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Alpenkonvention: Nationalrat verärgert Leuenberger

Mittwoch, 29. September 2010, 16:12 Uhr

Die Zusatzprotokolle zur Alpenkonvention sind vom Tisch. Der Nationalrat hat entschieden, sie nicht zu ratifizieren. Er lehnte es zum zweiten Mal ab, darauf einzutreten - trotz dem engagierten Auftritt von Bundesrat Moritz Leuenberger.

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«Ohne die Mithilfe unserer Nachbarländer Österreich, Deutschland und Frankreich können wir nie zu einer Einigung mit der EU kommen», sagte Umweltminister Leuenberger. Auf das Kopfschütteln im Nationalratssaal reagierte der Umweltminister mit Schlagfertigkeit. «Ja, Sie schütteln wieder den Kopf. Gut, es macht jeder mit seinem Kopf was er kann», witzelte Leuenberger.

Leuenberger reagiert auf Kopfschütteln mit Schlagfertigkeit

«Sie sind im Begriff, einen Fehler zu machen, den dann andere ausbaden müssen», warnte der Umwelt- und Verkehrsminister vor der Abstimmung. Als neue UVEK-Chefin werde Doris Leuthard nächstes Jahr die Alpenkonvention präsidieren. Es werde keinen guten Eindruck machen, wenn ausgerechnet die Schweiz die Protokolle nicht unterzeichne.

Die Alpenkonvention

Bei der Alpenkonvention handelt es sich um einen Staatsvertag. Er soll den Schutz und die nachhaltige Entwicklung des Alpenraums gewährleisten. Die Alpenkonvention wurde am 7. November 1991 von Österreich, Frankreich, Deutschland, Italien, Liechtenstein, der Schweiz und der EU unterzeichnet. Slowenien unterzeichnete die Konvention am 29. März 1993. Monaco trat der Konvention aufgrund eines Zusatzprotokolls bei. Die Alpenkonvention trat am 6. März 1995 in Kraft.

Die Warnungen Leuenbergers nützten nichts, ebenso wenig jene seitens der SP-, Grünen-, BDP- und Teilen der CVP-Fraktion: Mit 102 zu 76 Stimmen und 9 Enthaltungen weigerte sich der Nationalrat, auf die Vorlage einzutreten, wie er dies bereits letztes Jahr getan hatte.

Angst vor den Auswirkungen

Die in den Protokollen vorgesehenen Schutzmassnahmen seien ein zu enges Korsett und würden die Entwicklung der Berggebiete bremsen. Davon war die Kommissionsmehrheit überzeugt. Die tatsächliche Tragweite der Protokolle sei schwer abzuschätzen.

Die Zusatzprotokolle

Die Rahmenkonvention trat 1999 mit dem Segen des Parlaments in Kraft. Die neun Zusatzprotokolle betreffen die Bereiche Verkehr, Energie, Raumplanung, Landwirtschaft, Naturschutz, Bergwald, Tourismus, Bodenschutz und Streitbeilegung.

Da 60 Prozent des Schweizer Territoriums und 25 Prozent der Schweizer Bevölkerung betroffen seien, sei es unvernünftig, die Protokolle zu ratifizieren. Sonst komme es zu Kompetenzkonflikten, Doppelspurigkeiten und raumplanerischen Einschränkungen, warnten Guy Parmelin (SVP/VD) und Christian Wasserfallen (FDP/BE). Zudem werde die Souveränität der Schweiz tangiert.

Bild Enzian-Blumen auf Alpwiese
Der Naturschutz wird unter anderem in den neun Zusatzprotokollen geregelt. keystone

Die Minderheit mit CVP-, SP- und GLP-Vertretern sah in den Protokollen im Gegenteil eine Chance für die nachhaltige Entwicklung im Berggebiet und für internationale Zusammenarbeit.

Das Ende einer unendlichen Geschichte

Die Diskussion um die Ratifizierung der Protokolle dauerte Jahre, nämlich seit 2001. Im Jahr 2004 stimmte der Ständerat der Ratifizierung von wenigstens drei der neun Protokolle zu - jenen zum Verkehr, zur Raumplanung und zum Bodenschutz.

Der Nationalrat jedoch entschied sich 2009 für Nicht-Eintreten, wenn auch nur knapp mit 97 zu 94 Stimmen und zwei Enthaltungen. Der Ständerat seinerseits hielt in der Sommersession dieses Jahres an seiner Position fest.

(sf/sda/muei)

Kommentare aktiv...

D. Andres, Biel
(dpabiel Mann)
Verfasst am: 30.9.2010 12:25

dumm mund kurzsichtig

der Beschluss ist so dumm und kurzsichtig, wie... mehr

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P. Beutler, Leissigen
(Demokritus Mann)
Verfasst am: 30.9.2010 9:21

*Wie haben wir gestern gelacht!

So gut! "Jeder macht mit seinem Kopf, was er... mehr

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H. Zürcher, Hausen
(hpz Mann)
Verfasst am: 29.9.2010 22:43

Immer frecher!

Gegen den Schluss seines Bundesrats - Sein wird... mehr

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