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International

Massive Kritik an Polizei-Einsatz in Stuttgart

Freitag, 1. Oktober 2010, 12:56 Uhr

Die Kritik am gestrigen Einsatz der Polizei in Stuttgart (D) gegen Gegner des Bahnprojekts Stuttgart 21 wird immer lauter. Die Polizeiaktion beschäftigt mittlerweile auch Berlin. Zu weiteren Demos werden heute in Stuttgart gegen 100‘000 Personen erwartet.

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Die Grünen haben den massiven Polizeieinsatz gegen die Demonstration gegen das Bahn-Projekt Stuttgart 21 verurteilt. Grünen-Chef Cem Özdemir kritisierte in der ARD den baden-württembergischen Innenminister Heribert Rech massiv. Rech habe Demonstranten auf «skandalöse Art und Weise zusammenprügeln» und Polizisten Pfefferspray «auf ältere Damen und Kinder» sprühen lassen.

Rech verteidigte den Polizeieinsatz als notwendig. Die Appelle an die Demonstranten, friedlich zu bleiben, hätten nicht gefruchtet, sagte er in der ARD. «Wenn Mütter mit Kindern weggetragen werden von der Polizei, dann ist das eine Massnahme mit der die Mütter rechnen, wenn sie sich auf den Weg setzen.» Rech rechtfertigte auch das Vorgehen der Polizei gegen Jugendliche: «Wenn Schüler auf Polizeifahrzeuge klettern, Polizeifahrzeuge besetzen, Reifen zerstechen, dann muss die Polizei in angemessener Weise darauf reagieren.»

Wie aus Pflastersteinen plötzlich Kastanien werden

Der Grünen-Innenpolitiker Wolfgang Wieland hat nach Eskalation der Proteste gegen das Bahnprojekt «Stuttgart 21» schwere Vorwürfe gegen die baden-württembergische Landesregierung erhoben. Diese habe offensichtlich falsch informiert.

Nach einer kurzfristig einberufenen Sondersitzung des Innenausschusses am Morgen in Berlin sagte Wieland, dass es bei dem Einsatz vier verletzte Bundespolizisten gegeben habe, dadurch drei durch Fremdverschulden. Dabei handele es sich um Hämatome, also nicht um schwere Verletzungen. Auch sei eingeräumt worden, dass es eine «Falschinformation» gewesen sei, dass mit Pflastersteinen geworfen worden sei. «Es handelte sich ganz offenbar um Kastanien.»

Der Grünen-Politiker betonte: «Wenn man das so etwas in die Welt setzt, dann will man anheizen. Dann will man eigenes zu hartes Vorgehen damit rechtfertigen.»

Merkel besorgt über Gewalt

Bundeskanzlerin Angela Merkel äusserte sich besorgt über die Gewalt bei den Protesten. «Ich wünsche mir, dass solche Demonstrationen friedlich verlaufen. Das muss immer versucht werden und alles muss vermieden werden, was zu Gewalt führen kann,» sagte Merkel in einem Interview des SWR. Die Kanzlerin verteidigte das Bahnprojekt erneut als sinnvoll und richtig. Wer mehr Verkehr von der Strasse auf die Schiene bringen und die Logistik modernisieren wolle, der müsse auch zu den dafür notwendigen Massnahmen bereit sein.

Am Morgen befasste sich auch der Innenausschuss des Bundestages in einer Sondersitzung mit dem Einsatz. Ausschussmitglied Jan Korte von der Linken sagte vor Beginn der Sitzung, «Stuttgart 21» entwickle sich zu einer politischen Bankrotterklärung.

Grüne scheitern mit Antrag zu «Stuttgart 21»-Debatte im Bundestag

Die Grünen sind mit ihrem Anliegen gescheitert, die Auseinandersetzungen um das «Stuttgart 21»-Projekt zum Thema im Bundestag zu machen. Der Antrag der Grünen wurde am Morgen mit den Stimmen der schwarz-gelben Koalition abgelehnt. Notwendig wäre eine Zwei-Drittel-Mehrheit gewesen.

Nach Ansicht des Parlamentarischen Geschäftsführers der Unions-Fraktion, Peter Altmaier, handelt es sich um ein durchsichtiges Manöver der Grünen. Die Koalition sei nicht bereit, ohne Kenntnis der Fakten über die Eskalation in Stuttgart zu beraten.

116 Verletzte

Die zuvor friedlichen Proteste gegen das Bahnprojekt waren gestern eskaliert. Bei Absperrungen für Baumfällarbeiten im Stuttgarter Schlossgarten setzte die Polizei gegen die Demonstranten Wasserwerfer und Pfefferspray ein. Auch Polizeibeamte wurden verletzt. Die Demonstranten selbst sprachen von mehreren Hundert Verletzten, die Polizei von 116.

In der Nacht auf heute hatten im Schlosspark unter dem Protest von rund 3000 Demonstranten die Baumfällarbeiten für das Bahn-Projekt begonnen. Rund 25 Bäume wurden bis zum frühen Morgen gefällt und vor Ort weiterverarbeitet. (Mehr dazu

Die Demonstranten sind frustriert, dass der ganze Protest nichts nutzte. (Tagesschau Beitrag vom 01.10.10)

Insgesamt 26 Demonstranten im Alter zwischen 15 und 68 Jahren wurden laut Polizei vorübergehend festgenommen. Die Polizei leitete erste Ermittlungen gegen Demonstranten ein. Dabei geht es unter anderem um gefährliche Körperverletzung, Sachbeschädigung, Beleidigung, und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Gegen Polizeibeamte lagen gemäss Polizei bisher acht Anzeigen wegen Körperverletzung im Amt vor.

Bis zu 100‘000 Demonstranten erwartet

Trotz der Abholzung der ersten Bäume für «Stuttgart 21» im Schlossgarten wollen die Gegner ihren Protest gegen das Milliardenprojekt fortsetzen. Der Sprecher der Kritikerorganisation «Parkschützer», Matthias von Herrmann, sagte, dass «Stuttgart 21» durch die Fällung von 25 Bäumen nicht sinnvoller geworden sei. Er rechne damit, dass der Protest mindestens bis zur Landtagswahl am 27. März 2011 weiterlaufe. Eine Prognose über den Verlauf wagte er nicht. «Vor zwei bis drei Monaten hätte ich nicht geglaubt, dass es so einen Massenprotest gibt.»

Herrmann zeigte sich zuversichtlich, dass heute bis zu 100‘000 Demonstranten kommen könnten. Angesichts der Bilder, die nach den gestrigen Protesten durch die Medien gegangen seien, erwarte er eine zusätzliche Mobilisierung. «Die Leute sind hell entsetzt.»

(agenturen/vaid)

Kommentare aktiv...

E. Blindenbacher, Entenhausen
(heinzbin Mann)
Verfasst am: 2.10.2010 14:44

Stalinistische Linke

Das macht mir Angst. Die sind noch schlimmer als... mehr

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S. Gaggo, Toffen
(bing12 Mann)
Verfasst am: 2.10.2010 14:41

U. Huber, Friedrichshafen

Wen sie von Schachsinn schreiben muss ich ihnen... [1]  mehr

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U. Huber, Friedrichshafen
(ss8002 Mann)
Verfasst am: 2.10.2010 9:50

Volksverdummung par Excellence

Wenn die Schweiz für den 57 Km langen Neat... mehr

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