Wirtschaft
Hörgeräte zu Discount-Preisen
Hörgeräte sind teuer für Konsumenten, aber ein gutes Geschäft für die Hersteller und Akustiker. Und diese wollen noch mehr. Denn nur jeder Fünfte, der ein Hörgerät braucht, besitzt auch eines. Darum möchte die Branche mit Discount-Geräten neue Kunden gewinnen. Sonova zum Beispiel macht entsprechende Tests in den USA, wie Recherchen von «ECO» zeigen.
Im sonnigen Rentnerparadies Florida lanciert Weltmarktführer Sonova (Phonak) zwei Hörgeräte für umgerechnet 1000 Franken. Das Produkt wird am Hauptsitz im zürcherischen Stäfa produziert und liegt weit unter dem Preis eines Hörgerätes auf dem Schweizer Markt.
Die Hörhilfe unter dem Namen «Seven» ist eine Art «Lesebrille fürs Ohr» und soll neue Käuferschichten erschliessen. Das Gerät kann sofort getragen werden, ohne dass es ein Akustiker einstellen muss.
Valentin Chapero, CEO von Sonova, zur Discount-Strategie: «Nur jeder fünfte Mensch, der ein Hörgeräte braucht, erwirbt ein solches. Und wie kommen Sie jetzt an diese Menschen ran? Ein Weg ist, dass man ihnen etwas gibt, was nicht so teuer ist und keiner Anpassung bedarf.» Kein Zufall, dass Sonova das Gerät in Florida testet: Die USA sind gemessen am Umsatz der wichtigste Markt für Sonova.
Discount auch in der Schweiz
In der Schweiz erfolgt die Discount-Offensive nicht durch Sonova, sondern durch eine Akustiker-Kette: Vor zwei Wochen haben die Hörmittelzentralen der Audito Suisse unter dem Namen «Slightcom» ein Hörgerät für 800 Franken pro Paar lanciert. Auch diese Geräte sind voreingestellt und können nach dem Kauf sofort mitgenommen werden. Audito Suisse lässt die Geräte in Dänemark herstellen.
In wenigen Jahren hat sich die Zahl der Akustiker-Geschäfte in der Schweiz auf rund 400 verdoppelt. Doch die Diskussion um die hohen Preise der Hörgeräte und ein drohender Staatseinkauf, um die Kosten zu drücken, lasten schwer auf der Branche. Zudem ermittelt die Wettbewerbskommission wegen Preisabsprachen.
Neue Absatzkanäle
Verschärft hat sich der Konkurrenzkampf in der Schweiz durch einen neuen Anbieter, der seine Produkte in Apotheken verkauft, also unter Umgehung der traditionellen Akustiker. «Sonetik» heisst das Hörgerät ab Stange und kostet 400 Franken pro Stück (800 Franken pro Paar). Es wird in rund 100 Filialen der Amavita-Apotheken angeboten.
Grosser Profiteur der Discount-Offensive ist der Kunde. Mit den neuen Angeboten reduziert sich der Preis für die Hörgeräte teilweise um mehr als die Hälfte. In der Schweiz sind die Hörgeräte zudem oft beträchtlich teurer als im Ausland. So hat «ECO» bereits im Mai 2010 aufgezeigt, dass die Preise der genau gleichen Geräte hierzulande teilweise bis zu zehnmal teurer sind als in Grossbritannien.
(eco/sf/stom)






