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Grenzschutz: Griechenland fordert EU-Eingreiftruppe an

Montag, 25. Oktober 2010, 10:21 Uhr, Aktualisiert 14:23 Uhr

Griechenland wird von illegalen Einwanderern aus der Türkei förmlich überrannt. Nun schlägt der Mittelmeerstaat Alarm und fordert von der EU die Entsendung eines Eingreifteams.

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Griechenland habe die Experten des schnellen Eingreifteams der EU-Grenzschutzagentur Frontex angefordert, teilte die EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström am Sonntag mit.

Bild Zwei Menschen durch Zaun blickend
Griechenland ist das neue Einfallstor nach Europa. keystone

Die Grenzschützer sollten Griechenland bei der Überwachung der Landgrenze zur Türkei unterstützen. Die für die EU Aussengrenze zuständige Agentur Frontex überwacht bereits seit fast einem Jahr die Meerengen zwischen Griechenland und der Türkei in der Ostägäis mit Erfolg.

Dort konnte der Flüchtlingsstrom nach Angaben des griechischen Ministeriums für Bürgerschutz stark reduziert werden. Die Frontex hat sich auf die neue Mission vorbereitet: Sie eröffnete im Oktober ein Regionalbüro in der Hafenstadt Piräus.

Schweizer Beteiligung möglich

Die Europäische Union wird Griechenland beim Schutz der Aussengrenze unterstützen. Im Rahmen von Schengen könnte sich die Schweiz am Einsatz beteiligen. Lesen Sie hier mehr dazu.

Neue Hauptroute

Nach der strengeren Überwachung der im Meer verlaufenden Grenze versuchen in den letzten Monaten immer mehr Flüchtlinge - die zumeist aus Afrika oder Afghanistan kommen - auf dem Landweg über die türkisch-griechische Grenze die Europäische Union zu erreichen.

Einschätzungen von Christoph Nufer, Korrespondent SF, Brüssel

Die Situation werde immer besorgniserregender, erklärte Malmström. Griechenland sei offensichtlich nicht fähig, der Lage alleine Herr zu werden. Fast 90 Prozent der illegalen EU-Einwanderer kämen inzwischen über Griechenland. Dies gelte vor allem für den 12,5 Kilometer langen Abschnitt am Grenzfluss Evros in der Nähe der Stadt Orestiada.

Bild Kartenausschnitt
sf

Warnung vor humanitärer Krise

Die EU-Innenkommissarin zeigte sich «sehr besorgt» über die humanitären Bedingungen der Flüchtlinge. Durch den Einsatz der Frontex-Teams solle diese Notlage «so schnell und effektiv» wie möglich unter Kontrolle gebracht werden. Zum ersten Mal nehme ein EU-Land die Eingreiftruppe - die es seit 2007 gibt - in Anspruch.

Die Vereinten Nationen hatten kürzlich angesichts der starken Zunahme der illegalen Einwanderer in Griechenland vor einer humanitären Krise gewarnt. Die Aufnahmelager für Immigranten und Asylsuchende entlang der Grenze zur Türkei seien völlig überfüllt.

Griechenland in der Kritik

Die Flüchtlingsorganisation Pro Asyl hatte Griechenland in Bezug auf den Umgang mit Flüchtlingen der massiven Menschenrechtsverletzung beschuldigt. Flüchtlinge würden systematisch zurückgewiesen und auf dem Landweg über den Grenzfluss in die Türkei zurückgetrieben, kritisierte Pro Asyl in einem Bericht.

Immer wieder würden Menschen ertrinken, wenn sie schwimmend versuchten, das griechische Ufer des Flusses zu erreichen. Ausserdem sind dutzende Flüchtlinge in Minenfeldern der Region des Grenzflusses ums Leben gekommen.

Trotz der deutlichen Verbesserung ihrer Beziehungen haben Athen und Ankara es noch nicht geschafft die meisten der Minenfelder am Grenzfluss Evros (türkisch: Meric) zu beseitigen.

(reuters/sda/muei)