International
Friedensnobelpreis: «China statuiert ein Exempel»
Die Ehefrau des chinesischen Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo steht unter Hausarrest. SF-Korrespondentin Barbara Lüthi vermutet, dass der Arrest noch einige Zeit dauern wird. Weiter glaubt sie, dass sich politisch in dem Land durch die Nobelpreis-Vergabe kurzfristig nichts ändern wird. Laut ihren Einschätzungen wird es auch zu keiner Freilassung des Dissidenten kommen.
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Die Polizisten vor dem Haus, in dem sich die Wohnung von Liu Xia befindet, seien mittlerweile abgezogen, sagte Lüthi. Es könne jedoch sein, dass sich im Innern noch Polizisten befänden.
Lüthi berichtete weiter, dass in Peking Menschenrechts-Aktivisten festgenommen worden seien. «Darunter sind Leute, zu denen ich engeren Kontakt hatte», sagte sie. Seither habe sie nichts mehr von ihnen gehört.
«China würde Blösse zeigen»
Die SF-Korrespondentin glaubt nicht daran, dass der Friedensnobelpreis für Liu Xiaobo in China zu kurzfristigen politischen Veränderungen führen wird. «Liu wird sicher weiter an Bekanntheit gewinnen und die Demokratiebewegung wachsen, für weitreichende politische Reformen wird es aber noch Generationen dauern.» Dies obwohl sich innerhalb des Parteiapparates die kritischen Stimmen, die eine politische Öffnung forderten, mehrten.
Lüthi glaubt ebenfalls nicht daran, dass es zu einer Haftentlassung Lius kommen wird. «China würde Blösse zeigen.» Bei einer Freilassung wäre die Botschaft, dass genug Einsatz und Druck seitens von Aktivisten reichen würden, um Änderungen herbeizuführen. «China muss ein Exempel statuieren», so Lüthi.
Verlassen des Hauses nur in Polizeiwagen
Liu Xia, die Ehefrau des Nobelpreisträgers, schrieb in einer Botschaft im Kurznachrichtenportal Twitter, sie wisse nicht, wann sie wieder jemanden sehen könne, ihr Mobiltelefon sei zerstört worden.
Laut den in den USA ansässigen Menschenrechtsorganisationen Freedom Now und Human Rights in China (HRIC) darf Liu Xia ihre Wohnung nur in Begleitung in einem Polizeiwagen verlassen.
Die Ehefrau des Preisträgers Liu Xiaobo bestätigte sie, dass sie am Samstag ihren im Nordosten Chinas inhaftierten Ehemann besucht und ihm von seiner Auszeichnung mit dem Friedensnobelpreis erzählt habe.
Die Polizei hinderte Journalisten in Peking daran, sich der Wohnung von Liu Xia zu nähern. Eintreffende Bewohner des Wohnhauses wurden kontrolliert.

Preis den Tiananmen-Opfern gewidmet
Liu Xiaobo sagte seiner Frau bei ihrem Besuch im Gefängnis nach Angaben von Human Rights in China, er widme die Auszeichnung den Opfern des Massakers auf dem Pekinger Tiananmen-Platz 1989.
Am 4. Juni 1989 hatte die chinesische Regierung die Kundgebungen der Demokratiebewegung auf dem Tiananmen-Platz blutig niederschlagen lassen. Dabei kamen hunderte, möglicherweise sogar tausende Menschen ums Leben.
Ohrfeige für Norwegen
Mittlerweile hat China aus Verärgerung über die Entscheidung des Nobel-Komitees erste diplomatische Konsequenzen gezogen. Die Regierung sagte den Termin einer norwegischen Ministerin in Peking ab
Wie das Aussenministerium in Oslo mitteilte, wurde ein für Mittwoch geplantes Treffen der norwegischen Fischereiministerin Lisbeth Berg-Hansen mit dem chinesischen Vize-Minister des gleichen Ressorts gestrichen. Nach Angaben des norwegischen Fernsehsenders NRK war es die erste offizielle Massnahme Pekings gegen Norwegen.
Chinesische Sicherheitskräfte verweigerten ausserdem einem europäischen Diplomaten den Zugang zu Liu Xia. Im Auftrag von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hatte der Diplomat am Montag eine Botschaft mit Glückwünschen überreichen wollen.
Weltweite Kritik hält an
An der Haltung Chinas wurde weiter Kritik laut: Der Dalai Lama sagte, Peking «schätzt andere Meinungen überhaupt nicht» und kritisierte die «Hardliner» in der chinesischen Regierung.
Der Schriftstellerverband PEN forderte die Freilassung Lius. Der Dissident war einst Vorsitzender der chinesischen PEN-Sektion.
(sf/bosy)
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