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International

Sorge um Ehefrau von Nobelpreisträger Liu Xiaobo

Samstag, 9. Oktober 2010, 5:52 Uhr, Aktualisiert 16:02 Uhr

China reagiert offenbar mit Härte gegen die Vergabe des Friedensnobelpreises an den chinesischen Dissidenten Liu Xiaobo. Dutzende Anhänger seien bei Feiern für seine Auszeichnung festgenommen worden. Ausserdem sorgen sich Menschenrechtsaktivisten um seine Ehefrau. Der Anwalt des Preisträgers erklärte, Liu Xia sei verschwunden.

Bild Liu Xia mit Brille.
Liu Xia fürchtet, dass sie ausserhalb der Hauptstadt unter Hausarrest gestellt werden könnte. keystone

Der Anwalt befürchtet, sie könnte von der Polizei abgeholt worden sein. Zuvor hatte es geheissen, die Frau des Nobelpreisträgers sei wahrscheinlich auf dem Weg in die Stadt, wo ihr Gatte inhaftiert sei. Liu Xiaobo verbüsst derzeit eine elfjährige Haftstrafe in einem Gefängnis 500 Kilometer von Peking entfernt.

Seine Ehefrau hatte gehofft, zu ihm fahren und ihm von der Auszeichnung berichten zu können. «Sie ist verschwunden», sagte der Anwalt Shang Baojun der Nachrichtenagentur AP. «Wir machen uns Sorgen um sie.» Auch Liu Xias Mutter könne die Tochter nicht erreichen, ihr Mobiltelefon sei abgeschaltet.

Bild Aufnahme aus einem Auto von chinesischem Gefängnis.
In diesem Gefängnis soll der neue Friedensnobelpreisträger Inhaftiert sein. sf

Die Frau des eben erst mit dem Nobelpreis geehrten Bürgerrechtlers Liu Xiaobo hatte bereits kurz nach der Preisvergabe ihre Besorgnis geäussert. Gegenüber dem US-Sender «Radio Free Asia» sagte sie, die Polizei warte, dass sie ihre Sachen zusammenpacke. Die Beamten hätten ihr gesagt, dass sie ihren Mann sehen könne.

Polizei bedrängt Liu Xia

Die Frau des Friedensnobelpreisträgers hat sich zwar sehr über die Auszeichnung an ihren Mann gefreut. Doch Liu Xia wurde sofort von hunderten Polizisten abgeschirmt. Mehr dazu lesen Sie >hier.

Über Twitter hatte sie zuvor verkündet, sie habe sich bereits am Donnerstag gegen Versuche der Polizei gewehrt, sie zu einer Reise nach Jinzhou zu überreden. Liu Xia befürchtet, dass sie ausserhalb der Hauptstadt unter Hausarrest gestellt werden könnte.

Dutzende Anhänger festgenommen

Nach der Bekanntgabe der Entscheidung des Nobelkomitees hatten sich bis zu 100 Unterstützter vor dem Wohnort Lius in Peking versammelt. Auch Dutzende Journalisten waren gekommen.

Bei Feiern anlässlich der Auszeichnung des inhaftierten Dissidenten seien mehrere Teilnehmer abgeführt worden, sagten Menschenrechtler.

In China sind kaum Informationen zum Thema zu finden. Zu viel Aufmerksamkeit verursache der Regierung grosses Kopfschmerzen, sagte der bekannte Menschenrechtsanwalt Teng Biao. «Sie will nicht, dass die Menschen von dieser Geschichte erfahren. Nichts davon wird in der Presse berichtet.»

China reagierte mit Wut

Die Führung in Peking hatte bereits angedeutet, eine Wahl könne Konsequenzen haben. Peking hatte mit aller Schärfe auf die Entscheidung des Komitees reagiert. Liu sei «ein Krimineller». Die Vergabe «an solche Leute» sei «eine Schmähung» des Nobelpreises, hiess es in Peking. Der norwegische Botschafter wurde einbestellt, wie die Regierung in Oslo mitteilte.

Führender Kopf der Demokratiebewegung

Liu, Ehrenvorsitzender des PEN-Clubs unabhängiger chinesischer Schriftsteller, war im Dezember 2009 wegen «Untergrabung der Staatsgewalt» zu elf Jahren Haft verurteilt worden. Er gilt als führender Kopf hinter der «Charta 08», einem Aufruf für Demokratie und Menschenrechte in China in der Tradition der «Charta 77» tschechoslowakischer Bürgerrechtler.

Liu ist seit zwei Jahrzehnten ein führender Denker der Demokratiebewegung. Er war auch an den blutig niedergeschlagenen Protesten auf dem Platz des Himmlischen Friedens 1989 beteiligt und sass bereits vor seiner Verurteilung mehrfach in Haft.

(agenturen/fref/stom/engf)

Kommentare aktiv...

W. Kathriner, Sarnen
(A. Mann)
Verfasst am: 9.10.2010 23:42

@R. Reinhard

Da haben Sie recht, das waren noch Zeiten, als... mehr

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J. Simon, Bern

Verfasst am: 9.10.2010 22:03

Preises

und es würde mit Recht auch verblassen, täten... mehr

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J. Simon, Bern

Verfasst am: 9.10.2010 21:53

Die Vergebung

FN-Preises an den Dissidenten zeigt an den... mehr

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