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Weiterhin billiges Geld für Schweizer Wirtschaft

Donnerstag, 16. Dezember 2010, 9:36 Uhr, Aktualisiert 13:20 Uhr

Das Zinsniveau in der Schweiz bleibt tief: Die Schweizerische Nationalbank (SNB) strebt immer noch einen Leitzins von rekordtiefen 0,25 Prozent an. Damit wird die Schweizer Wirtschaft weiterhin grosszügig mit billigem Geld versorgt. Die Ökonomen reagieren wenig überrascht.

Bild Ein Haufen voller Schweizer Geldnoten.
Damit die Wirtschaft weiter wächst, wird sie mit billigem Geld versorgt. colourbox

Der für die Geldpolitik massgebliche Dreimonats-Libor soll wie schon seit März 2009 im Zielband von 0 bis 0,75 Prozent gehalten werden, wie die SNB bekannt gab. Beim Dreimonats-Libor handelt es sich um einen Marktzins, den die Nationalbank nur indirekt steuern kann. Er lag am Donnerstag bei 0,17 Prozent; die SNB strebt einen Wert von 0,25 Prozent an.

Deflationsgefahr ist gesunken

Ihre Politik des billigen Geldes gefährdet gemäss der Nationalbank in nächster Zeit auch nicht die Preisstabilität: In diesem Jahr rechnet sie weiterhin mit einer Teuerungsrate von 0,7 Prozent.

Die Inflationsprognose für das kommende Jahr hob sie leicht von 0,3 auf 0,4 Prozent an, die Schätzung für 2012 lautet neu 1,0 Prozent (vorher: 1,2 Prozent). Damit bleiben die Raten unter der Marke von 2 Prozent, die als Grenze für die Preisstabilität gilt. Langfristig könne sich die SNB eine derart expansive Geldpolitik aber nicht erlauben, heisst es in der Mitteilung.

SNB-Präsident Philipp Hildebrand rechtfertigt den Entscheid der Nationalbank

Sollte trotz der tiefen Zinsen eine Deflation drohen, also anhaltend sinkende Preise, will die SNB die «notwendigen Massnahmen» ergreifen. Die Deflationsgefahr sei aber inzwischen tiefer als zu Jahresbeginn, erklärte SNB-Präsident Philipp Hildebrand vor den Medien in Zürich.

Sorgen um die Euro-Zone

Die Nationalbank schätzt die Entwicklung der Schweizer Wirtschaft diesen Herbst als robust ein. Das Wachstum werde sich in den kommenden Quartalen aber wohl deutlich abschwächen, insbesondere weil die Unternehmen weniger exportieren könnten.

Die Probleme in der Euro-Zone gefährden auch die Schweizer Konjunktur: Falls sich die Wirtschaftsentwicklung in den Ländern mit der Euro-Währung verschlechtern sollte, hätte dies auch negative Auswirkungen auf die Schweizer Wirtschaft, betonte die SNB.

Die Ökonomen der Nationalbank rechnen wie bereits im September mit einem Wachstum des Bruttoinlandprodukts in diesem Jahr von rund 2,5 Prozent. Die Prognose für das kommende Jahr lautet rund 1,5 Prozent.

Entscheid hat niemanden überrascht

Der Zinsentscheid und die Aussagen zur Lage am Devisenmarkt seien praktisch ein «Non-Event» gewesen, meinte ZKB-Ökonom David Marmet. Aus Makrosicht sei eigentlich alles wie erwartet ausgefallen. Am ehesten hätten ihn noch die Aussagen der SNB zur Bankenüberwachung bzw. die Tatsache, dass die SNB für sich mehr Entscheidungskompetenzen in der Regulierung fordert, überrascht.

Auch Sarasin-Ökonom Alessandro Bee hat den Zinsentscheid in dieser Form erwartet. Die grösste Überraschung für ihn sei, wie vorsichtig die SNB bezüglich Konjunktur sei, namentlich in Europa. Aufgrund der Tatsache, dass etwa Deutschland als Wachstumslokomotive für die Schweiz und Europa so gut dastehe, sieht er erhöhtes Risiken für die BIP-Prognosen.

Und wann steigt der Zins?

Wie erwartet, habe die SNB ihre Geldpolitik unverändert belassen, meinen etwa auch CS-Ökonom Fabian Heller oder VP-Bank-Chefökonom Jörg Zeuner.

Interessanter ist deshalb viel mehr, wann die SNB ihre geldpolitischen Zügel etwas anziehen wird, bzw. wann sie im laufenden Zyklus erstmals die Zinsen wieder erhöhen wird. Aus heutiger Sicht dürfte dies laut den meisten Ökonomen frühestens Mitte 2011 der Fall sein. In Anbetracht der Frankenaufwertung, des nur sehr schwachen Inflationsdruckes und der vorsichtigen Konjunktureinschätzung der SNB dürften die Zinsen bis Mitte nächstes Jahr unverändert bleiben, meint der CS-Mann Heller. Er betont aber, dass die Wahrscheinlichkeit für eine unveränderte Geldpolitik über dieses Datum hinaus nach der heutigen SNB-Sitzung gestiegen sei.

Ähnlich sieht das Marmet von der ZKB, der weiterhin den Juni 2011 als wahrscheinlichsten, aber frühesten Zeitpunkt für einen Zinsschritt der SNB sieht. Er meint aber auch, dass die SNB nach den heutigen Ausführungen eher länger an ihrer expansiven Politik festhalten werde.

Gar erst Ende 2011 sieht Sarasin-Ökonom Bee einen Zinsschritt, und zwar einen solchen um 50 Basispunkte. Er glaubt, dass der Franken noch längere Zeit zur Stärke neigen wird und etwa gegenüber dem Euro die meiste Zeit des nächsten Jahres unter 1,30 notieren wird. Erst gegen Ende 2011 sei mit einer Beruhigung an der Devisenfront zu rechnen, was der SNB dann die Chancen für eine Zinserhöhung gebe.

Keine Zinserhöhung gegen Immo-Blase

Erste Zinsschritte würden nach den heutigen Ausführungen noch länger auf sich warten lassen, womöglich gar bis 2012, glaubt Zeuner von der VP Bank. In Anbetracht der nachlassenden Wachstumsdynamik wäre eine Straffung derzeit nicht sinnvoll. Im Bestreben jedenfalls, eine weitere Frankenaufwertung gegenüber einem schwachen und volatilen Euro möglichst zu verhindern, wären höhere Zinsen äusserst kontraproduktiv.

Einschätzungen von Daniel Hanimann, Wirtschaftsredaktor SF

Eine Immobilienblase – vor der die SNB in letzter Zeit immer wieder gewarnt hat – sieht er derzeit nicht. Und eine solche sollte seiner Ansicht nach ohnehin mit regulatorischen Massnahmen bekämpft werden.

(sda/frua/godc/from)

Kommentare aktiv...

H. Bernoulli, Zürich
(hbernoulli Mann)
Verfasst am: 16.12.2010 22:04

Niemand würde wohl auf die Idee kommen,

ein Fahrzeug herzustellen, welches sich nur... mehr

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N. Binsberger, St. Gallen
(NBinsberger Frau)
Verfasst am: 16.12.2010 21:45

"anhaltend sinkende Preise"

Diese Gefahr besteht ganz bestimmt nicht -... mehr

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H. Bernoulli, Zürich
(hbernoulli Mann)
Verfasst am: 16.12.2010 21:33

Ob expansive oder restriktivere Geldmengenpolitik

beides ist falsch und richtig zugleich bzw.... mehr

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