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Schweizer Film auf Höhenflug

Donnerstag, 9. Dezember 2010, 16:12 Uhr

Die Nuller-Jahre haben das Schweizer Filmschaffen aufblühen lassen. Das letzte Jahr der Dekade bestätigt diesen Trend. Mit rund 700'000 Tickets, die für Schweizer Filme verkauft wurden, schneidet 2010 zudem besser ab als die schwächeren 2008 und 2009.

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Der Marktanteil der Schweizer Filme stieg von 3,5 (2009) auf 5,2 Prozent (2010). Im Vergleich etwa zum Jahr 2000 ist der Unterschied noch eindrücklicher: Damals betrug der Marktanteil des heimischen Schaffens bloss 2,4 Prozent.

Bild Eine Person reinigt die Reihen eines Kinosaals.
In den Schweizer Kinos herrschte keineswegs gähnende Leere. keystone / archiv

Die Nuller-Jahre bedeuteten für den Schweizer Film im Vergleich zu vorangegangenen Dekaden einen «Quantensprung», wie Laurent Steiert, der interimistische Leiter der Sektion Film beim Bundesamt für Kultur (BAK) sagte.

An der Bilanz des Jahres 2010 sei insbesondere der «Erfolg in der Breite» erfreulich. Neben dem Kassenschlager «Sennentuntschi» (über 140'000 Eintritte bis Anfang Dezember) lockten mindestens 17 weitere Schweizer Filme mehr als 10'000 Zuschauer in die Kinos. Ausgezeichnet behaupteten sich einmal mehr die Dokumentarfilme.

Die bisher erfolgreichsten Schweizer Filme 2010

Noch ist das Jahr 2010 nicht vorbei; insbesondere «Länger leben» und «Liebling, lass uns scheiden» könnten in der Schlussbilanz in die Top Ten der erfolgreichsten Schweizer Filme aufrücken. Bis Ende November präsentierte sich die Rangliste laut Procinema wie folgt:

Titel Autor Anzahl Eintritte
«Sennentuntschi» (Thriller) Michael Steiner 116'000
«Der grosse Kater» (Drama) Wolfgang Panzer 54'100
«Giulias Verschwinden» (Komödie) Christoph Schaub 47'400
«Champions» (Komödie) Riccardo Signorell 43'800
«Cleveland vs. Wall Street» (Dok) Jean-Stéphane Bron 25'600
«Die Frau mit den 5 Elefanten» (Dok) Vadim Jendreyko 21'900
«Guru - Bhagwan, his Secretary & his Bodyguard» (Dok) Sabine Gisiger / Beat Häner 21'800
«Bödälä - Dance the Rhythm» (Dok) Gita Gsell 21'200
«Romans d'Ados 1234» (Dok) Béatrice Bakhti 20'100
«Wetterschmöker» (Dok) Thomas Horat 18'500

2010 kam die Rekordzahl von 82 neuen Schweizer Filmen auf den Markt. Mittlerweile stehen die Zeichen in der Branche allerdings auf Konsolidierung, was die heftigen Verteilkämpfe erklärt. Bis im kommenden Sommer sollen die neuen Filmförderungskonzepte des Bundes für die Jahre 2012 bis 2015 erarbeitet werden.

Konfliktträchtige Entscheide

Vor einem schwierigen Start in die neue Dekade stehen viele Kinobetreiber. Der interimistische Filmchef des Bundes, Steiert, spricht von einer eigentlichen «Schliessungswelle», die das Land erfasst habe. Vor allem der rentable Betrieb von Kinos mit nur einem Saal ist durch die steigende Anzahl von Filmen schwieriger geworden.

Dem Trend sei schwer beizukommen: «Wir können keine Kinos retten», sagt Steiert und verweist auf die beschränkten Mittel seiner Abteilung. Zumindest sollen kleinere und mittelgrosse Kinos bei der Digitalisierung Unterstützung erhalten. Die entsprechenden Vorschläge werden derzeit ausgearbeitet.

Die erfolgreichsten ausländischen Filme in der Schweiz

Bei den erfolgreichsten Filmen aus dem Ausland dominierten 2010 noch deutlicher als in anderen Jahren die Produktionen aus Hollywood. Anbei die Top Ten an den Schweizer Kinokassen bis Ende November (ohne «Harry Potter & The Deathly Hallows»):

Titel Autor Anzahl Eintritte
«Avatar» (Fantasy) James Cameron 827'000
«Inception» (Action) Christopher Nolan 437'000
«Alice in Wonderland» (Fantasy) Tim Burton 388'000
«The Twilight Saga: Ecplipse» (Fantasy) David Slade 297'000
«Shrek Forever After» (Animation) Mike Mitchell 282'000
«Despicable Me» (Animation) Pierre Coffin / Chris Renaud 281'000
«Sex and the City 2» (Komödie) Michael Patrick King 277'000
«Sherlock Holmes» (Krimi) Rachel Goldenberg 272'000
«Robin Hood» (Drama) Ridley Scott 258'000
«Shutter Island» (Action) Martin Scorsese 249'000

Im Januar will das BAK an den Solothurner Filmtagen die Entscheide zur Aufteilung der Bundesgelder zwischen den Filmfestivals bekanntgeben, was heftige, auch regionalpolitisch gefärbte Debatten auslösen dürfte.

Das aufstrebende Zurich Film Festival dürstet nach mehr Mitteln, gleichzeitig wollen traditionsreichere Veranstaltungen in der Westschweiz und im Tessin, namentlich das «Festival del film Locarno», ihre Position behaupten.

Kein Füllhorn für den Filmchef

Für den wachsenden Erfolg des Schweizer Films in den Nuller-Jahren waren der 2001 erhöhte Filmkredit des Bundes sowie gestiegene Subventionen mehrerer Kantone und Stiftungen massgeblich verantwortlich. Eine ganze, junge Generation von Filmschaffenden konnte sich seither in der Branche etablieren.

In absehbarer Zukunft wird das BAK in der Filmpolitik kaum mit Grosszügigkeit punkten können. Nichtsdestotrotz haben sich fast 50 Personen auf das Amt des Leiters der BAK-Sektion Film beworben. Wer die Nachfolge des in der Branche umstrittenen Filmchefs Nicolas Bideau antritt, soll Anfang Frühling mitgeteilt werden.

Dass sich als mutmasslicher Kassenschlager 2011 ein Horrorfilm ankündigt, braucht man nicht als böses Omen zu lesen. Das blutige Gemetzel, das Melanie Winiger in dem 3D-Film «One Way Trip» wohl veranstalten wird, könnte die Filmbranche nächstes Jahr aufmuntern.

(sda/horm)

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