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Anhänger von Schweizer Parteien auf Facebook
Stand 5.10.2010
Quelle: politnetz.ch
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Schweiz
Schweizer Parteien ernüchtert über Facebook & Co
Barack Obamas erfolgreiche Wahlkampfstrategie mit sozialen Netzwerken hat hunderttausende Neuwähler für seine Wahl als US-Präsident mobilisiert. Die Frühlingsluft im Internet hat ursprünglich auch Schweizer Parteien motiviert eine eigene Präsenz bei Facebook, Twitter und YouTube aufzubauen. Doch ein Jahr vor der Wahl der National- und Ständeratswahlen zeigt sich, der Einbezug sozialer Netzwerke ist schwieriger als gedacht.
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Amerikanische Beobachter schätzen, dass Barack Obama, durch eine geschickte Nutzung sozialer Netzwerke tausende zusätzliche junger Stimmen für sich gewinnen konnte.
Auch bei der Finanzierung des Wahlkampfs ging der heutige US-Präsident neue Wege. Durch soziale Netzwerke gingen über 2 Millionen einzelne Spenden von je bis zu 200 Dollar ein.
Zu grosser Aufwand für den Ertrag
Die Realität der Schweizer Parteien sieht anders aus. Ein Jahr vor den Parlamentswahlen 2011 ist ihre Präsenz in den sozialen Netzwerken bescheiden. Während Obama einen ganzen Mitarbeiterstab beschäftigt, um seine Nachrichten zu schreiben, haben die Schweizer Parteien keine personellen Ressourcen für solche Sachen.
Aufgrund von schlechten Erfahrungen mit «Trittbrettfahrern und Selbstdarstellern», die auf den offiziellen Netzwerk-Seiten ihre Ansichten verkünden, sei es schwierig diese Seiten zu kontrollieren, sagte die Kommunikationsschefin der CVP, Marianne Binder. So lasse man den interaktiven Aspekt auf Facebook meistens weg.
Toni Brunner auf Facebook
Der Wille zur verstärkten Nutzung der neuen Kommunikationsmittel ist seitens der etablierten Parteien vorhanden. Bei der SVP verrät Generalsekretär Martin Baltisser: «Auch Parteipräsident Toni Brunner wird künftig aktiv werden auf Facebook.»
Piratenpartei hat die meisten Anhänger
«Twitter ist in der Schweiz noch marginal. Facebook wird von Parteien stärker genutzt. Die Herausforderung für die Parteien ist es, dieses Netzwerk für konzertierte Aktionen zu nutzen. Es liegt jedoch in der Natur der Sache, dass sich solche Networks nicht steuern lassen», sagt Andreas Amsler von «politnetz.ch». So ist es auch nicht erstaunlich, dass eine Schweizer «Protest»-Partei am meisten Facebook-Anhänger besitzt: Die Schweizer Piratenpartei liegt vor der SVP und SP.
Doch bis jetzt ist der Generationenunterschied innerhalb der Partei offensichtlich: Während Toni Brunner auf seinem Twitter-Konto dem Leser immer noch einen schönen Nationalfeiertag wünscht, hat der jüngste Nationalrat der Schweiz, Lukas Reimann (SVP/St.Gallen) seine Stimmabgaben an der Bundesratswahl am 22. September «live» getwittert. Sein Twitter beim ersten Wahlgang aus dem Nationalratssaal: «Ich schreibe jetzt Jean-François Rime auf meinen Zettel!».
Soziale Netzwerke bestärken vorhandene Ansichten
Noch vollen Mutes ist Min Li Marti, die Leiterin Kampagnen der Sozialdemokratischen Partei: «E-Campaigning ist ein fixer Bestandteil unseres Wahlkampfs 2011 und beinhaltet wesentlich mehr als bloss Facebook und Twitter.» Was das genau sein wird, verrät sie nicht.
Dass das Internet bei der jungen Wählerschaft als Informationskanal an Bedeutung gewinnen, ist unbestritten. Doch Medienwissenschaftler Matthias Brändli der Universität Zürich relativiert die Relevanz der neuen Medien für den nächsten Wahlkampf: «Die Kampagnen auf Twitter und Facebook sprechen «lediglich» diejenigen Personen an, die die Positionen der jeweiligen Partei im Grossen und Ganzen ohnehin bereits vertreten.»






