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SF DOK auf den Spuren des Liechtensteiner Datendiebs

Donnerstag, 11. November 2010, 16:52 Uhr

Heinrich Kieber entwendete tausende von Kundendaten. Danach verkaufte er sie für viel Geld unter anderem an Deutschland. Für die Finanzminister ist er ein Held, für die Liechtensteiner ein Landesverräter. Aber wer ist Heinrich Kieber wirklich? Die beiden Autoren Sebastian Frommelt und Sigvard Wohlwend haben den Werdegang von Heinrich Kieber minutiös recherchiert und einen spannenden DOK-Film über ihn gedreht.

Der Film beschreibt das ganze Leben des Datendiebs - von seiner schwierigen Kindheit im Kinderheim, über die Ausbildung zum Kaufmann in einer Autovertretung, bis zur späteren Anstellung bei der Swissair. Doch Kieber bleibt nie lange am selben Ort.

Bild Fahndungsfoto von Heinrich Kieber
Fahndungsfoto von Heinrich Kieber sf

Im Laufe des Films wird klar, wie raffiniert Heinrich Kieber immer wieder Menschen manipuliert und betrügt. Es geht um verschiedene Delikte wie Diebstahl Immobilien- und Versicherungsbetrug; er bleibt auch Geld schuldig.

Kleine Entwendungen seit Kindheit

Die beiden Autoren haben mit vielen Menschen gesprochen, die Heinrich Kieber begegnet sind und ihn gut gekannt haben. Sie zitieren auch aus Dokumente. So spricht Kiebers Tante in einem Brief von «kleinen Entwendungen schon seit seiner Kindheit». Die Beträge seien immer grösser geworden. Sie äussert sogar die Vermutung, dass sich Kieber in psychiatrische Behandlung begeben sollte.

Autor Sebastian Frommelt erzählt in der Tagesschau Mittag darüber, wie der Film «Heinrich Kieber - Datendieb» entstanden ist. Er selbst ist mit ihm zur Schule gegangen.

Heinrich Kieber reist um die halbe Welt und zurück nach Liechtenstein. Die Anstellung bei der fürstlichen LGT-Bank ermöglicht ihm den Zugriff auf jene Daten, die ihn schliesslich weltberühmt machen sollten. Mit den Daten versucht er zuerst Fürst Hans-Adam II. von und zu Liechtenstein zu erpressen. Als dies nicht gelingt, verkauft er die Daten an die Deutschen Steuerbehörden.

6,7 Millionen Franken

Mittlerweile hat Kieber gegenüber dem Magazin «Stern» bestätigt, dass ihm allein der Deutsche Bundesnachrichtendienst 6,7 Mio. Franken für die Daten bezahlt habe. Mit Hilfe der Daten wurde unter anderen der Ex-Chef der Deutschen Post, Klaus Zumwinkel, wegen Steuerbetrugs festgenommen und verurteilt.

Bild Der Ex-Chef der Deutschen Post, Klaus Zumwinkel, bei seiner Verhaftung im Februar 2008.
Der ehemalige Chef der Deutschen Post, Klaus Zumwinkel, (m.) bei seiner Verhaftung im Februar 2008. Links sein Anwalt, Hanns Feigen, rechts Staatsanwältin Margrit Lichtinghagen. reuters

Wo sich Heinrich Kieber heute aufhält, ist unklar. Er lebt laut eigenen Aussagen in einem Zeugenschutzprogramm. Gleichzeitig exisitiert ein internationaler Haftbefehl gegen ihn, den Liechtenstein ausgestellt hat.

Verärgerung in Liechtenstein

Der Film hatte in Liechtenstein für Schlagzeilen und rote Köpfe gesorgt. Grund dafür ist die finanzielle Unterstützung mit öffentlichen Geldern. Die Kulturstiftung Liechtenstein hatte die Dokumentation mit 65'000 Franken mitfinanziert.

"Ein Dieb und ein Hehler. Ein Krimineller wird zum Star, vielleicht sogar zum Helden gemacht. Bewilligt von der Kulturstiftung Liechtenstein, bezahlt vom Steuerzahler", ereiferte sich der Parlamentarier Jürgen Beck in einem Zeitungsbeitrag.

Regierungsrätin Aurelia Frick hatte den Beitrag der Kulturstiftung an den Film nach einer parlamentarischen Anfrage bekanntgegeben. Um allfälligen Missverständnissen vorzubeugen, wurde danach via Presseamt rasch präzisiert, dass die Unterstützung weder von der Regierung noch vom Ressort Kultur angeregt oder angeordnet worden sei.

200'000 Franken hat die Produktion des Dokumentarfilms gekostet. Ein Drittel stammt von der Kulturstiftung Liechtenstein, ein Drittel von einer privaten Stiftung, den Rest finanzierten die Filmemacher aus dem eigenen Sack.

(sf/scha)