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Teureres Brot wegen Finanzspekulationen?

Gaby Bachofen
Dienstag, 19. Oktober 2010, 12:46 Uhr

Rohstoffpreise befinden sich auf dem Höhenflug. Den Anlegern sind die Aktienmärkte zu unsicher. Viele investieren lieber in Rohstoffe, wie zum Beispiel Weizen, Kaffee oder Kakao und das wiederum zieht auch die Spekulanten an. Preiserhöhungen bei den Endprodukten wie Schokolade, Brot oder Kaffee scheinen auf den ersten Blick unausweichlich.

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Bild Zwei Mähdrescher auf einem Weizenfeld in Russland.
Die Weizenernte wird momentan eingebracht. reuters

Es ist Herbstzeit. Und damit Erntezeit. Das Ergebnis der Ernte wird von den Getreidehändlern nervös beobachtet. Besonders die Weizenernte wird dieses Jahr kleiner ausfallen als die Jahre zuvor. So haben zum Beispiel die Brände in Russland das Angebot verringert.

Wetten auf Preisveränderungen

Doch die Rohstoffpreise werden auch durch die Termingeschäfte an den Börsen in Chicago und London bestimmt. Termingeschäfte bedeuten eine Zusage, Waren zu einem späteren Zeitpunkt zu einem heute festgelegten Preis zu kaufen. Es wird also auf Preisveränderungen spekuliert. Mit effektiven Warenlieferungen hat dies nichts mehr zu tun.

Bild Ein Börsenhändler schreit sein Angebot. Er steht vor einer Börsentafel an der Rohstoffbörse in Chicago.
Spekulanten wetten auf Preisveränderungen. Hier an der Rohstoffbörse in Chicago. reuters

Nicht nur mit dem Agrarrohstoff Weizen wird spekuliert. Auch Kaffee oder Kakao sind beliebte Spekulationsobjekte. Seit April 2010 steigen die Preise für Kaffee stark. Immerhin dürfte die Ernte besser ausfallen als im letzten Jahr.

Coop steht vor Verhandlungen

Derzeit stehen bei Coop keine Preiserhöhungen im grösseren Ausmass an. Bis jetzt konnte Coop gerade auch im überteuerten Kakao-Markt Preiserhöhungen bei der Schokolade erfolgreich abwenden.

Bild Ein Bäcker bringt drei grosse Brote aus dem Ofen.
Kurzfristige Preiserhöhungen beim Brot sind nicht ausgeschlossen. reuters

Doch bei Coop stehen Lieferantenverhandlungen an. Der Detailhändler beobachtet den Rohstoffmarkt genau. Zugunsten der Konkurrenzfähigkeit verzichtet man bei Coop aber im Zweifelsfall lieber einmal darauf, die Preise zu erhöhen. Trotzdem seien Preiserhöhungen nicht auszuschliessen, heisst es.

«Derzeit plant Coop keine Preiserhöhungen im grösseren Ausmass. Preiserhöhungen sind jedoch nicht auszuschliessen.»
Nicolas Schmied, Mediensprecher Coop

Nur ein kurzfristiges Phänomen

Rohstoffpreise verhalten sich in der Regel sehr volatil. Aufgrund von aktuellen Spekulationen gleich auf langfristige Preiserhöhungen zu schliessen, ist zu kurzfristig gedacht, so Prof. Dr. Jan-Egbert Sturm von der Konjunkturforschungsstelle der ETH (KOF).

Auch beim Beratungsunternehmen Wellershoff & Partner Ltd. schätzt man, dass der vermehrte Anbau von Winterweizen und anderen Agrargütern das knappe Angebot erhöht.

Porträtaufnahme von Joachim Klement.
«Langfristig führt die zunehmende Mechanisierung der Landwirtschaft auf der ganzen Welt zu stabilen bis leicht fallenden Preisen für Agrarrohstoffe.»
Joachim Klement, Ökonom und Partner bei Wellershoff & Partner Ltd.

Ökonom Joachim Klement ist zudem überzeugt, dass die momentanen Preiserhöhungen nur ein vorübergehendes Phänomen sind. Er rechnet nicht damit, dass sich die Preise für Brot und andere Grundnahrungsmittel dauerhaft erhöhen. Im Gegenteil, langfristig führe die zunehmende Mechanisierung der Landwirtschaft auf der ganzen Welt zu stabilen bis leicht fallenden Preisen für Agrarrohstoffe, so Klement.

Es trifft die Ärmsten

Auch bei der UBS glaubt man nicht an sofortige Preisänderungen bei Endprodukten aufgrund von Spekulationen. Der Einfluss von Finanzinvestoren sei nicht nachhaltig und sollte nicht überschätzt werden, heisst es. Trotzdem schliesst die UBS steigende Lebensmittel-Rohstoff-Preise nicht aus. Denn bleiben die Rohstoffpreise hoch, werde sich das über längere Zeit auch in Form von höheren Preise für Lebensmittel auf die Konsumenten auswirken.

Porträtaufnahme von Daniel Kalt, Chefökonom der UBS.
«Der Einfluss von Finanzinvestoren ist aber nicht nachhaltig und darf nicht überschätzt werden.»
Daniel Kalt, UBS-Chefökonom

«Problematisch kann dies sein, weil diese Entwicklung ärmere Schichten tendenziell stärker trifft als reichere und steigende Lebensmittelpreise vor allem die Realeinkommen der Bevölkerung in den Entwicklungsländern überdurchschnittlich stark beeinträchtigt», erklärt der Chefökonom der UBS, Daniel Kalt.

Konkurrenzdruck hat zugenommen

Wenn von spekulativen Preiserhöhungen von Rohstoffen die Rede ist, dann führt dies also nicht gleich zu happigen Preisaufschlägen bei den Schweizer Detailhändlern. Nicht zuletzt auch deshalb, weil der Wettbewerb unter den Grossverteilern Dimensionen erreicht hat, bei der zugunsten der Marktfähigkeit auch mal auf eine Preiserhöhung verzichtet wird. Für den Konsumenten sind das gute Nachrichten. Für die Wirtschaft, die eine leichte Inflation durchaus gebrauchen könnte, weniger.

Kommentare aktiv...

H. Bernoulli, Zürich
(hbernoulli Mann)
Verfasst am: 21.10.2010 14:36

Das ist auch eine der Nebenwirkungen

der Geldmengenausweitung: Mit dem vielen Geld,... mehr

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N. Binsberger, St. Gallen
(NBinsberger Frau)
Verfasst am: 20.10.2010 9:07

Spekulanten entlarven sich selbst

Entweder, man nimmt den Bericht ernst: dann ist... mehr

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B. Scheidegger, Bern
(Sanderston Frau)
Verfasst am: 20.10.2010 7:27

Das kommt davon,wenn man sich in Abhängigkeit begibt.Unser Land ist

dank des hohen Fleischkonsums nicht mehr in der... mehr

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