Inhalt

Departementsverteilung: Die Genossen-Seele kocht

Dienstag, 28. September 2010, 11:35 Uhr

Auch einen Tag nach der Departements-Rochade im Bundesrat haben sich die Wogen nicht geglättet. In den Sendungen «Tagesschau» und «10vor10» spricht SP-Parteipräsident Christian Levrat deutliche Worte und bezichtigt die FDP der Lüge. Aber auch Genossen der alten Garde zeigen sich in der Dienstagpresse konsterniert bis wütend.

Bild SP-Parteipräsident Christian Levrat vor rotem Hintergrund am Reden.
SP-Parteipräsident Christian Levrat sieht nach der gestrigen Departementsverteilung rot. reuters

Die Schlüsseldepartemente sollten in der Schweiz – nach landläufiger Meinung – von den Magistraten der grossen Parteien besetzt sein. Anlässlich der Departements-Rochade von gestern Montag wurde genau dieser Grundsatz mit Füssen getreten.

SP-Parteipräsident Christian Levrat ist über die Departementsverteilung entsprechend in Rage.

Geheimplan zum SP-Rauswurf

An die Adresse von FDP-Parteipräsident Fulvio Pelli richtet ein sichtlich wütender und auch konsternierter Levrat unmissverständliche Worte. Pelli habe gelogen, sagte Levrat zu «10vor10». Der gestrige Verteilungsentscheid sei als ein «Coup der Bürgerlichen gegen Sommaruga» zu verstehen.

27.9.10 «10vor10»: Christian Levrat (SP) spricht deutliche Worte

Noch pointierter hat sich SP-Doyen Helmut Hubacher im «Tagesanzeiger» geäussert. Derart wütend sei er erst einmal in seiner Karriere gewesen: damals, als in den 80er-Jahren Uchtenhagens Bundesratskandidatur gescheitert sei.

Portrait von Helmut Hubacher. (keystone)
«Das ist ein Tritt in den Arsch, ein absolutes Dreckspiel.»
SP-Doyen Helmut Hubacher im «Tagesanzeiger»

Nach Ansicht von Hubacher ist der Entscheid aber für beide grossen Parteien, also SP und SVP, ein schlechter Deal. Der Umstand, dass die Verteilung ohne Konsens entstanden ist, werde auf die Wahlen 2011 ausstrahlen.

Das Volk werde nicht goutieren, dass die SP zur «Zweitklasse-Partnerin im Bundesrat» degradiert worden sei. Das Ganze sei «ein Tritt in den Arsch, ein absolutes Dreckspiel», sagte Hubacher.

Portrait von Ex-SP-Präsident Peter Bodenmann. (keystone)
«Das ist eine Strafaktion gegen die Unbedarftheit der SP»
Ex-SP-Präsident Peter Bodenmann im «Tagesanzeiger»

Etwas differenzierter äusserte sich Ex-Parteipräsident Peter Bodenmann im gleichen «Tagesanzeiger»-Artikel. Angesichts der Toplage der Partei vor den Bundesratswahlen könne die Departementsverteilung auch als ein Scheitern der SP betrachtet werden, sagte Bodenmann.

Hätte die SP den SVP-Mann Rime gewählt, wofür es genug Gründe gegeben habe, dann wäre es jetzt kaum zu diesem Debakel gekommen. «Das war keine Strafaktion gegen die SP», sagte Bodenmann, «sondern eine Strafaktion für die eigene Unbedarftheit».

Keine guten Voraussetzungen

Aber auch Polit-Urgesteine wie Alt Bundesrat Rudolf Friedrich äusserten bezüglich der Departementsverteilung ihre Zweifel. Im Interview mit «10vor10» hob der FDP-Doyen die Wichtigkeit der Kollegialität des Entscheids und die Notwendigkeit der Ancienität hervor.

27.9.10 «10vor10»: Alt Bundesrat Rudolf Friedrich hält nichts von einer vorgeschriebenen Verteilung

Friedrich glaubt nicht, dass es zur Effizienz des Gremiums beiträgt, wenn Bundesräte ein Jahr vor der Gesamterneuerungswahl neue Departemente übernehmen müssten.

(sf/from)

Kommentare aktiv...

S. Schaltegger
(simon.schaltegger Mann)
Verfasst am: 3.10.2010 17:57

Levrat: Naivität und Überforderung

Wer als SP-Präsi davon ausgeht, dass sich... mehr

Zustimmen — 1 Leser ist auch dieser Meinung.
Ablehnen

Heiklen Inhalt melden antworten

F. Frei, Buriram
(thaifritz Mann)
Verfasst am: 29.9.2010 10:31

Die Realität holt uns offenbar ein

Wenn die Konkordanz offenbar so stark beschädigt... mehr

Zustimmen — 5 Leser sind auch dieser Meinung.
Ablehnen — 10 Leser sind anderer Meinung.

Heiklen Inhalt melden antworten

C. Wenger, Freiburg
(wenger_ch Mann)
Verfasst am: 29.9.2010 10:14

Die SP soll sich nicht beklagen!

Erstens: die SP ist mit 2 Sitzen im BR numerisch... mehr

Zustimmen — 13 Leser sind auch dieser Meinung.
Ablehnen — 4 Leser sind anderer Meinung.

Heiklen Inhalt melden antworten

Dieser Artikel wurde archiviert. Die Kommentarmöglichkeit wurde deshalb deaktiviert. Vielen Dank für Ihr Interesse.