Schweiz
Verkehrsunfälle: «Die Dunkelziffer bei Medikamenten und Drogen ist hoch»
Drogen oder Medikamente spielen eine Rolle bei rund 14 bis 17 Prozent aller Verkehrsunfälle mit Toten und Verletzten. So die Resultate einer Studie des Weltverkehrsforums, einer Denkfabrik der OECD. Drogenmissbrauch und Medikamentenkonsum verursachen demnach teilweise mehr Verkehrsunfälle als Alkohol. «Hierzulande ist der Alkohol nach wie vor Spitzenreiter», erklärt Thomas Rohrbach, Mediensprecher beim Bundesamt für Strassen (Astra) auf Anfrage von «tagesschau.sf.tv» .
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Die Untersuchung mit dem Titel «Drugs and Driving: Detection and Deterrence» basiert auf Daten aus Verkehrskontrollen, Feldstudien sowie Fragebögen. Die Untersuchung fördert beunruhigende Fakten bezüglich Drogen und Medikamente im Strassenverkehr zu Tage.
So geht aus der Studie hervor, dass in den USA die Anzahl der Autofahrer unter Drogeneinfluss der Anzahl der alkoholisierten Fahrer entspricht oder gar übertrifft. Von mehr als 500 befragten High-School-Schülern in Kanada gaben ausserdem 19,7 Prozent zu, weniger als eine Stunde nach dem Konsum von Cannabis Auto gefahren zu sein.
Sinkende Unfallzahlen
Gemäss der Studie sind Cannabis und Benzodiapine - wie beispielsweise das starke Beruhigungsmittel Rohypnol - bei tödlichen Verkehrsunfällen die häufigsten gefundenen Substanzen.
In der Schweiz präsentiert sich die Situation anders. «Allgemein verzeichnen wir einen Rückgang der Verkehrsunfälle sowohl unter Drogen- als auch unter Alkoholeinfluss», sagt Mediensprecher Rohrbach. Dies hänge mit der Einführung des Alkohol-Grenzwerts von 0,5 Promille zusammen, der seit dem 1. Januar 2005 in Kraft sei, so Rohrbach. Gleichzeitig trat eine weitere Regelung in Kraft: Seit diesem Zeitpunkt kann die Polizei ohne Verdachtsmomente zum Blas-Test auffordern.
«Hinzu kommt die öffentliche Debatte rund um die Promillegrenze. All dies führte dazu, dass seither die Unfälle, bei denen Alkohol im Spiel war, abgenommen haben», fügt Rohrbach an. Auch die Unfälle unter Drogeneinfluss seien rückläufig, so Rohrbach weiter. Das belegen auch die Zahlen des Bundesamts für Statistik.
Hohe Dunkelziffer
Demnach machten im Jahr 2009 Unfälle, die im Zusammenhang mit Medikamenten und Drogen stehen, 17 Prozent aus, im Vergleich zu Vorfällen, die auf reinen Alkoholeinfluss zurückzuführen waren. Alkohol ist damit Spitzenreiter bei den Unfallursachen in der Schweiz. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 18‘312 Verkehrsunfälle registriert.
«Bei den Drogen und Medikamenten ist die Dunkelziffer aber hoch», erklärt Rohrbach. Diese Aussage stützt auch die OECD-Studie: Im Gegensatze zum Alkohol verbergen sich hinter dem Begriff «Drogen» viele unterschiedliche Substanzen. Die Studie hält fest, dass es daher schwierig sei, für «Drogen» eine einheitliche Kenngrösse wie beim Alkohol festzusetzen. «Verschiedene Drogen und Medikamente haben unterschiedliche Wirkungen auf den Körper», erklärt Jack Short, Generalsekretär des Weltverkehrsforums, bei der Vorstellung des Berichts.
