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Schweiz

Maturanden sollen in die Berufslehre

Mittwoch, 24. November 2010, 14:30 Uhr

Die Berufslehre ist weitgehend eine Schweizer Erfindung. Und sie ist noch immer die beliebteste Variante für Schulabgänger. Dennoch zeigen sich diverse Probleme – denn immer mehr Schüler wählen eine akademische Laufbahn. Avenir Suisse will diesen Lauf stoppen und schlägt etwa vor, Maturanden in die Lehre zu schicken – ihre Berufsschule wäre dann die Fachhochschule.

Die Schweizer Berufslehre sei ein Erfolg, heisst es in der Publikation von Avenir Suisse. Dieser lasse sich an der tiefen Schweizer Jugendarbeitslosigkeit ablesen. Einem Angebot an 90'000 Lehrstellen seien im August 2010 gut 80'000 Schulabgänger gegenübergestanden. «Lehrstellen sind nicht mehr knapp, die Berufseinsteiger verfügen über eine Auswahl».

Bild Schreiner-Lehrling bei der Arbeit.
Maturanden als Lehrlinge: Avenir Suisse sieht hier die Lösung zur Rettung der Berufslehre. keystone

Jedoch vor allem im Dienstleistungsbereich gebe es Potenzial. Bislang fallen vor allem das «KV» und die Verkaufsberufe in diese Kategorie. Avenir Suisse wünscht sich, dass innovative und wachsende Dienstleistungsbranchen wie Beratung, ITC oder Gesundheit vermehrt Lehrstellen anbieten. Da das Modell der Berufslehre im Ausland praktisch gar nicht bekannt sei, sei es ausserdem schwierig, ausländische Firmen als Lehrbetriebe zu gewinnen.

Fachhochschule als Berufsschule

Weiter müsse gemäss Avenir Suisse die Durchlässigkeit aus der beruflichen Grundbildung in die höhere Bildung verbessert werden. Die Berufsmatura stosse in einem stark von Kosten-Nutzen-Überlegungen geprägten System an Grenzen.

Die Berufsmaturität wurde 1994 eingeführt und erlebte zunächst einen Boom. Tatsächlich ist die Quote hier seit einigen Jahren aber konstant. In einigen Fachrichtungen rekrutieren die Fachhochschulen ihre Studierenden zur Mehrheit aus den Gymnasien.

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Berufsmaturitätsquote Seit der Einführung der Berufsmatura im Jahr 1994 ist die Quote zunächst stetig gestiegen - in den letzten Jahren hat sie sich jedoch bei rund 13 Prozent eingependelt. Quelle: Bundesamt für Berufsbildung und Technologie

Als Lösung schlägt Avenir Suisse ein duales Prinzip im Hochschulsystem vor. Gymnasiasten sollen nach der Matura mit Firmen Lehrverträge abschliessen. Die Fachhochschulen übernähmen anstelle der Berufsfachschulen den theoretischen Teil der Ausbildung. Dadurch würde die «schleichende Akademisierung» der Fachhochschulen gebremst.

Noch immer wenige Schulabgänger ohne Job

Diese neue Lehre auf Hochschulstufe solle das einjährige Praktikum ersetzen, mit dem Maturanden gegenwärtig Zugang zu Fachhochschulen erhalten. Gleichzeitig müsste die teilweise arbeitsmarktfremde Studienwahl an den Universitäten verbessert werden.

Mehr Maturanden

Der Anteil Maturanden an der Schweizer Gesamtbevölkerung steigt stetig an. Hier geht es zum Artikel.

Trotz aller Massnahmen habe sich bei den Einsteigern in die Berufswelt eine «Warteschlange» gebildet, schreibt Avenir Suisse. Darin befänden sich nicht nur schwächere Schulabgänger. Zudem müssten Lehrabgänger kurzzeitige Arbeitslosigkeit in Kauf nehmen.

(sf/sda/gern)