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«Nationalratssitze lassen sich nicht kaufen»

Tobias Bühlmann
Montag, 11. Oktober 2010, 18:10 Uhr

Die FDP des Kantons Zürich verlangt von ihren Nationalratskandidaten mehrere Zehntausend Franken, wollen sie einen Listenplatz mit guten Wahlchancen. Die Praxis hat für Kopfschütteln gesorgt. Kampagnenspezialist Mark Balsiger findet den Betrag aber gar nicht so hoch. Im Kanton Zürich seien für eine Wahlkampagne für den Nationalrat pro Kandidat rund 150'000 Franken nötig.

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Der Bericht der «NZZ am Sonntag» wirbelte einigen Staub auf. 40‘000 Franken verlangt die Zürcher FDP für die ersten vier Plätze auf ihrer Nationalratsliste. Kritik setzt es vor allem von Seiten junger Kandidaten ab. Diese könnten sich solche Summen nicht leisten, zitiert die Zeitung Alain Schreiner, Präsident der Zürcher Jungfreisinnigen.

Nationalratsmandat eröffnet neue Möglichkeiten

Mark Balsiger, der selbst eine PR- und Kampagnenagentur betreibt, findet den Betrag nicht sonderlich hoch: «Ein Nationalrat erhält im Jahr alles in allem rund 110‘000 Franken pro Jahr. Da sind die 40‘000 für einen Top-Listenplatz vertretbar.»

Bild Das Logo der FDP, im Vordergrund unscharf Nationalrat Ruedi Noser.
Wollen sich die Bisherigen der FDP Zürich die Wiederwahl in den Nationalrat sichern, werden 40'000 Franken für den Listenplatz fällig. keystone

Dieser Betrag falle zudem nur für die ersten vier Listenplätze an, auf denen wohl die vier Bisherigen kandidieren werden, sagt Balsiger. Und wer sich dank dem Nationalratsmandat auf nationalem Parkett bewegt, dem eröffnen sich auch neue Möglichkeiten. Nicht selten werden Mitgliedern der Grossen Kammer Verwaltungsratsmandate angeboten, die sehr lukrativ sein können.

«Listenplatz ist zentral»

Für problematisch hält Balsiger die Kosten für Platz fünf und abwärts. Hier seien die Abstufungen zu klein. 25‘000 oder 10‘000 Franken für einen Listenplatz, mit dem man wahrscheinlich leer ausgeht, findet der Kampagnenspezialist zu viel.

Im Kanton Zürich sei der Listenplatz bei etablierten Parteien zentral: «Chancen hat im Kanton Zürich nur, wer auf den vordersten Listenplätzen steht. Das lässt sich auch wissenschaftlich belegen», so Balsiger. «Die Wahl von Nathalie Rickli (SVP/ZH) zeigt, dass auch junge Kandidierende mit wenig politischer Erfahrung gewählt werden, wenn sie gute Listenplätze erhalten.»

«Sitze lassen sich nicht kaufen»

In der Vergangenheit hat es immer wieder Vorwürfe gegeben gegen, dass sich Nationalräte ihre Mandate erkauft hätten. Balsiger hält diese aber für wenig stichhaltig. «Der Faktor Geld wird überschätzt. Mit einem grossen Wahlkampfbudget lässt sich in der Schweiz ein Nationalratssitz weiterhin nicht kaufen.»

Am teuersten seien im Wahlkampf Plakate und Inserate. Auf diesen Kanälen stehen die Kandidaten aber in Konkurrenz zu kommerzieller Werbung von Grosskonzernen mit Millionenbudgets wie etwa von H&M oder Migros, sagt Balsiger. Wichtiger sei erfahrungsgemäss die Präsenz im redaktionellen Teil der Medien. Diese ist nicht mit Geld aufzuwerten, vielmehr muss sich ein Kandidat über mehrere Jahre ein Image aufbauen. «Als Beispiel: Felix Gutzwiller ist in den 90er-Jahren gewählt worden, weil er sich als Mediziner einen Namen gemacht hatte.»

Doch auch wenn sich Sitze nicht kaufen lassen: Die Kosten für eine Kampagne können happig ausfallen. Balsiger schätzt die Kosten für den Wahlkampf im Kanton Zürich im Schnitt auf 150‘000 Franken – pro Nationalratssitz. Wer diesen Betrag nicht aufwende, brauche nicht anzutreten.

Hindernis für Polit-Nachwuchs

Kritisiert wird die Regelung der Zürcher FDP denn auch hauptsächlich, weil sie jüngeren Kandidaten die Chancen auf eine Wahl verbaut. Hier riskiere die Partei, Nachwuchskräfte so lange hinzuhalten, bis diese das Interesse an der Politik verlören, so Balsiger.

Als Beispiel lässt sich etwa Lena Schneller anführen, die mehrere Jahre die Schweizer Jungfreisinnigen präsidiert hat. Trotzdem räumte ihr die Zürcher FDP bei den Wahlen 2007 einen Platz im Mittelfeld der Liste ein, auf dem sie keinerlei Wahlchancen hatte. «Die FDP Zürich verliert so Leute, die in fünf bis zehn Jahren eine zentrale Rolle spielen könnten», sagt Balsiger gegenüber «tagesschau.sf.tv».

Dass es auch anders funktionieren könnte, zeigt beispielsweise die SP. Evi Allemann oder Ursula Wyss seien gerade auch dank ihrem guten Listenplatz in den Nationalrat gewählt worden, so Balsiger.

Portrait von Mark Balsiger

Mark Balsiger

Der Kampagnenspezialist Mark Balsiger betreibt eine Agentur für politische Kampagnen und Public Relations in Bern. Er hat Politikwissenschaft, Geschichte und Journalistik studiert und hat das Medienausbildungszentrum Luzern (MAZ) in Luzern besucht. Balsiger war mehrere Jahre als Journalist tätig, zuletzt bei Schweizer Radio DRS.

Kommentare aktiv...

N. Binsberger, St. Gallen
(NBinsberger Frau)
Verfasst am: 13.10.2010 3:25

Kartoffelsack for President!

Natürlich lässt sich ein Nationalratssitz... mehr

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L. Weber

Verfasst am: 13.10.2010 2:16

was ist daran so tragisch?

nun als Mitglied seit vielen Jahren bei den... mehr

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T. Schneider, Aarau
(Rocketkatze Frau)
Verfasst am: 13.10.2010 1:45

wieder ein stückchen Wahrheit

mich persönlich stört es weniger wenn die FDP... mehr

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