26 – Offiziere demonstrieren gegen Mubarak

Der ägyptische Offizier Ahmed Ali Shouman steht neu auf der Seite der Regimegegner: Bereits vor der mit Spannung erwarteten offiziellen Mitteilung der Armee, sagte Shouman gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, er wisse von 15 weiteren Offizieren, die wie er auf der Strasse demonstrieren würden. «Der Schulterschluss des Militärs mit dem Volk hat begonnen», so Shouman weiter.

07:50 – Armee-Erklärung mit Spannung erwartet

Das ägyptische Militär hat einem Fernsehbericht zufolge eine «wichtige Erklärung» angekündigt. Der Hohe Rat der Streitkräfte werde sich «in Kürze» mit einer Mitteilung an die Bevölkerung wenden, berichtete der Sender Al-Arabija. Weitere Einzelheiten wurden nicht genannt. Gemäss Nahost-Experte Arnold Hottinger könnte diese Erklärung das «Communique 2» sein. Dies sei ein militärischer Code und bedeute den «Machtübergang durch die Armee», wie er gegenüber «10vor10» erklärte.

05:00 – 20 Millionen Demonstranten

Die frustrierten Regimegegner in Ägypten haben während der ganzen Nacht zu tausenden weiter demonstriert. In Kairo verharrten Zehntausende auf dem Tahrir-Platz, tausende standen vor dem Präsidentenpalast und vor dem Gebäude des staatlichen Rundfunks.

Die Mubarak-Gegner hoffen aufgrund der neuerlichen Rücktritts-Verweigerung des Präsidenten, dass heute bis zu 20 Millionen Protest-Teilnehmer im ganzen Land aufmarschieren.

03:00 – Obama fordert «Klarheit»

US-Präsident Barack Obama nennt die bisherigen Massnahmen der ägyptischen Machthaber unzureichend. Es müsse «Klarheit» über eingeleitete und geplante Schritte zur Demokratie herrschen.

02:30 – Aufruf zu neuem Millionen-Marsch

Für Freitag werden erneut hunderttausende Demonstranten erwartet. Die Oppositionsgruppen haben zu einem neuen «Marsch der Millionen» aufgerufen.

02:00 – Tausende protestieren auch in Alexandria

TV-Bilder zeigen, dass auch in Alexandria wieder tausende Menschen gegen Mubarak und sein Regime demonstrieren. Wie in Kairo ist auch hier die Wut und Enttäuschung über Mubaraks TV-Rede gross.

23:45 – El Baradei warnt vor «Explosion»

Der Friedensnobelpreis-Träger Mohamed El Baradei warnt über Twitter: «Ägypten wird explodieren. Die Armee muss das Land jetzt retten.»

23:30 – Demonstranten ziehen zum TV-Gebäude

Laut Augenzeugen marschieren mehrere tausend wütende Demonstranten vom Tahrir-Platz zum Fernseh-Gebäude. Die Einrichtungen des staatlichen TV werden von der Armee abgeschirmt.

Es soll in der Menge auch Aufrufe geben, unmittelbar vor dem Präsidentenpalast zu demonstrieren. Auch dort ist das Militär mit einem Grossaufgebot präsent.

22:47 – Es bleibt vorerst friedlich

Momentan sieht es danach aus, als ob es in Kairo ruhig bleiben würde. Die Proteste flauen etwas ab, auch wenn immer noch viele Menschen ihrem Unmut Luft machen. Auf dem Tahrir-Platz harren jedoch weiterhin tausende Demonstranten aus.

Wie es wirklich um das Land bestellt ist, wird man vermutlich erst morgen nach den Freitagsgebeten sehen.

22:40 – Vize Omar Suleiman hält eine Rede zur Nation

Omar Suleiman appelliert an das Volk, wieder nach Hause und zur Arbeit zu gehen, sich nicht von ausländischen TV-Stationen aufwiegeln zu lassen und einen zivilisierten Dialog zu führen. Zugleich warnte er vor Chaos - vor allem vor Chaos, das von aussen geschürt wird.

22:30 – Die Verärgerung macht sich Luft

Zahlreiche Demonstranten verlassen den Tahrir-Platz. Ein Teil von ihnen soll sich auf den Weg zum Staatlichen Fernsehsender gemacht haben – der andere Teil soll zum Präsidentenpalast marschieren. Bleibt es friedlich oder wird die Lage eskalieren?

22:20 – Stimmung am Brodeln

Die Stimmung auf dem Tahrir-Platz droht umzuschlagen. Von dem Freudenfest und der friedlichen Stimmung ist nichts mehr zu spüren. Rund 600 Demonstranten sollen sich laut CNN unterdessen auf den Weg zum Präsidentenpalast gemacht haben, um dort gegen den Präsidenten zu demonstrieren.

22:12 – Verwirrung über Mubaraks Rede

Mubarak hinterlässt nach seiner Rede Verwirrung. Einerseits verbittet er sich jegliche Einmischung von aussen und denkt gar nicht daran, zurückzutreten – andererseits hat er angekündigt, die Amtsgeschäfte an seinen Vize Omar Suleiman zu übertragen.

Auf dem Tahrir-Platz quittieren die Demonstranten die Rede mit wütenden Sprechchören. Viele scheinen enttäuscht und geschockt, dass ihr Präsident offenbar jeglichen Bezug zur Realität verloren hat.

22:00 – Die Rede Mubaraks

Mubarak kündigt an, einen Verfassungsartikel zu annullieren.

Unterdessen werden Sprechchöre auf dem Tahrir-Platz laut. Sie scheinen mit dem, was ihr Präsident sagt, nicht einverstanden zu sein. Momentan scheint es mehr als fraglich, ob sich die Demonstranten, weiterhin so ruhig verhalten werden, denn viele haben wohl von Mubaraks Ansprache tiefgreifendere Veränderungen erwartet.

21:55 – Die Rede Mubaraks

Mubarak appelliert an seine Landsleute, gemeinsam die Krise zu überwinden. Das könne nur auf friedlichem Wege und in geordneten Bahnen passieren.

21:50 – Die Rede Mubaraks

Mubarak wendet sich an sein Volk und entschuldigt sich für die Opfer, die es in den letzten Tagen und Wochen gegeben hat. «Ihr Blut ist nicht umsonst geflossen», verspricht er. Zudem verwahrt sich Mubarak gegen jede Einmischung von aussen. Er kündigt an, für keine weitere Amtszeit zu kandidieren.

(agenturen/red/fref/hesa/fasc/halp)