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International

Sozialer Sprengstoff: Steigende Lebensmittelpreise

Donnerstag, 6. Januar 2011, 21:35 Uhr

Lebensmittelpreise sind so teuer wie seit 1990 nicht mehr. Die steigenden Preise bergen Zündstoff für gewaltsame Proteste. In Algerien beispielsweise sind heute Jugendliche und Polizei aneinander geraten, weil Weizen, Milch und Zucker innerhalb weniger Tage um ein Vielfaches gestiegen sind.

Aus Protest haben algerische Jugendliche mit Steinen, brennenden Abfalleimern und Reifen nach Polizisten geworfen. Die Gewaltausbrüche sind auf die steigenden Lebensmittelpreise und chronische Arbeitslosigkeit zurückzuführen. Die Bevölkerung ist frustriert, dass die ergiebigen Öl- und Gasvorkommen nicht flächendeckend zu mehr Wohlstand geführt haben.

Unruhen in Algerien (unkommentiert)

Die Polizei ging mit Tränengas gegen die Demonstranten vor. Auf beiden Seiten gab es Verletzte.

Spannungen in ärmeren Ländern

Die Preisentwicklung der Lebensmittel steht inzwischen ganz oben auf der Agenda vieler Regierungen weltweit, weil sie Sorgen um gewaltsame Proteste und Ausfuhrverbote weckt. Zudem sei zu befürchten, dass Spekulanten die Situation ausnutzen könnten. Diese könnten die Preise weiter in die Höhe treiben.

«Die Preissteigerungen bei Lebensmitteln treffen die Ärmsten am härtesten, weil sie einen grösseren Anteil ihres Einkommens dafür aufwenden müssen», sagte der Geschäftsführer der Weltbank-Tochter Miga, James Bond. «Dadurch entstehen bedeutende Spannungen in ärmeren Ländern, wachsende Unterschiede beim Lebensstandard sind Quelle für soziale Unruhen.»

Höhere Preise als 2008

Die UNO-Ernährungsorganisation FAO hat bekanntgegeben, dass die Lebensmittelpreise weltweit auf einen Höchststand geklettert sind. Sie würden sogar die Preise von 2008 übersteigen. Vor drei Jahren hatte eine ähnlich dramatische Entwicklung zu Unruhen etwa in Haiti, Ägypten und Kamerun geführt.

Forderungen nach einer stärkeren Regulierung der Agrarmärkte wurden daraufhin geweckt. Bislang hat die internationale Gemeinschaft jedoch noch kein nachhaltiges Rezept gefunden.

Bild Weizenären vor blauem Hintergrund.
Weizen ist die treibende Kraft hinter dem Preisanstieg keystone

2008 kam der massive Preisauftrieb bei den Nahrungsmitteln jedoch zu einem abrupten Ende - und zwar im September - als die weltweite Finanzkrise mit dem Insolvenzantrag der US-Investmentbank Lehman Brothers ihren Höhepunkt erreichte und das Geld aus den Märkten gesogen wurde.

Wetter als Preistreiber

Dieses Mal rechnet jedoch niemand damit, dass die Preise so schnell wieder zurückgehen. Experten gehen davon aus, dass die Steigung der Lebensmittelpreise insbesondere auf Wetter-Phänomene zurückzuführen ist: Überschwemmungen in Australien, Dürre in Argentinien, Waldbrände in Russland sind nur einige Beispiele dafür.

Die Gefahr bestehe darin, dass die Länder auf entsprechende Entwicklungen etwa mit Ausfuhrverboten reagieren könnten, sagte Maximo Torero vom International Food Policy Research Institute (IFPRI). Russland hatte nach den schweren Waldbränden im vergangenen Jahr etwa die Weizenausfuhr vorübergehend gestoppt.

«Haushalte müssen kreativ sein»

Ausserdem würden Finanzmarktinvestoren auf den Plan gerufen, die die Preise mit kurzfristigen Investitionen weiter in die Höhe treiben könnten. Unruhen würden unter anderem die Treibstoffe in die Höhe treiben, sagte Torero weiter. Auch Panikkäufe seien nicht ausgeschlossen.

Ein Patentrezept für die Eindämmung der Inflation bei den Lebensmittelpreisen ist noch nicht gefunden. Derweil müssen andere Lösungen gefunden werden. Der indonesische Präsident Susilo Yudhoyono Bambang empfahl seinen Landsleuten, ihr Gemüse künftig selbst anzubauen. «Die Haushalte müssen einfach kreativ sein», erklärte er in einer Kabinettssitzung.

(sda/ap/zinv)

Kommentare aktiv...

F. Frei, Buriram
(thaifritz Mann)
Verfasst am: 7.1.2011 1:38

Lebensmittel sind viel zu billig

Wenn es anständige Lebensmittelpreise gäbe,... mehr

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H. Bernoulli, Zürich
(hbernoulli Mann)
Verfasst am: 7.1.2011 0:51

Geld kann in beliebigen Mengen geschöpft werden

doch davon wird halt niemand satt. Schlimmer: das... mehr

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