«Drogen und Medikamente nachzuweisen ist teuer», sagt Marco Cortesi, Medien-Chef der Stadtpolizei Zürich, zu «tagesschau.sf.tv». «Gegen Drogen am Steuer setzen wir im Rahmen von Verkehrskontrollen immer wieder Schwerpunkte. Wir richten dann ein spezielles Augenmerk auf Alkohol und Drogen. Das heisst, dass neben den üblichen kriminalpolizeilichen und verkehrstechnischen Kontrollen, bei Verdacht auf Drogenkonsum ein spezieller Test angeordnet wird», so Cortesi. Dies sei vor allem der Fall, wenn sich Personen auffällig verhalten. Bei Drogen und Medikamenten gebe es keinen Grenzwert. Da gelte die Null-Toleranz.
Rasche Analyse-Resultate
«Bei einem Drogentest wird mit einem Wattebausch ein Abstrich von der Wangenschleimhaut genommen. Dieser Abstrich wird dann mit einem Drogen-Schnelltest-Gerät analysiert», erklärt Cortesi. Das Gerät zeige bereits innerhalb weniger Minuten an, ob und welche Drogen konsumiert wurden. Mit dem Schnelltest können die meisten Drogen nachgewiesen werden.
«Verläuft der Drogentest positiv, sind weitere Abklärungen nötig. In diesem Fall kommt das Institut für Rechtsmedizin zum Zug. Dort werden ― je nach Fall ― Blut-, Urin- oder Haartests durchgeführt. Hinzu kommen polizeiliche Befragungen», fügt Cortesi an. Auch bei einem negativen Ergebnis kann die Polizei weitere Massnahmen anordnen, wenn sich die kontrollierte Person auffällig benimmt oder ein Verdacht aus anderen Gründen weiter besteht. Damit wird auch klar, warum die Abklärungen aufwändig und teuer sind.
Damit die Polizisten Drogenmissbrauch rasch erkennen, werde das Personal regelmässig geschult, so Cortesi. «Wir begrüssen diese Schulungen», sagt Astra-Sprecher Rohrbach. «Hier besteht auch eine enge Zusammenarbeit zwischen uns und den schweizerischen Polizeikorps», so Rohrbach.
Effektivere Massnahmen gefordert
Die Autoren der OECD-Studie empfehlen der Politik unter anderem die Einführung eines internationalen Abkommens über die wichtigsten gefährlichen Substanzen im Strassenverkehr. Zudem schlägt die Studie vor, eine deutliche Kennzeichnung für Stoffe zu schaffen, welche die Fahrtauglichkeit mindern können. Die Autoren empfehlen weiter, die Verkehrssicherheit in den Vordergrund zu stellen und nicht die Strafverfolgung von Drogendelikten.
Die Problematik des Drogenmissbrauchs hinter dem Steuer haben mittlerweile viele Staaten erkannt. So fördert die EU derzeit das Projekt DRUID («Driving under the Influence of Drugs, Alcohol and Medicines»). In den USA plant die National Highway Traffic Safety Administration ebenfalls eine umfassende Studie über die Risiken von Drogen und Medikamenten am Steuer. Beide Projekte sollen zu effektiveren Massnahmen bei der Vorbeugung und Bekämpfung von Drogenmissbrauch im Strassenverkehr beitragen.
«In der Schweiz ist man, sich der Problematik der Drogen im Verkehr durchaus bewusst. Da es aber nach wie vor mehr Unfälle gibt, die mit Alkohol im Zusammenhang stehen, gelten die Präventionsmassnahmen dem Fahren in angetrunkenem Zustand», erklärt Astra-Sprecher Rohrbach.
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K. Gsell, Geroldswil
)
(KG
Verfasst am: 12.12.2010 19:04
Nur Vermutungen
Wenn ich Dunkelziffer höre, denke ich immer... mehr
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B. Froehlich, Petra / Lesbos
)
(B.Froehlich
Verfasst am: 12.12.2010 14:04
Komische Behauptung
In Deutschland weiss man aus den... mehr
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D. mller
(swiss420 )
Verfasst am: 11.12.2010 11:29
Cannabis erscheint nie alleine.
Es wird immer als Synonym für Drogen im... mehr
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