Schweiz
Schockierende Bilder: Schlangen leiden für die Luxusbranche
Es sind drastische Bilder: Schlangen, denen bei lebendigem Leib die Haut abgezogen wird. Echsen, die mit zusammengeschnürten Beinen in Plastiksäcke gestopft werden. Die «Rundschau» hat den Alltag bei der Reptillederproduktion in Indonesien dokumentiert. Jetzt fordern Zoologen einen Handelsstopp.
Kein anderes Land handelt mit derart vielen Produkten von artengeschützten Tieren wie die Schweiz. Hauptverantwortlich dafür ist die Uhrenindustrie. Jedes Jahr importiert sie mehr als eine Million Uhrenarmbänder aus artengeschützten Reptilien. In der Mehrzahl sind es Krokodile, aber auch Schlangen und Echsen werden in der Uhrenbranche verwendet.
Kaum bekannt ist, mit welch grausamen Methoden Schlangen und Echsen gejagt und getötet werden. Die «Rundschau» zeigt, wie den sogenannten Bindewaranen gleich nach dem Fang die Beine eng über dem Rücken zusammengebunden werden. In Plastiksäcken transportiert, müssen sie so tagelang verharren, bis sie schliesslich das Schlachthaus erreichen. Dort werden sie auf qualvolle Weise getötet.
Importeure zeigen sich unwissend
David Senn, Zoologieprofessor an der Universität Basel und ursprünglich Reptilienforscher, hat das «Rundschau»-Material gesehen: «Ich bin schockiert. Das ist eindeutig Tierquälerei. Die Konsequenz müsste sein, dass kein anständiger Juwelier weiter solche Leder anbietet.»
Swatch reagiert
Der Uhrenkonzern Swatch reagiert auf die schockierenden Bilder. Die Konzerndivision Far Eastern Procurement Service (FEPS) werde umgehend untersuchen, ob Leder aus dem Fernen Osten verwendet werde und gegebenenfalls die Bezugsquellen vor Ort überprüfen, gab Swatch bekannt. Derartige Produkte aus solch zweifelhaften Quellen hätten in der Produktepalette des Konzerns keinen Platz.
Unwissend zeigt sich der Präsident des Schweizer Verbands der Uhrenindustrie, Jean-Daniel Pasche. Gegenüber der «Rundschau» erklärt er: «Bis jetzt ist die Frage des Tierschutzes in unseren Organen nicht besprochen worden. Deshalb kann ich mich dazu nicht äussern.»
Schlangen verenden qualvoll
Auch in der Modebranche finden Taschen, Gürtel und Schuhe aus exotischem Leder, vor allem aus Schlangenhaut, grossen Absatz. Besonders «in» ist Pythonleder. In den letzten fünf Jahren sind 250'000 Produkte aus Pythonleder in die Schweiz eingeführt worden. Die Waren stammen zu einem grossen Teil von wild gefangenen indonesischen Tieren.
Pythons werden mit Hammerschlägen auf den Kopf getötet. Wie die «Rundschau»-Bilder zeigen, leben viele der Schlangen nach den Schlägen noch stundenlang weiter. Die Pythons werden mit Wasser gefüllt, damit sich ihre Haut anspannt und die Arbeiter vor dem Häuten einen geraden Schnitt anbringen können.
Während der Prozedur des Wässerns bewegen sich einzelne Tiere noch stark. Professor Senn: «Die leben noch. Man muss annehmen, dass das für diese Tiere extrem qualvoll ist.»



